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25.03.2003

09:18 Uhr

Seine Mannschaft spielt unattraktiv aber erfolgreich

Südkorea lässt grüßen

VonStefan Hermanns (Handelsblatt)

Guus Hiddink ist auch als Vereinscoach mit seinem ureigenen Stil erfolgreich. Er huldigt mit dem PSV Eindhoven einem unholländischen Realismus und wird damit vermutlich Fußball-Meister.

Guus Hiddink. Foto: dpa

Guus Hiddink. Foto: dpa

EINDHOVEN. Ronald Koeman wurde immer ungeduldiger. Einige Minuten schon saß der Trainer von Ajax Amsterdam im "Ronaldozaal", dem Presseraum des Eindhovener Philips-Stadion, und vergeblich wartete er auf den Kollegen Guus Hiddink, den Coach des heimischen PSV. "Vielleicht macht Guus unten noch die Polonaise", sagte Koeman.

Guus Hiddink, der im vergangenen Sommer die südkoreanische Nationalelf ins WM-Halbfinale führte, hätte in der Tat allen Grund zum fröhlichen Gruppentanz gehabt. 2:0 hatte sein Team gerade das Spitzenspiel der holländischen Ehrendivision gewonnen und dadurch den Abstand zu Ajax Amsterdam, den Tabellenzweiten, auf zehn Punkte vergrößert. "Wenn man eine Mannschaft mit Erfahrung hätte, könnte man eine Flasche Champagner aufmachen", sagte Hiddink. "Aber bei uns ist es noch Limonade."

Eine solche Aussage ist neun Spieltage vor Saisonende vor allem Understatement; andererseits weiß Hiddink ganz genau, dass die Qualitäten seines Teams nicht zwangsläufig die Meisterschaft zur Folge haben dürften. Der PSV ist in dieser Saison eine Mannschaft im Umbruch, "sie hat noch nicht die richtige Struktur", sagt ihr Trainer. Umso erstaunlicher ist der große Vorsprung auf die Konkurrenz. 13 Mal hat die Mannschaft in Folge gewonnen, seit Mitte November keinen Punkt mehr verloren. Doch Hiddink sagt, "dass wir noch viel besser spielen können - und auch müssen".

Dem Verdacht, besonders schön zu spielen, hat sich der PSV in dieser Saison nur selten ausgesetzt. Im Gegenteil. "Die Mannschaft, die Meister wird, spielt im Moment den hässlichsten Fußball", hat die Tageszeitung "De Volkskrant" über Hiddinks Team geschrieben. In solchen Sätzen spiegelt sich auch die spezifisch holländische Vorstellung vom Fußball wider, der schön und atemberaubend zu sein hat, und nicht nüchtern und manchmal dröge wie das Spiel der Deutschen.

Hiddink hält diese Idee in ihrer holländischen Entschiedenheit für weltfremd, "international ist man immer auf das Resultat fixiert". Und offensichtlich merken das inzwischen auch die Niederländer. Das "Algemeen Dagblad" hat einen Mentalitätswandel im Lande ausgemacht: "In Holland gibt es nach dem Verpassen der WM 2002 und den enttäuschenden Leistungen in der Champions League das Bedürfnis, endlich mal wieder gute Ergebnisse zu erzielen. Und die dürfen ab und zu auch etwas weniger ethisch zu Stande kommen."

Früher wäre das unmöglich gewesen. "Das war wie Fluchen in der Kirche", sagt Hiddink. Mit seiner Mannschaft hätte er demnach in dieser Saison Blasphemie in Fortsetzung betrieben. Das Spiel gegen Ajax, das der jugoslawische Stürmer Mateja Kezman mit seinen Saisontoren 24 und 25 entschied, war wohl das schlechteste zwischen beiden Teams seit Menschengedenken, und überhaupt hat sich der PSV einen Teil seiner Punkte durch unansehnliche 1:0- oder 2:1-Siege erschlichen. Der PSV sei "eine Gemeinschaft, die sich weigert zu verlieren", hat die Zeitschrift "Sportweek" geschrieben.

Verantwortlich für den neuen Realismus ist vor allem Guus Hiddink - nicht aus Lust, sondern aus der Überzeugung, dass sein junges Team im Moment nur auf diese Weise erfolgreich sein kann. "Wir dürfen nicht vergessen, wie wir so weit gekommen sind", sagt er, und doch wünscht sich Hiddink, dass der PSV "noch etwas dominanter wird, dass wir dem Gegner noch stärker unseren Willen aufzwingen".

Aber so weit ist das Team noch nicht. Ein wenig erinnert das Eindhovener Spiel an die südkoreanische Nationalelf, die Hiddink vor einem Jahr ins WM-Halbfinale geführt hat. Auch die hat sich weniger durch spielerische Eleganz und überragende Individualisten ausgezeichnet als durch eine solide Organisation, eine kluge Taktik und ausgeprägtes Pflichtbewusstsein. "Ein sehr gutes Vorbild", sagt Hiddink.

Im Moment muss er schon deswegen keine öffentlichen Angriffe fürchten, weil Ajax seine Erfolge in der Champions League auf eine ähnliche Art erzielt hat: Mit fünf Unentschieden aus den sechs Spielen hat sich das Team ins Viertelfinale geschummelt. Die holländische Öffentlichkeit akzeptiert das, weil sie davon überzeugt ist, dass sich die Spielweise ändern wird.

Beide Mannschaften sind jung, Hiddink hat Spieler in seiner Elf, "die zittern noch ein bisschen, wenn sie aufs Feld kommen" - aber sie lernen mit jeder neuen Herausforderung, so wie auch die Ajax-Spieler in der Champions League von Spiel zu Spiel ein bisschen kaltblütiger aufgetreten sind. "Die Naivität ist raus", sagt Hiddink über sein Team. Aber das reicht ihm nicht: "Wir müssen versuchen, den nächsten Schritt zu machen." Den ersten Schritt zurück zum schönen Spiel.

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