Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

27.01.2003

08:23 Uhr

Schwelender Irak-Konflikt verhindert Kursgewinne

Skepsis bestimmt Aktienmärkte

VonMichael Ferber (Handelsblatt)

Unsichere Firmenausblicke und Kriegsangst dürften für weiter fallende Kurse an den Börsen sorgen, meinen Experten. Die Aktienindizes pirschen sich an die Tiefs vom vergangenen September heran.

FRANKFURT/M. Nach einer Woche hoher Kursverluste dürften der Irak- Konflikt und schwache Unternehmensprognosen die Stimmung an den internationalen Aktienbörsen weiter prägen. Experten rechnen in dieser Woche mit nervösen Investoren.

Der Euro-Stoxx-50, der Index für die 50 größten Standardwerte in der Eurozone, fiel im Handel am Freitag auf 2 234 Punkte und lag damit nur noch knapp über dem bisherigen Baisse-Tief vom vergangenen September. Auch der Deutsche Aktienindex Dax verlor weiter auf 2 718 Punkte - ein Wochenverlust von sieben Prozent. Getrieben wurden diese Verluste von den schwachen Börsen in den USA: In New York gab der Dow Jones Industrial Average deutlich auf 8 131 Punkte nach, der Nasdaq Composite lag zum Handelsschluss bei 1 342 Punkten. Damit haben diese Indizes in der vergangenen Woche um über fünf Prozent bzw. 2,5 Prozent nachgegeben.

Für die kommende Woche rechnen Händler damit, dass der sich zuspitzende Irak-Konflikt und der fallende Dollar für sinkende Kurse an den europäischen Aktienmärkten sorgen werden. Die Marktteilnehmer warten auf den heutigen Bericht des UN-Waffeninspekteurs Hans Blix vor dem UN-Sicherheitsrat, sowie auf die Reaktion der USA - ein Militärschlag gilt an den Märkten mittlerweile als fast unausweichlich. Am Dienstag soll eine Rede von US-Präsident Bush für mehr Klarheit sorgen.

Die europäischen Aktienmärkte könnten außerdem von einem weiter fallenden Dollar belastet werden. Die Deutsche Bank hat ausgerechnet, dass die Gewinne von Unternehmen der Eurozone in einem Jahr um rund sechs Prozent fallen, wenn der Dollarkurs um zehn Prozent nachgibt. Seit August ist der Dollar gegenüber der Gemeinschaftswährung um rund elf Prozent gefallen.

Weitere negative Impulse für die Kurse könnte laut Bankenexperten die Berichtssaison der Unternehmen geben. In der vergangenen Woche lagen die oft revidierten Ergebnisse der Firmen zwar meist im Rahmen der Erwartungen. Allerdings gaben einige Unternehmen einen skeptischen Ausblick für die kommenden Quartale oder verzichteten völlig darauf, wie der Touristikkonzern Tui. Dies gebe wenig Hoffnung für eine Erholung der Aktienmärkte, sagen die Experten.

In dieser Woche veröffentlichen in Deutschland allein die sechs Dax-Unternehmen Adidas-Salomon, SAP, Schering, Altana, BMW und Henkel Geschäftszahlen. Im M-Dax sind es Puma, Jenoptik, Buderus, Gehe sowie die Software AG. In den USA ist die Lage ähnlich - auch dort ist die Berichtssaison in vollem Gange. Dort berichten in dieser Woche weitere 120 S&P-Unternehmen, nach 128 in der vergangenen Woche.

Positive Impulse für die Aktienmärkte könnten noch von neuen Konjunkturdaten kommen - doch auch hier sind Volkswirte und Analysten skeptisch. Zwar erhoffen sie sich nach dem zuletzt angestiegenen ZEW-Indikator auch vom Ifo-Geschäftsklimaindex - dem wichtigen Vorlaufindikator für die deutsche und europäische Wirtschaft - am Dienstag einen moderaten Anstieg. Allerdings dürfte dieser ihrer Meinung nach an den Aktienmärkten ähnlich verpuffen wie die positive Überraschung beim ZEW-Indikator. HSBC Trinkaus & Burkhardt rechnet mit einer Befestigung des Ifo-Index. Dies sei jedoch kein Signal für eine konjunkturelle Trendwende. Die jüngste Aufwertung des Euro sowie das Ausbleiben einer dynamischen Erholung der US-Konjunktur belaste die für Deutschland so wichtige Exportwirtschaft dafür zu stark.

Außerdem erwarten die Analysten, dass die US-Notenbank Fed auf ihrer Sitzung am Mittwoch nach dem schwachen US-Arbeitsmarktbericht für Dezember wieder die konjunkturellen Risiken hervorhebt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×