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10.01.2003

07:21 Uhr

SEC nimmt Rücksicht auf deutsche Mitbestimmung

Allmächtige US-Firmenchefs sollen an die kurze Leine

Die nahezu allmächtigen Firmenchefs in den USA müssen um ihre Alleinherrschaft fürchten. Eine hochrangig besetzte Expertengruppe des industrienahen Forschungsinstituts Conference Board hat jetzt empfohlen, die Ämter des Chief Executive Officer (CEO) und des Chairman zu trennen. "Es geht uns darum, wie wir das Board unabhängiger und effektiver machen können", sagte der frühere US-Rechnungsprüfer Charles Bowsher. Das Board der Direktoren ist das oberste Führungsgremium in US-Unternehmen.

tor NEW YORK. Die hochrangige Besetzung der Expertengruppe des Conference Board unterstreicht, welche Bedeutung seine Beschlüsse haben. So ist beispielsweise der künftige US John Snow Co-Vorsitzender-Finanzminister des Gremiums. Das Conference Board hatte die Expertenrunde nach zahlreichen Wirtschaftsskandalen beauftragt, Vorschläge für eine bessere Unternehmensführung zu erarbeiten. Im September hatte die Gruppe, zu der auch der ehemalige US-Notenbankchef Paul Volcker gehört, bereits eine stärkere Kontrolle der Managergehälter und die Bilanzierung von Aktienoptionen gefordert.

Anders als in Deutschland ist die Trennung von Geschäftsführung und Aufsicht in den amerikanischen Unternehmen nicht in zwei unterschiedliche Gremien verankert. In der Theorie sollen die Board-Mitglieder das Management kontrollieren. In der Realität werden jedoch 80 % der im Börsenindex Standard & Poor?s 500 gelisteten Unternehmen von einer Person dominiert, die zugleich CEO und Chairman des Boards ist. "Einer Person zu erlauben, das Board zu dominieren, ist schlechte Unternehmensführung", sagte Investmentmanager Herbert Denton der Nachrichtenagentur Bloomberg. Einige US-Firmen wie der Versicherer Chubb haben bereits auf die wachsende Kritik reagiert und die Rollen von CEO und Chairman getrennt. Die meisten Spitzenmanager wehren sich jedoch vehement gegen eine Machtbegrenzung.

Unterdessen hat auch die US-Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) ihre Reformpläne für die Unternehmensführung konkretisiert. Danach darf der Wirtschaftsprüfungsausschuss künftig nur noch mit firmenunabhängigen Personen besetzt sein. Allerdings kommt die SEC mittlerweile den Erfordernissen des deutschen Mitbestimmungsgesetzes entgegen und erlaubt auch Arbeitnehmervertretern den Zugang zu diesem Kontrollgremium.

Betroffen von den neuen SEC-Regeln sind auch etwa 1300 nicht-amerikanische Unternehmen, die an den US-Börsen gelistet sind. Sollten Firmen gegen die neuen Vorschriften verstoßen, droht ihnen ein Delisting von den Börsen in den USA.

Weniger kompromissbereit zeigt sich die SEC offenbar gegenüber Firmenanwälten. Nach Informationen des Wall Street Journal will die Börsenaufsicht die Anwälte praktisch zu Hilfssheriffs machen. Sie sollen verpflichtet werden, die Aufsichtsbehörden über Unregelmäßigkeiten bei ihren Firmenkunden zu informieren. Die Anwälte befürchten, dass dadurch das Vertrauensverhältnis zu ihren Klienten untergraben würde.

Der Reformeifer der SEC geht auf das so genannte Sarbanes-Oxley-Gesetz zurück, das der US-Kongress im vergangenen Sommer als Reaktion auf die zunehmenden Skandale in der amerikanischen Wirtschaft beschlossen hatte. Die Börsenaufsicht muss jetzt das neue Recht umsetzen. Kernstück des Gesetzes ist eine neue Kontrollinstanz für Wirtschaftsprüfer. Die SEC ernannte jetzt Charles Niemeier zum Interims-Chef dieser Behörde.

Quelle: Handelsblatt

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