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10.02.2004

08:10 Uhr

Seit Sonntag ist wieder Hoffnung in der Stadt

So ein Gefühl wie Leidenschaft

VonStefan Hermanns

Bundesliga-Schlusslicht Hertha BSC weiß jetzt, wie man im Abstiegskampf bestehen kann.

Hertha-Trainer Hans Meyer (re.) und Co-Trainer Andreas Thom feierten mit ihrer Mannschaft gegen Stuttgart endlich wieder ein Erfolgserlebnis. Foto: dpa

Hertha-Trainer Hans Meyer (re.) und Co-Trainer Andreas Thom feierten mit ihrer Mannschaft gegen Stuttgart endlich wieder ein Erfolgserlebnis. Foto: dpa

BERLIN. Hinterher hätte wahrscheinlich niemand mehr genau sagen können, wann und wie es überhaupt angefangen hatte. Irgendwann in der zweiten Halbzeit war es passiert, dass aus Giuseppe Reina in Berlin Billy the Publikumsliebling geworden war. Jedesmal wenn Reina den Ball bekam, riefen die Fans Billiiiiii, die Maxiversion seines Spitznamens. "Das Olympiastadion lässt sich gut aushalten", sagte Reina, der erst sechs Tage zuvor von Borussia Dortmund nach Berlin gewechselt war. "Ich hab?s mir schwieriger vorgestellt."

Reina hatte bei Herthas 1:0-Sieg gegen den VfB Stuttgart kein Tor geschossen, er hatte auch keins vorbereitet. Als Fredi Bobic drei Minuten vor Schluss zum 1:0 traf, war er schon ausgewechselt worden. Viel wichtiger als das konkrete Ergebnis seiner Bemühungen waren ohnehin die Eindrücke gewesen, die Reina in seinem ersten Spiel für Hertha hinterlassen hatte.

Überhaupt war es ja mehr so ein Gefühl, das diesen Abend und dieses Spiel so außergewöhnlich machte. Es war von Anfang an das Gefühl, dass der VfB Stuttgart im Olympiastadion nicht würde gewinnen können. Und weil sich das am Ende bestätigen sollte, resultierte daraus das Folgegefühl, dass es in dieser verkorksten Saison doch noch gut gehen könnte mit Hertha BSC. "Drei Punkte zum besten Zeitpunkt" verbuchte Manager Hoeneß, und Mittelfeldspieler Pal Dardai sprach sogar vom wichtigsten Sieg der letzten sieben Jahre, seit Herthas Aufstieg also.

Dabei sehen die Zahlen weiterhin dürftig aus. "Wir sind immer noch Achtzehnter", sagte Andreas Neuendorf, dem ein regelgerechtes Tor aberkannt worden war. "Aber die Zuschauer haben gesehen, dass wir dem Abstieg entgehen wollen." Und die Spieler spürten ihrerseits, dass ihre als verwöhnt verschrieenen Fans sich doch noch nicht resigniert in den Niedergang des Klubs ergeben haben. "Das ist das kollektive Daumendrücken, das wir brauchen", sagte Dieter Hoeneß.

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