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02.06.2000

17:01 Uhr

kjo FRANKFURT/M. Mit Zinsterminkontrakten läßt sich eine Vielzahl von Strategien umsetzen. Vorrangiges Anwendungsgebiet von Futures ist bekanntlich die Absicherung von bestehenden oder geplanten Positionen im Kassamarkt gegen Zinsänderungsrisiken und den damit einhergehenden Verlustmöglichkeiten der Kassaposition. Die am häufigsten angewandten Methoden des Hedgings sind in den vergangenen Folgen der Serie „ABC der Derivate“ beschrieben worden. Eine weitere Einsatzmöglichkeit besteht im Trading. In diesem Zusammenhang ist zunächst an singuläre Käufe oder Verkäufe von Zins-Futures zu denken, die in Erwartung fallender oder steigender Renditen am Rentenmarkt aufgebaut werden.

Eine weitere Form des Tradings mit Zins-Terminkontrakten stellen die sogenannten Spread-Geschäfte dar. Zu unterscheiden sind im einzelnen Intra-Contract-Spreads, Inter-Contract-Spreads und Inter-Market-Spreads. Das Spreading ist im Vergleich zu singulären Long- oder Short-Positionen deutlich risikoärmer, da für den Investor keine offenen Positionen bestehen. Das Risiko eines Spreads besteht darin, daß die Erwartungen bezüglich der Spread-Entwicklung nicht eintreten.

Intra-Contract-Spread

Ein Intra-Contract-Spread wird grundsätzlich in ein- und demselben Kontrakt (zum Beispiel dem Bund-Future) aufgebaut. Unterschiedlich sind jedoch die Fälligkeiten. Aus diesem Grund wird diese Art des Geschäfts auch als Time-Spread oder Kalender-Spread bezeichnet.

Der Spread kann nun entweder gekauft oder verkauft werden. Ein gekaufter Spread liegt immer dann vor, wenn der Future mit dem nahen Verfalltermin (nearby contract) gekauft wird und der Kontrakt mit der entfernteren Fälligkeit (deferred contract) verkauft wird. Ein Beispiel: Kauf des Bund-Futures mit Juni-Fälligkeit und Verkauf des Bund-Futures mit September-Verfall.

Analog wird von einem verkauften Spread gesprochen, sofern die nahe Fälligkeit verkauft und der weiter entfernt liegende Verfalltermin gekauft wird. Ein derartiges Spread-Geschäft kann vorgenommen werden, wenn die Marktpreise des betrachteten Futures in den jeweiligen Verfallterminen von ihren theoretisch fairen Marktpreisen – damit ist jeweils der sogenannte Fair Value gemeint – abweichen und der Investor mit einer Annäherung an den fairen Wert rechnet. Ein solches Geschäft ist unabhängig von der künftig eintretenden Marktrichtung. Es zielt lediglich auf die Veränderung des Spreads.

Inter-Contract-Spread

Ein Inter-Contract-Spread wird hingegen mit zwei unterschiedlichen Zins-Futures konzipiert, zum Beispiel mit Bund- und Bobl-Futures. Die beiden Kontrakte beziehen sich demnach auf unterschiedliche Basiswerte. Im vorliegenden Fall beziehen sie sich auf langfristige deutsche Bundesanleihen (Bund-Future) und auf mittelfristige Bundesobligationen (Bobl-Future). Ein derartiger Spread zielt auf irreguläre Preisbewegungen von zwei unterschiedlichen, aber korrelierenden Futures ab. Eine Anwendungsmöglichkeit für einen Inter-Contract-Spread stellt eine Verschiebung innerhalb der Zinsstrukturkurve dar. Hierbei kann es innerhalb der Laufzeitenbereiche zu unterschiedlichen Preisentwicklungen kommen.

Inter-Market-Spread

Die dritte Variante des Spreading mit Zins-Futures ist der Inter-Market-Spread. Dies ist ein typisches Arbitragegeschäft, das sich auf die Ausnutzung von kurzfristig bestehenden Preisungleichgewichten eines Kontraktes bezieht, der an zwei verschiedenen Börsen gehandelt wird. Dabei wird der Future an der einen Börse gekauft und zeitgleich an der anderen verkauft.

Mit sämtlichen Spread-Geschäften wird versucht, bereits die kleinsten Preisabweichungen bzw. irregulären Kursentwicklungen auszunutzen. Vor diesem Hintergrund sind sie meist dem professionellen Handel vorbehalten. Denn diese Marktteilnehmer verfügen über das notwendige technische Equipment, diese Preisabweichungen frühzeitig zu erkennen und über entsprechend hohe Volumina in gewinnbringende Investments umzusetzen. Verständlicherweise sind die bestehenden Preisabweichungen deshalb auch nicht von langer Dauer.

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