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02.06.2000

16:22 Uhr

kjo FRANKFURT/M. Die Produktpalette der Eurex Deutschland umfaßt neben einer Reihe von Aktienderivaten eine große Bandbreite von Zinsterminkontrakten. Sie reicht von kurzfristigen Geldmarktinstrumenten über mittelfristige Zins-Futures bis hin zu Terminkontrakten auf langlaufende deutsche Staatstitel.

Mit diesen Instrumenten haben Anleger nicht nur die Möglichkeit, mit Hilfe von singulären Positionen – also dem einfachen Kauf oder Verkauf eines Future-Kontraktes – auf Zinsveränderungen in der einen oder anderen Richtung zu spekulieren oder aber sich gegen diese abzusichern. Anleger können darüber hinaus auf Veränderungen innerhalb der Zinsstrukturkurve setzen, also etwa von sinkenden langfristigen Zinsen und gleichzeitig stabil bleibenden mittelfristigen Sätzen profitieren (Abflachung der Zinsstrukturkurve). Die Umsetzung einer derartigen Erwartung geschieht durch sog. Inter-Contract-Spreads. Im Gegensatz zum Intra-Contract-Spread, der mit verschiedenen Fälligkeiten eines Future-Kontraktes aufgebaut wird, werden diese Spread-Geschäfte mit zwei unterschiedlichen Futures und gleichen Fälligkeiten konzipiert.

Ein Investor rechnet z.B. damit, daß die deutschen Zinsen im langfristigen Bereich sinken, gleichzeitig aber die mittelfristigen Sätze stagnieren werden. Diese Prognose kann durch einen Inter-Contract-Spread mit Bobl- und Bund-Futures umgesetzt werden. Der Bobl-Future bezieht sich auf mittelfristige Bundesobligationen mit einer Restlaufzeit von 3,5 bis 5 Jahren, dem Bund-Future liegen langlaufende Bundesanleihen (Restlaufzeit 8,5 bis 10,5 Jahre) zugrunde. Zum Zeitpunkt der Prognose notiert der Juni- Termin des Bund-Future mit 115,60, der Juni-Bobl-Future bei 109,70. Der aktuelle Spread zwischen den Kontrakten beträgt 590 Basispunkte (115,60 minus 109,70).

Die Prognose sinkender Zinssätze im langen Laufzeitensegment bedeutet gleichermaßen steigende Anleihekurse und damit anziehende Notierungen des Bund-Futures. Der Anleger geht davon aus, daß der Bund- Kontrakt innerhalb der nächsten Tage bis auf 116,10 klettern wird. Gleichzeitig rechnet er damit, daß der Bobl-Kontrakt auf seinem gegenwärtigen Niveau verharren wird bzw. sich der Preis in geringerem Ausmaß verändert als der des Bund-Futures. Der prognostizierte Spread beträgt 640 Basispunkte (116,10 minus 109,70), sofern der Bobl-Future exakt auf dem gegenwärtigen Niveau verharrt.

Der Inter-Contract-Spread sieht in dieser Situation den Kauf des Bund-Futures und den gleichzeitigen Verkauf des Bobl-Future-Kontraktes vor. Die Erwartung des Anlegers bewahrheitet sich. Nach wenigen Tagen ist der Bund-Future bis auf 116,10 gestiegen. Der Investor nimmt nun eine Glattstellung des Spread-Geschäftes vor, d.h. er verkauft den zuvor erworbenen Bund- Future zu 116,10. Daraus errechnet sich ein Gewinn von 50 Basispunkten (116,10 minus 115,60). Die Short Position (Verkaufsposition) im Bobl-Future wird ebenfalls glattgestellt, d.h. zurückgekauft. Dies geschieht beispielsweise zu einem Kurs von 109,70, so daß diese Seite des Spread ohne Gewinn oder Verlust abschließt. Es resultiert ein Gesamtgewinn von 50 Basispunkten.

Der Gewinn kann verständlicherweise auch über einen Vergleich der Spreads ermittelt werden. Der Spread betrug zum Zeitpunkt des Positionsaufbaus 590 Basispunkte, bei der Schließung der Position lag er bei 640 Basispunkten. Die Differenz beziffert 50 Basispunkte.

Verluste erzielt der Anleger, sofern die Prognose nicht eintritt und es beispielsweise zu einem allgemeinen Zinsanstieg kommt. In diesem Fall erwirtschaftet der Anleger mit der Long-Position im Bund-Future aufgrund fallender Notierungen langfristiger Bundesanleihen Verluste. Diese werden jedoch (teilweise) durch die Gewinne des verkauften Bobl-Future aufgefangen.

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