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27.03.2003

08:37 Uhr

SEC nimmt Auswirkungen von Leerverkäufen unter die Lupe

Aufsichtsbehörden wollen Hedge-Funds stärker kontrollieren

VonUdo Rettberg

Die Aufsichtsbehörden wollen Hedge- Funds stärker an die Kandare nehmen. Sowohl in den USA als auch in Großbritannien soll dem Anlegerschutzgedanken stärker Rechnung getragen werden.

BOCA RATON/FRANKFURT. Einige Praktiken - vor allem Leerverkäufe - dieser meist nur wenig regulierten Kapitalsammelstellen sind William Donaldson, dem seit Februar amtierenden neuen Chef der Börsenaufsichtsbehörde Securities and Exchange Commission (SEC) ein Dorn im Auge. Donaldson äußerte sich besorgt über die Rolle der Hedge- Funds an den Aktienbörsen.

Bereits vor einigen Tagen hatte SEC-Bereichsleiter Roel Campos angekündigt, seine Behörde werde innerhalb der nächsten zwölf Monate ein neues Regelwerk für Hedge- Funds vorlegen, das auf einen stärkeren Schutz privater Anleger abziele. Bevor die SEC neue Regularien verabschiedet, will sie sich nach den Worten von Donaldson zunächst mit Vertretern der Hedge-Funds- Branche zusammensetzen, um offene Fragen zu diskutieren.

Die SEC befürchtet, dass Hedge- Funds einen dominierenden Einfluss auf das Geschehen an den Börsen nehmen könnten. So will die Behörde den Einfluss von Leerverkäufen (Short-Selling) durch Hedge- Funds auf die Aktienmärkte näher untersuchen. Dabei verkaufen Marktteilnehmer in einem ersten Geschäft geliehene Aktien und spekulieren auf fallende Kurse. Ist der Aktienkurs dann wie erhofft gesunken, kaufen sie die Aktien zu dem niedrigeren Kurs, geben sie zurück und streichen die Differenz ein.

Die SEC hat sich nach eigenen Angaben im Jahr 2002 in den USA mit insgesamt zwölf Betrugsfällen von Hedge-Funds beschäftigt. Im Zeitraum von 1998 bis 2001 hatte es im Höchstfall fünf Betrugsfälle pro Jahr gegeben. Bei diesen Vergehen ging es nicht selten darum, dass Hedge-Funds lanciert hatten, warum sie welche Aktien ge- oder verkauft hatten. Auf diese Weise wurden sowohl andere Anleger als auch die Kurse manipuliert.

Einen Rückschlag hat die Hedge-Funds-Idee in Großbritannien erlitten. Diese Investmentform ist nach Auffassung der Aufsichtsbehörde FSA (Financial Services Authority) nicht für den privaten Anleger geeignet. "Wir werden unsere Regeln im Hinblick auf die Vermarktung von Hedge-Funds für private Anleger nicht lockern", sagte ein Sprecher der Behörde. Damit bleibt das Vermarktungsverbot für das Geschäft mit privaten Anlegern bestehen. Britische Fondsgesellschaften zeigten sich enttäuscht über diese Entscheidung.

In Deutschland stehen Hedge- Funds dagegen möglicherweise vor dem Durchbruch. Das Bundesfinanzministerium will das neue Investmentgesetz so gestalten, dass Privatanlegern der Zugang zu Hedge-Funds möglich wird.

Beobachter fürchten jedoch, dass Hedge- Funds zwar Freiheiten erhalten, die regulatorischen Hürden jedoch weiter hoch gesteckt sein werden. Der Bundesverband Alternativ-Investment (BAI) gibt sich indes weiter zuversichtlich. "Wir stoßen mit unseren Vorschlägen im Bundesfinanzministerium auf offene Ohren", sagt deren Vorstand Achim Pütz. Zwischen den globalen Aufsichtsbehörden gebe es in der Frage der Regulierung von Hedge-Funds aktuell keine Harmonisierungsgespräche. Vertreter der Finanzmarktaufsicht aus den Industrieländern würden diese Fragen jedoch bei einem Treffen im Juni in Italien erörtern.

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