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02.06.2000

16:03 Uhr

Serie

Derivate ABC: Bund-Future und Bund-Future-Option

Der an der Eurex gelistete Euro-Bund-Future zählt zu den weltweit bekantesten Zinsderivaten. Mit dem Kontrakt können Marktteilnehmer auf Veränderungen im langfristigen Bereich der Renditestrukturkurve spekulieren oder sich dagegen absichern, oder den Kontrakt für Arbitragetransaktionen nutzen.

kjo FRANKFURT/M. Der Euro-Bund- Future bezieht sich auf eine fiktive langfristige Schuldverschreibung des deutschen Staates. Die Restlaufzeit dieser Anleihe reicht von 8,5 bis 10,5 Jahren, ihr Kupon liegt bei 6 %. Die Bezeichnung fiktiv oder synthetische Bundesanleihe lässt bereits vermuten, dass eine derartige Anleihe am Markt überhaupt nicht existiert. Aus diesem Grund kann der Bund-Future mit einer ganzen Reihe lieferfähiger Anleihen erfüllt werden.

Die in Frage kommenden Bundesanleihen müssen allerdings eine Restlaufzeit im genannten Bereich aufweisen. Darüber hinaus muss das Emissionsvolumen der betreffenden Anleihen mindestens 4 Mrd. DM und bei Neuemissionen seit Anfang dieses Jahres ein Minimum von 2 Mrd. Euro aufweisen.

Einheitliches Renditeniveau Da die Zinskupons der Anleihen nicht alle bei 6 % liegen, werden die lieferfähigen Staatstitel über Umrechnungsfaktoren (auch als Preis- oder Konversionsfaktoren bekannt) auf das vorgeschriebene einheitliche Renditeniveau von 6 % überführt.

Der Nominalwert eines Bund-Futures beträgt 100 000 Euro. Die Ermittlung des Bund-Future-Preises erfolgt in Prozent, und zwar vom Nominalwert. Die Preisangabe geht bis zur zweiten Nachkommastelle. Der Tick - hierbei handelt es sich um die minimale Preisveränderung - entspricht beim Bund-Future 0,01 %. Bezogen auf den Nominalwert errechnet sich für den Tick infolgedessen ein Wert von 10 Euro.

Als Verfalltermine stehen zu jedem Zeitpunkt die nächsten drei Quartalsendmonate zur Verfügung. Maximal kann also eine Laufzeit von neun Monaten gehandelt werden. Am zehnten Kalendertag des Verfallmonats - sofern dieser auf einen Börsentag fällt - muss der auslaufende Bund-Future- Kontrakt vom Inhaber der Verkaufsposition beliefert werden, wenn sich der betreffende Marktteilnehmer nicht durch ein entsprechendes Gegengeschäft seiner Lieferverpflichtungen entledigt hat. Die Besitzer von Short-Positionen müssen dann der Börse mitteilen, welche lieferfähigen Anleihen sie liefern werden.

Effektive Lieferung Hierzu veröffentlicht die Börse einen Korb lieferfähiger Titel, aus denen die Marktteilnehmer die ihnen genehme Anleihe auswählen können.

Auf den Bund-Future selbst werden darüber hinaus Optionen gehandelt. Dies sind Kontrakte amerikanischer Art, d.h. sie können während der Restlaufzeit an jedem Handelstag ausgeübt werden. Der Option auf den Bund-Future liegt selbst wieder ein Derivat zugrunde, nämlich genau ein Bund-Future-Kontrakt gemäß der oben beschriebenen Ausstattungsmerkmale. Die Erfüllung der Option geschieht durch effektive Lieferung eines Bund-Future-Kontraktes im Nominalwert von 100 000 Euro. Der Käufer eines Calls auf den Bund-Future erhält bei Ausübung somit eine Kauf- Position (Long-Position) im Bund-Future. Entsprechendes gilt für den Verkäufer des Calls und die Inhaber von Long- und Short-Positionen in Puts.

Die Preisnotierung der Bund-Future-Optionen erfolgt in Punkten, ebenfalls bis auf zwei Nachkommastellen. Der Tick beziffert 0,01 % (dies sind 10 Euro). Als Fälligkeiten werden die nächsten drei Kalendermonate sowie der darauf folgende Quartalsendmonat offeriert. Längstens kann also eine Laufzeit von sechs Monaten gehandelt werden. Die gelisteten Basispreise verfügen über Preisintervalle von 0,5 Punkten. Die Optionsprämie wird bei einem Kauf nicht sofort in voller Höhe fällig, sondern nach dem Future-Style-Verfahren abgerechnet.

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