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07.02.2002

15:53 Uhr

Schwer vermittelbar

Wintersportler für Vermarktung wenig interessant

Die beiden Skispringer Sven Hannawald und Martin Schmitt sind Ausnahme-Athleten im deutschen Olympiateam. Und das nicht nur sportlich. Denn sie gehören zusammen mit der Eisschnelläuferin Anni Friesinger zu den wenigen Wintersportlern, die mit Werbeverträgen mehr als nur ein Taschengeld verdienen.

Ausnahmeathlet Sven Hannawald: Um ihn reißen sich die Sponsoren.

Ausnahmeathlet Sven Hannawald: Um ihn reißen sich die Sponsoren.

dpa HAMBURG/SALT LAKE CITY. Es ist alles vorbereitet. Eisschnellläuferin Anni Friesinger muss bei den Olympischen Winterspielen in Salt Lake nur noch die eingeplanten Goldmedaillen gewinnen - dann kann das Geld fließen. Ihr Manager Klaus Kärcher meint die Voraussetzungen geschaffen zu haben. Binnen drei Jahren machte er die 25 Jahre alte Inzellerin - auch dank erotischer Fotos - zu einer in den Medien regelmäßig präsenten und für die Werbewirtschaft interessanten Persönlichkeit.

Erste Verträge (Deutscher Herold/Versicherer; Rösch/ Medizintechnik) sind geschlossen. Im Utah Olympic Oval soll nun die nächste Phase für die Weltmeisterin beginnen. Anfragen von mehreren "Topsponsoren" liegen nach Aussage von Kärcher bereits vor. Ziemlich schnell könne ein Paket geschnürt werden.

Anni Friesinger ist eine der wenigen Ausnahmen unter den 162 deutschen Olympia-Teilnehmern. Außer ihr sowie den Skispringern Sven Hannawald und Martin Schmitt hat nach Ansicht von Experten kaum jemand im deutschen Team Vermarktungspotenzial. Die beiden Skisprung-Heroen zählen auch dank ihrer enormen Medienpräsenz schon jetzt zu den Topverdienern: Hannawald soll sich nach seinem historischen Sieg bei der Vierschanzentournee über rund 1 Mill. Euro durch Werbung, Prämien und Sponsoren freuen. Schmitts Einkünfte werden auf auf 1,2 Mill. Euro geschätzt.

Die anderen Olympia-Kollegen können von solchen Zahlen nur träumen. "Eine Goldmedaille garantiert nicht, dass auch ein finanzieller Niederschlag kommt", weiß Friesingers Manager Kärcher. Selbst Biathleten wie Ricco Groß oder Frank Luck dürfen trotz zunehmender Beliebtheit ihrer Sportart und regelmäßigen TV-Übertragungen nicht mit lukrativen Verträgen rechnen. Auch Rodler Georg Hackl, der in Salt Lake City zum erfolgreichsten deutschen Wintersportler überhaupt werden kann, ist als Urbayer lediglich von begrenztem Werbewert.

Für Peter Olsson, Manager von Oliver Bierhoff, müssen drei Kriterien für den Vermarktungserfolg eines Sportlers erfüllt sein: "Erstens die Persönlichkeit und Ausstrahlung. Zweitens der sportliche Erfolg und drittens die Medienpräsenz."

Doch vor allem der letzte Punkt ist ein Problem. Die meisten Wintersportler stehen nur drei bis vier Monate im Interesse der Öffentlichkeit. Es fehle die "Konstanz in der Medienpräsenz", sagt Olsson. Nach Ansicht von Harti Weirather, der mit seiner Firma WWP unter anderem Martin Schmitt sowie die Skirennläuferinnen Hilde Gerg und Martina Ertl betreut, hängt zudem "viel von der Popularität der Sportart ab".

Nach Ansicht von Bierhoff-Manager Olsson haben die Winter-Athleten allerdings auch damit zu kämpfen, dass sie für die meisten Topmanager zu uninteressant sind: "Sie kümmern sich um die Sportler aus den Topsportarten Fußball, Formel 1 oder Tennis." Viele deutsche Olympioniken in Salt Lake City haben zwar Menschen an ihrer Seite, die als Manager firmieren. Doch bis auf Kärcher und Weirather fehlen in der Branche bekannte Namen.

Kärcher glaubt, dass anders als in der Formel 1 oder im Fußball der Wintersport in Deutschland aus Werbesicht ohnehin nur "ein, zwei oder drei Stars vertragen kann". Und Anni Friesinger soll einer davon sein. Sie könne in den kommenden sechs, sieben Jahren der weibliche Star im deutschen Sport werden. Aber das geht nur mit einer Goldmedaille.

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