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05.01.2001

16:29 Uhr

Sender entschuldigt sich bei Zuschauern und prüft rechtliche Schritte

RTL-Millionärsshow entpuppt sich als Schwindel

Peinliche Enthüllung für Europas größten Privatfernsehsender: Nur den Zuschauern war die Kandidatin der Show "Ich heirate einen Millionär" tatsächlich unbekannt. RTL entschuldigte sich bei den Zuschauern und prüft nun rechtliche Schritte. Konkurrent Sat.1 hält an der Ausstrahlung einer eigenen Millionärskuppelshow fest.

ap/dpa KÖLN. Bei der RTL-Show "Ich heirate einen Millionär" vom 3. Januar ist geschummelt worden. Wie der Kölner Privatsender am Freitag mitteilte, haben sich der Millionär Thomas Tepe und die von ihm als Braut in der Live-Sendung ausgewählte Gerti Friedrichs bereits seit dem 2. Dezember vergangenen Jahres gekannt. In einer eidesstattlichen Versicherung habe Tepe eingestanden, Friedrichs bereits "flüchtig bei einem Grünkohlessen" kennen gelernt zu haben. Nach Angaben des Senders hat Tepe seine Partnerin zu einem Vorabcasting, mit dem der Sender die so genannte Überraschungssendung vorbereiten ließ, in eine Lübecker Diskothek Abaco einladen lassen. Entgegen der Absprache habe die Castingagentur die Frauen namentlich genannt. "Wir sind von Herrn Tepe und Frau Friedrichs getäuscht worden", sagte RTL- Unterhaltungschef Matthias Alberti. "Herr Tepe hat gegen die mit der Produktionsfirma am 5. August und 18. Dezember geschlossenen Verträge verstoßen." Der Sender prüfe nun rechtliche Schritte gegen Tepe und die Castingfirma.

RTL-Unterhaltungschef Matthias Alberti entschuldigte sich auf einer Pressekonferenz am Nachmittag wegen der Täuschung bei den übrigen Kandidatinnen und den Fernsehzuschauern. "Wir übernehmen die Verantwortung. Wir wollen alles offen aufklären", sagte der Unterhaltungschef des Senders.

Was die Gerüchte um die finanzielle Bonität des Kandidaten angeht, so liegt dem TV-Sender nach eigenen Angaben ein Gutachten der STB Treuhand Steuerberatungs Gesellschaft vom 30. Dezember vergangenen Jahres vor. Aus dem gehe eindeutig hervor, dass Tepe über ein Vermögen in Millionenhöhe verfüge.

In der Sendung am Mittwoch ging es darum, dass mehrere angeblich unbekannte Kandidatinnen das Interesse eines Mannes erregen mussten, der nur hinter einer Trennwand zu sehen war und als Millionär vorgestellt wurde.

Sat.1 verzichtete auf Tepe

RTL hatte die Show unter großer Geheimhaltung vorbereitet. Erst am Neujahrstag war die Sendung angekündigt worden, weil man dem Konkurrenzsender Sat.1 zuvorkommen wollte. Am Sonntag wird Sat.1 nun seine Show "Wer heiratet den Millionär?" ausstrahlen, die am Donnerstag in Holland aufgezeichnet wurde. Sender-Sprecher Dieter Zurstraßen versicherte, dass der Sat.1-Millionär keine der Kandidatinnen kenne. Auch an der finanziellen Situation des Sat.1-Millionärs gebe es nichts zu deuteln, meinte der Sprecher. Tepe dagegen sei in der Vorauswahl der in Frage kommenden Millionäre auch Sat.1 angeboten worden. Dem Sender habe der Mann aus dem hohen Norden aber einen "nicht genügend seriösen Eindruck" gemacht. Zurstraßen meinte: "Jetzt spielen sie bei RTL die Schäfchen. In Wahrheit sind sie dumme Schafe, die uns reinlegen wollten und sich dabei bis auf die Knochen blamiert haben."

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