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02.06.2000

16:24 Uhr

kjo FRANKFURT/M. Bei einem Engagement in Futures ist zunächst an den klassischen Kauf oder Verkauf eines Terminkontraktes zu denken, auch als Long bzw. Short-Position bekannt. Der Wertverlauf des Future-Kontraktes bei steigenden oder fallenden Kursen des Basiswertes (Underlying) kann jedoch auch auf alternativem Wege nachgebildet werden. In diesem Zusammenhang wird von künstlichen oder synthetischen Positionen gesprochen. Der Kauf eines Future (Long Position) auf einen bestimmten Basiswert - zum Beispiel Aktien, Aktienindizes, oder Anleihen - läßt sich durch zwei Optionspositionen nachbilden.

Konzipiert wird der synthetische Long-Future durch den Kauf eines Call (Long Call) und den parallelen Verkauf eines Put (Short Put). Beide Optionskontrakte müssen den gleichen Basispreis aufweisen, um exakt das Gewinn-/Verlustprofil eines gekauften Future abzubilden. Der Basispreis der Optionen stellt in diesem Zusammenhang den Einstiegskurs eines entsprechenden Engagements in dem Basiswert (Kassatransaktion) dar. Identisch sind darüber hinaus die Laufzeiten der verwandten Kontrakte. Von steigenden Kursen des Basiswertes profitiert der Anleger prinzipiell über den Long Call, der bei einer derartigen Preisentwicklung seinen Wert maximiert.

Gleiches gilt jedoch auch für den Short Put, der bei anziehenden Notierungen des Underlying an Wert verliert und infolgedessen billiger zurückgekauft werden kann. Im umgekehrten Fall - also bei Kursrückgängen des Basiswertes - sitzt der Anleger auf zwei verlustbringenden Positionen. Der Long Call büßt maximal den gezahlten Optionspreis ein, während der Preis des Put klettert. Beide Positionen zusammengenommen ergeben infolgedessen die entsprechende Long-Future-Position: Gewinne bei steigenden Kursen, Verluste bei fallenden Notierungen.

Vorteil des niedrigen Kapitaleinsatzes

Als vorteilhaft erweist sich bei der synthetischen Futures-Position der im Vergleich zur Kassatransaktion niedrigere Kapitaleinsatz. Denn die Kosten für den Erwerb des Call werden durch die Prämieneinnahme aus dem Short Put reduziert. Andererseits ist jedoch zu bemerken, daß bei einer künstlichen Position in Futures die Rechte, die mit einem Kassainvestment verbunden sind, wegfallen. Der Inhaber eines synthetischen Long Future auf eine Aktie erhält demnach zum Beispiel keinerlei Dividendenzahlungen. Insbesondere für Privatanleger dürfte der künstliche Short-Future interessant sein. Denn mit dieser Position läßt sich ein Leerverkauf des Underlying, wie ein Aktienleerverkauf, nachbilden.

Gerade private Investoren haben in Deutschland kaum Möglichkeiten eine Leerverkaufsposition in Aktien einzugehen. Diese Transaktionen sind weitgehend dem professionellen Handel vorbehalten. Die Konstruktion eines synthetischen Short Future sieht den Kauf eines Put und den gleichzeitigen Verkauf eines Call mit identischen Basispreisen und Laufzeiten vor.

Im Vergleich zur synthetischen Long-Position des Future werden die Transaktionen also lediglich mit umgekehrtem Vorzeichen durchgeführt. Mit einer Kaufpositionen in Optionen ist bekanntermaßen ein negativer Zeitwerteffekt verbunden: mit abnehmender Restlaufzeit schmilzt der Optionspreis zusammen. Positv fällt der Zeitwerteffekt dagegen bei einer Short-Position aus. Da bei einer synthetischen Position sowohl Optionen gekauft als auch verkauft werden, hebt sich der Zeitwerteffekt für die Gesamtposition auf. Entsprechendes gilt für den Volatilitätseffekt. Auch hier tritt durch die Kombination von Kauf- und Verkaufsposition eine Neutralisierung für die Gesamtstrategie ein.





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