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15.06.2000

19:11 Uhr

Sein Motto: "Investiere früh und vielfältig!“

Masayoshi Son - der Messias des E-Kapitalismus

VonKatrin Terpitz , Tokio

Fast unbemerkt hat der Chef der japanischen Softbank ein weltumspannendes Imperium von Internetfirmen aufgebaut. Die Technologiebörse Nasdaq Japan ist das jüngste Baby des 42-Jährigen.

"Ich will die Nummer eins sein!" Dieses Lebensziel hat Masayoshi Son mit 42 Jahren schon fast erreicht. Niemand hat mehr Claims im Internet abgesteckt als der schmächtige Japaner mit dem Mondgesicht. Sein weit verzweigtes Softbank-Imperium hatte im März einen Börsenwert von umgerechnet 57 Milliarden Mark. Doch für den rastlosen Visionär hat die Zukunft gerade erst begonnen.

Dabei hatte Son alles andere als ideale Startbedingungen. Als zweiter von vier Söhnen koreanischer Eltern in einer Kleinstadt auf Japans Südinsel Kyushu aufgewachsen, gehörte er stets zu den Underdogs. Die Eltern betrieben eine Pachinko-Flipper-Halle, ein anrüchiges Gewerbe, das deshalb meist den ungeliebten Koreanern vorbehalten bleibt.

Mit koreanischer Sturheit schlug sich Son durchs Leben. Von klein auf hatte er große Visionen: "Ich will Japans führendes Unternehmen schaffen", war er schon mit 16 fest entschlossen. Damals überredete er seine Eltern, ihn zum Englischlernen nach Kalifornien zu schicken. Son war stark beeindruckt vom amerikanischen Unternehmergeist und studierte daraufhin an der Berkeley Universität Wirtschaft. Noch als Student machte er mit 19 seine erste Dollarmillion - er hatte ein Übersetzungsprogramm entwickelt, das er an Sharp verkaufte.

Zurück in Japan legte er als erstes den ungeliebten japanischen Nachnamen (Yasumoto) ab. Selbstbewusst nennt er sich seitdem koreanisch Son. Mit 23 gründet er 1981 die Softbank Corp., die schnell zu Japans führendem Software-Vertrieb aufstieg. Der Durchbruch kam 1994 mit dem fulminanten Börsenstart von Softbank. Auf einen Schlag hatte er so viel Geld zusammen, dass er massiv ins Internetgeschäft einsteigen konnte. 1996 kaufte er für über 100 Millionen Dollar ein Drittel der Suchmaschine Yahoo. Heute ist Sons Yahoo-Anteil mehrere Milliarden Dollar wert.

In über 400 IT-Firmen weltweit hat sich Son inzwischen eingekauft - dazu gehören Website-Host Geocities und Online-Broker E-Trade. In Joint Ventures ist er etwa verbandelt mit Cisco, Vivendi und Microsoft. In fünf Jahren will Son die Softbank-Familie auf weltweit 780 Firmen vermehren. "Internet zaibatsu" nennt er sein virtuelles Imperium in Anspielung auf Japans riesige Konglomerate, die nach dem Zweiten Weltkrieg zerschlagen wurden.

Doch selbst der smarte und meist lächelnde "König Masa" hatte nicht immer den richtigen Riecher. Der Einkauf in das US-Verlagshaus Ziff-Davies und den Memory-Board-Hersteller Kingston brachten ihm herbe Verluste. Auch der Aktienkurs von Softbank, der raketenartig noch oben geschossen war, ist im Zuge der IT-Hysterie tief gefallen. Doch derartige Fluktuationen lassen Son kalt. Er denkt in ganz anderen zeitlichen Dimensionen. Für sein virtuelles Imperium hat er einen 300-Jahres-Plan aufgestellt.

"Das Internet wird die Menschheit glücklicher und produktiver machen", lautet seine Philosophie. Das "Time Magazine" pries Son bereits als den "Messias des E-Kapitalismus". Dabei ist seine Geschäftsstrategie simpel und lässt die Herkunft aus der Flipperhalle nicht leugnen: "Investiere früh und vielfältig!" Bei diesem Lotteriespiel gibt es in der jungen IT-Branche viel zu gewinnen, selbst wenn manchmal Nieten dabei sind.

Der rastlose Visionär Son macht nicht bei Internetunternehmen Halt. Gerade erst hat er die Übernahme der zwangsverstaatlichten Nippon Credit Bank durch ein Konsortium unter Dach und Fach gebracht. Die Bank soll vor allem IT-Startups auf die Sprünge helfen. Son fühlt sich zum Geburtshelfer für Existenzgründer berufen. Mit solch unkonventionellen Mitteln ist er dabei, Japans versteinerte Unternehmenslandschaft aufzubrechen. Da bleibt für Frau und Töchter wenig Zeit.

Entspannung findet er auf dem virtuellen Golfplatz neben dem Arbeitszimmer. Doch auch beim Golfspiel scheint Son von nur einem Ziel besessen zu sein: "Ich will die Nummer eins werden!"

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