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14.01.2002

19:00 Uhr

Seat und Skoda werden stärker regional ausgerichtet

Volkswagen will seine Markenprofile schärfen

VonStefan Winter und Waldemar Schäfer

Volkswagen will sein Modellprogramm erweitern. In fünf Jahren sollen die Konzernmarken 80 % aller Marktsegmente abdecken, die vom Mini bis zur Luxuslimousine reichen. Automarkt-Experten begrüßen die bessere Positionierung, zweifeln aber am Sinn der Spartenbildung.

Foto: dpa

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WOLFSBURG. Der Volkswagen-Konzern steht vor einem drastischen Wandel seiner Modellpolitik. Die Konzentration mehrerer Konzernmarken auf wenige Fahrzeugklassen sei nicht mehr sinnvoll, sagte Marketingvorstand Robert Büchelhofer dem Handelsblatt. Andererseits müssten bestehende Lücken geschlossen werden: "Im Idealfall werden wir in allen marktrelevanten Segmenten mit dem richtigen Angebot vertreten sein."

Zurzeit decke der Konzern 75 % der mehr als 30 Marktsegmente vom Kleinwagen bis zur Luxuslimousine ab, sagte Büchelhofer. In fünf Jahren sollen es mehr als 80 % sein - dann dürfte es allerdings schon mehr als 40 Segmente geben.

VW hat stets bestritten, dass sich die vier Massenmarken des Konzerns gegenseitig Konkurrenz machen. Büchelhofer sieht das immer noch so. Weniger als 5 % der Kunden wechselten intern von einer Konzernmarke zur anderen, stellte er fest. Aber "man muss ja nicht darauf warten, dass es mehr wird". Der Aufstieg der kleineren Konzerntöchter Seat und Skoda zwinge dazu, die Marken präziser zu positionieren. "Jetzt ist der richtige Zeitpunkt dafür", sagte Büchelhofer.

Nach Meinung von Professor Willi Diez war diese Erkenntnis überfällig. Eine bessere Positionierung der Marken sei "dringend geboten", sagte der Leiter des Instituts für Automobilwirtschaft in Nürtingen dem Handelsblatt. Der künftige Vorstandsvorsitzende Bernd Pischetsrieder will den Konzern in zwei Markenfamilien aufteilen. In die eher konservative Gruppe gehören Bugatti, Bentley, Volkswagen und Skoda, die sportliche Linie bilden Lamborghini, Audi und Seat.

In der Golf-Klasse ist Platz für mehrere Modelle

Auf Details legte sich Büchelhofer nicht fest. In der Kompaktklasse (VW Golf) sei Platz für mehrere Angebote. Allerdings gebe es in diesem Segment zu viele Stufenheckmodelle, heißt es im Konzern. Fälle wie die nahezu identischen Kleinwagen VW Lupo und Seat Arosa soll es nicht mehr geben. Auch die direkte Konkurrenz von Skoda Fabia und VW Polo sieht Büchelhofer offenbar mit gemischten Gefühlen. In Zukunft werde es eher so sein, dass eine Marke in dieser Klasse ein klassisches Steilheck liefert und eine andere auf der gleichen technischen Basis einen Mini-Van.

Gleichzeitig sollen vor allem die kleineren Marken regionale Schwerpunkte entwickeln. Skoda werde eine wichtige Rolle in Zentraleuropa spielen, Seat rechne sich in Südamerika Chancen aus. So hat Büchelhofer kein Problem mit dem Skoda Superb, der hierzulande mit dem VW Passat konkurriert. Das Auto werde dringend gebraucht, um Skoda in den östlichen Staaten zu etablieren. Diez meldet allerdings Zweifel an. Skoda dürfe "sein Preiswert-Image nicht durch eine Premiumstrategie gefährden".

Dieser Fall zeigt, welche Tücken die neue Strategie bereithält. Wie die Markenprofile auf der einen und die regionalen Ansprüche auf der anderen Seite zusammenzubringen sind, wird derzeit in Wolfsburg erarbeitet. "Am Ende ist entscheidend, dass jede Marke ihr eigenes Gesicht und ihre eigene Glaubwürdigkeit hat", sagte Büchelhofer.

Automarkt-Experte Diez sieht dieses Ziel noch in einiger Ferne. Er zweifelt auch am Sinn der Spartenbildung. Der Nutzen sei bisher nicht zu erkennen. Die Positionierung der Marken sei noch nicht sichtbar: "Man muss sehr strikt unterscheiden, wo die Marken hinwollen und wo sie jetzt tatsächlich sind." Er bezweifelt vor allem die Chancen von Seat. Die Marke für sportliche Einsteiger unterhalb von Audi zu positionieren, sei teuer, langwierig und riskant. VW solle über einen Rückzug bei den Spaniern nachdenken, aber "da ist so viel Geld reingesteckt worden, dass keiner mehr den Mut hat, Schluss zu machen." Seats im Audi-Schauraum werde es entgegen allen Gerüchten nicht geben, sagte Büchelhofer.

Der neue VW Phaeton soll von 150 bis 200 Schlüsselhändlern vermarktet werden. Auf Absatzziele für das Luxusauto legte sich Büchelhofer nicht fest. Es werde aber "in die Markenkasse einzahlen" - sowohl durch Imagegewinn als auch durch Rendite. Da jedes zweite Auto dieser Preisklasse in Nordamerika verkauft werde, sei es von "allergrößter Bedeutung", in welchem Zustand sich der US-Markt befindet, wenn der Phaeton dort 2003 an den Start geht.

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