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07.06.2000

16:24 Uhr

"Sehr guter" Verlauf der Urabstimmung

Urabstimmung beschert ÖTV Mitgliederboom

Die Urabstimmungen im Öffentlichen Dienst haben der ÖTV bereits mehrere hundert neuer Mitglieder beschert.

Reuters STUTTGART. Die Urabstimmungen im Öffentlichen Dienst haben der ÖTV bereits mehrere hundert neuer Mitglieder beschert. Ein Sprecher der Berliner ÖTV sagte am Mittwoch in Stuttgart, seit Montag seien über 200 Anmeldungen eingegangen. Verglichen mit normalen Zeiten sei dies eine enorme Steigerung. Auch in Hamburg, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und anderen Bezirken traten Dutzende Menschen der ÖTV bei. Den Verlauf der Urabstimmung bezeichnete ein Sprecher des ÖTV-Bundesverbandes als "sehr gut". Das Ergebnis sollte am Donnerstagabend veröffentlicht werden.

Eine Sprecherin der baden-württembergischen ÖTV sagte in Stuttgart, innerhalb nur eines Tages habe es über hundert Anmeldungen gegeben. "Sonst verzeichnen wir eher einen tröpfelnden Mitgliederzuwachs und haben Mühe, den Bestand zu halten."

Bei der ÖTV in Düsseldorf hieß es, bei Warnstreiks und Urabstimmungen gebe es traditionell Zuläufe. Ob Streikgeld auch bei kurzfristigen Eintritten gezahlt wird, wird innerhalb der Bezirke unterschiedlich geregelt. Ein Berliner ÖTV-Sprecher sagte, wer an der Wahlurne eintrete, bekomme sowohl Entschädigung als auch Rechtsschutz. "Wir erwarten aber, dass die Leute mindestens ein Jahr der Gewerkschaft angehören."



Hohe Beteiligung an der Urabstimmung

Die Bezirkssprecher bezeichneten die Beteiligung an den Urabstimmungen übereinstimmend als positiv. In Berlin sei die Wahl bereits in 30 bis 40 % der Betriebe abgeschlossen, sagte eine Sprecherin. "Der Zulauf ist rege". Die Ergebnisse würden nach der Auszählung am Donnerstag zur Bundesgeschäftsstelle der Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr (ÖTV) nach Stuttgart gemeldet. Für den Abend kündigten die Spitzen von ÖTV, Deutscher Angestellten-Gewerkschaft (DAG), Polizeigewerkschaft und Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) eine gemeinsame Pressekonferenz an.

Die Tarifgespräche für die 3,1 Mill. Mitarbeiter waren vergangenen Dienstag endgültig gescheitert. Das Angebot der Arbeitgeber, die Löhne und Gehälter bis 2001 um 1,8 und 2,2 % zu erhöhen, war von der Gewerkschaftsbasis als unzureichend abgelehnt worden. Die Mitglieder stellten sich damit gegen die Haltung der Gewerkschaftsspitze, die das Angebot auf der Grundlage des Schlichterspruches zuvor gebilligt hatte.



Mindestens 75% müssen zustimmen

Um einen Streik auszurufen, müssen bis zu 75 % der 760 000 organisierten Arbeiter und Angestellten des Öffentlichen Dienstes für einen Arbeitskampf stimmen. ÖTV und DAG äußerten sich wiederholt zuversichtlich, dass der Wert erreicht werde. Nach Pfingsten könnte es dann erstmals seit 1992 zu einem unbefristeten Streik kommen. Nach Angaben der ÖTV ist zunächst nicht mit flächendeckenden Arbeitsniederlegungen, sondern mit Schwerpunktstreiks zu rechnen.

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