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02.06.2000

15:51 Uhr

kjo FRANKFURT/M. Wer sich in Derivaten engagiert, kann - wie bei jeder anderen Kapitalanlage auch - Gewinne und Verluste erleiden. Daß die positiven und negativen Vorzeichen im Vergleich zu einem entsprechenden Kassamarkt-Investment in prozentualer Hinsicht deutlich höher ausfallen, liegt an dem allseits bekannten Hebeleffekt dieser Finanzinstrumenten. Anders als bei einem Kassamarkt-Engagement können Verlustsituationen bei Investments in Derivaten nur sehr schwer durch die Strategie „Aussitzen“ umgangen werden, denn Gewinne und Verluste werden täglich gutgeschrieben bzw. belastet und führen damit sofort zu entsprechenden Kapitalzu- bzw. Kapitalabflüssen. Umgesetzt wird der tägliche Gewinn- und Verlustausgleich über die Variation Margin, deren Prinzip anhand einer Kaufposition im Dax-Future verdeutlicht werden soll.



Fällig wird die Variation Margin bei Futures und Optionen auf Futures. Ein Anleger geht von steigenden Kursen deutscher Dividendentitel aus und möchte an der erwarteten Aufwärtsbewegung durch den Kauf von Dax-Futures partizipieren. Der Anleger erwirbt beim Dax-Future-Kurs von 5168 Punkten insgesamt 25 Kontrakte. Jeder Punkt des Dax-Future hat einen Wert von 25 Euro. Damit errechnet sich ein Kontraktwert von 129 200 Euro (5168 x 25 Euro). Bei 25 Kontrakten sind dies insgesamt 3 230 000 Euro. Die kleinste Indexveränderung des Dax-Future liegt bei 0,5 Punkten. Dies ist die sogenannte Tick-Größe.

Der Wert eines Tick beträgt infolgedessen 12,50 Euro (25 Euro x 0,5 Punkte). Die Ermittlung der betraglichen Höhe der Variation Margin basiert auf dieser Tick-Größe und der in Ticks gemessenen Veränderung des Dax-Future. Bis zum folgenden Tag hat der Dax deutlich zugelegt. Der Dax-Future notiert bei 5232 Zählern. Dies entspricht einem Gewinn von 64 Punkten oder 128 Ticks (64 x 2). Daraus errechnet sich pro Kontrakt ein Gewinn von 1600 Euro (128 Ticks x 12,50 Euro), bei 25 Kontrakten sind es insgesamt 40 000 Euro (128 Ticks x 12,50 Euro x 25 Dax-Future-Kontrakte). Diesen Betrag erhält der Anleger auf seinem Margin-Konto gutgeschrieben. Am darauffolgenden Tag erleiden die deutschen Blue Chips einen Rückschlag. Der Dax-Future rutscht auf 5140 Punkte ab. Gegenüber dem Vortagesschluß beziffert der Verlust 92 Punkte oder 184 Ticks.

In Euro ausgedrückt sind dies pro Kontrakt 2300 Euro (184 x 12,5 Euro), bei 25 Kontrakten wird das Margin-Konto des Investors mit 57 500 Euro (25 x 2300 Euro) belastet. Am dritten Tag setzt am Aktienmarkt die Erholung ein, und der Preis des Dax-Future klettert bis zum Sitzungsende auf 5267 Punkte. Die Differenz zum Schlußabrechungspreis des Dax-Future vom Vortag beträgt damit 127 Punkte (254 Ticks).

An diesem Börsentag konnte der Anleger pro Kontrakt ein Plus von 3175 Euro (254 x 12,50 Euro) erwirtschaften. Für seine Gesamtposition summiert sich der Profit auf 79 375 Euro. Über die drei Börsentage hinweg betrachtet hat der Dax-Future per saldo von 5168 auf 5267 Zähler bzw. um 99 Punkte oder 198 Ticks zugelegt. Daraus errechnet sich für den Anleger ein Gesamtgewinn von 61 875 Euro. In der Zwischenzeit erlitt sein Margin-Konto aber auch erhebliche Rückschläge, die durch entsprechende Margin-Zahlungen aufzufangen waren.

Die kräftigen Schwankungen, die von Tag zu Tag auftreten können, verdeutlichen, weshalb die Methode „Aussitzen“ von zwischenzeitlichen Schieflagen in Futures-Geschäften nicht nur zu einer sehr nervenzehrenden, sondern auch zu einer sehr kapitalintensiven Angelegenheit werden kann. Für den Verkäufer der 25 Dax-Futures (Inhaber der Short-Position) verläuft die ganze Situation spiegelbildlich. Er hat am ersten Tag einen Verlust von 40 000 Euro zu beklagen, schließt den Folgetag jedoch mit einem Gewinn von 57 000 Euro ab. Am dritten Tag gerät sein Konto jedoch wiederum mit 79 375 Euro in die Minuszone. Unterm Strich resultiert für ihn ein Verlust von 61 875 Euro.



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