Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

02.06.2000

16:50 Uhr

kjo FRANKFURT/M. Die Preise von derivativen Instrumenten und den dazugehörigen Kassaprodukten stehen in einem bestimmten Verhältnis zueinander. Diese Preisbeziehung fußt auf einer Bewertungsüberlegung, die als Arbitrage bekannt ist. Sofern Derivat und Kassatitel faire Preise aufweisen, ist keine Arbitrage möglich. Anders formuliert: Nur wenn sie von ihren theoretisch richtigen Werten abweichen, ist Arbitrage lohnend. Doch an welchen Faktoren läßt sich eine gewinnbringende Arbitragemöglichkeit ablesen? Im Mittelpunkt dieser Überlegungen steht der sog. implizite Finanzierungssatz (Implied Repo Rate).

Eine Variante stellt die Cash and Carry Arbitrage dar. Einfach ausgedrückt läuft sie folgendermaßen ab: Kaufe den Kassatitel, halte ihn im Bestand und verkaufe ihn per Termin. Für die Profitabilität der Strategie sind die zwischenzeitlich anfallenden Finanzierungskosten und Finanzierungserträge, die mit dem Halten des Kassatitels verbunden sind, entscheidend.

Hierzu ein Beispiel: Eine Anleihe notiert am Kassamarkt zur Zeit mit 95. Die Kosten der Finanzierung des Anleihekaufs per Kredit betragen beispielsweise 4. Gegenüberzustellen sind die Finanzierungserträge (Zinseinnahmen durch die Anleihe) in Höhe von 3. Aus diesen Daten kann der theoretisch faire Wert des entsprechenden Zins-Futures ermittelt werden: Kassapreis plus Finanzierungskosten abzüglich Finanzierungserträge. In diesem Fall liegt der Fair Value des Futures also bei 96 (95 + 4 - 3 = 96). Tatsächlich wird der Future-Kontrakt jedoch mit 98 gehandelt, er weicht also von seinem fairen Wert ab. Die Gleichung kann durch einfache mathematische Umformungen beliebig umgestellt werden, so daß alle Komponenten ermittelt werden können.

Die Finanzierungskosten lassen sich leicht ermitteln





Die Finanzierungskosten lassen sich anhand der Gleichung folgendermaßen ermitteln: Fair Value des Future plus Finanzierungserträge minus Kassapreis der Anleihe = Finanzierungskosten (96 + 3 - 95 = 4). Die impliziten Finanzierungskosten, die sich also bei einer Durchführung der Cash and Carry Arbitrage ergeben, lassen sich errechnen, indem statt des Fair Values des Futures (hier: 96) der tatsächliche Marktpreis des Zinsterminkontrakts (hier: 98) in der obigen Gleichung verwandt wird. Die Höhe der impliziten Finanzierungskosten liegt in diesem Beispiel bei 6 (98 + 3 - 95 = 6) und damit genau zwei Geldeinheiten über den tatsächlichen Finanzierungskosten von 4.

Ein Anleger würde dementsprechend folgende Transaktionen bei einer Cash and Carry Arbitrage vornehmen: Er leiht sich Geld zum tatsächlichen Finanzierungssatz. Hierdurch entstehen Kosten in Höhe von 4. Er kauft die Anleihe, wodurch Ausgaben von 95 resultieren. Aus der Bestandhaltung des festverzinslichen Wertpapieres erhält er Zinseinnahmen in Höhe von 3. Gleichzeitig verkauft er den Future (Verkauf der Anleihe per Termin) zum tatsächlichen Marktpreis des Kontrakts von 98. Daraus errechnet sich folgender (Arbitrage-)Gewinn: Finanzierungskosten (minus 4) zuzuzüglich Kosten für Anleihekauf (minus 95) plus Zinseinnahmen (plus 3) zuzüglich Einnahme durch Future-Verkauf (plus 98) = 2 (- 4 - 95 + 3 + 98 = 2).

Die Strategie der Cash and Carry- Arbitrage kommt also immer dann in Betracht, wenn der implizite Finanzierungsssatz über dem tatsächlichen Finanzierungssatz liegt. In diesem Beispiel übersteigt er ihn um zwei Geldeinheiten. Dies ist der Gewinn der Cash and Carry Arbitrage. Der Arbitrageprofit ist um so höher, je größer die Differenz zwischen dem impliziten und dem tatsächlichen Finanzierungssatz ausfällt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf "Zum Home-Bildschirm"

Auf tippen, dann "Zum Startbildschirm hinzu".

×