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19.06.2000

15:08 Uhr

Sein Kampf um die Unabhängigkeit der Commerzbank scheint verloren

Profil: Martin Kohlhaussen, der konservative Verwalter

Die Unabhängigkeit seines Hauses war immer ein Hauptziel von Commerzbank-Vorstandssprecher Martin Kohlhaussen. Nun scheint der 64-jährige Chef der viertgrößten deutschen Bank den Kampf um die Selbstständigkeit seines Hauses zu verlieren. Nach dem Auftauchen eines neuen Großaktionärs, der Cobra Beteiligungsgesellschaft, wird Kohlhaussen offenbar nun doch in eine Fusion gedrängt - mit der Dresdner Bank.

Reuters FRANKFURT. Die zwei Banken hatten am Montagmorgen erstmals Gespräche über eine mögliche Kooperation bestätigt. Sie führten in einem frühen Stadium Gespräche über Möglichkeiten einer Zusammenarbeit, teilten beide Geldinstitute in gleich lautenden Erklärungen mit. Unmittelbar nach dem Scheitern der Fusionspläne von Deutscher Bank und Dresdner Bank im April hatte Kohlhaussen noch gesagt, sein Haus setze weiter auf das Konzept europäischer Wahlverwandtschaften mit kleinen Überkreuzbeteiligungen. Gleichzeitg hatte er aber bereits Gesprächsbereitschaft mit der Dresdner Bank signalisiert.

Branchenkennner sagten, bei den Gesprächen mit der Dresdner Bank könnte es sich um eine Defensivstrategie handeln, um ein Zusammengehen mit einem ungeliebten Partner aus dem Ausland zu vermeiden. Der neue Großaktionär Cobra, der 17 % an der Commerzbank hält, drängt das Haus offensichtlich, einen Partner im Ausland zu finden. Davon verspricht sich der Großaktionär eine attraktivere Wertentwicklung seines Commerzbank-Pakets. Am Montag warnte Cobra-Chef Hansgeorg Hofmann, er könne eine mögliche Fusion blockieren, falls sie nicht zu einem steigenden Shareholder-Value führen würde.

Kohlhaussen, der im kommenden Jahr in den Ruhestand gehen wird, hatte in der Vergangenheit immer wieder betont, die Commerzbank sei stark genug, um allein bestehen zu können. Einige Analysten werfen dem großgewachsenen Bankenchef vor, er habe in einer sich konsolidierenden europäischen Bankenlandschaft die Zeichen der Zeit nicht rechtzeitig erkannt. "Es hat eine Weile gedauert, bis er gemerkt hat, dass sich das Umfeld geändert hat. Er ist sicher kein Visionär, eher ein konservativer Verwalter", sagte ein Analyst.

Dennoch sind die Erfolge des in Marburg geborenen Juristen Kohlhaussen unbestritten. So erzielte die Commerzbank unter seiner Führung unter anderem große Erfolge mit ihrer Direktbanktochter Comdirect. Die Positionierung des Konzerns als integrierte Investmentbank und die Marktführerschaft im Internet-Banking hatte Kohlhaussen im Rahmen der Bilanzkonferenz im März als aktuelle Ziele der Bank genannt.

Kohlhaussen, der seine Karriere 1965 bei der Deutschen Bank begann, wechselte 1981 zur Commerzbank. Ein Jahr später wurde er Vorstandsmitglied. 1991 löste Kohlhaussen Walter Seipp an der Spitze der Bank ab. Bis Mitte März war der Vorstandssprecher der Commerzbank auch Präsident des Bundesverbandes Deutscher Banken. Dann gab er das Amt turnusmäßig ab. Kohlhaussen ist Ehrendoktor der Technischen Universität Chemnitz. Er ist verheiratet und hat drei Kinder.

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