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26.01.2002

08:14 Uhr

Serie: Uni-Städte

Bonn: Studieren im Popp-Schloss

VonANNETTE MICHEL-ZIELKE

"Bonn? Da ist doch keiner mehr. Die sind doch alle nach Berlin!" Diese Stammtischmeinung stimmt nur zum Teil: Dass ein Großteil der Regierung sich gen Osten verzogen hat, lässt sich nicht leugnen. Deswegen leidet Bonn aber nicht unter Bevölkerungsschwund. Von der Bundeshaupt- zur Bundesstadt abdekoriert, besinnt sich die Stadt am Rhein wieder darauf, Uni-Stadt und neuerdings auch Wissenschaftszentrum zu sein. In den letzten Jahren haben sich gleich mehrere Forschungsinstitute dort niedergelassen. Gut für den arbeitswütigen Studenten, denn nicht wenige der Institute bieten Praktika und Jobs an.

Wer an der Bonner Uni studiert, den lässt durch die Semester hinweg ein bestimmtes Gefühl nicht los: "Ein bisschen wie bei Fürstens hier ..." Kein Wunder, denn in Bonn residierten einst die Kölner Kurfürsten in barocker Pracht, heute tun das die Studenten. Als Hauptgebäude dient ein Residenzschloss, und auch das ein paar hundert Meter weiter befindliche Poppelsdorfer Schloss - liebevoll-respektlos als "Popp-Schloss" abgekürzt - befindet sich in den Händen der Alma Mater. Beides ist verbunden durch die Poppelsdorfer Allee. Gesäumt von alten Bäumen und wunderschönen Häusern aus dem 19. Jahrhundert hat sie sich ihren Namen redlich verdient. Aber auch manch kleinere Fakultät hat es gut erwischt, gerade an der Nussallee haben sich einige in alten Häusern eingerichtet.

So wandern Bonner Studenten durch hohe Gänge mit geschwurbelten Treppenaufgängen oder brüten in Gründerzeitvillen mit quietschendem Parkett. Nun gut, nicht nur der Angstschweiß hat ein paar Ecken verschmuddeln lassen. Und immer wieder quetschen sich auch einige neuzeitliche Bauten - von Betonburg bis Glaspalast - zwischen das städtische Panorama. Aber mit etwas Phantasie lässt sich immer noch der wissenschaftliche Geist namhafter Ehemaliger atmen. Und die Liste derer ist lang: Prinz Albert von Sachsen-Coburg, Hofmann von Fallersleben, Heinrich Heine, Justus von Liebig, Adolf Kolping, Karl Marx, Friedrich Nietzsche, Konrad Adenauer, Robert Schumann - um nur einige zu nennen.

Wohnungsmarkt: eng, aber nicht hoffnungslos

Ganz so gediegen wie an der Uni geht es bei der Suche nach einer geeigneten Studentenbude allerdings nicht zu. Trotz Wegzug von Bundeskanzler, Ministern und Diplomatencorps hat sich die Lage auf dem Wohnungsmarkt nicht nennenswert entspannt. Wer nach Bonn übersiedelt, sollte also schon weit im Vorfeld nach einer Behausung fahnden. Das Bonner Studentenwerk verfügt über 35 Studentenwohnheime mit nahezu 4 000 Zimmern. Daneben vermittelt es auch Angebote aus dem privaten Wohnungsmarkt.

Der aufmerksame Leser wird es bereits bemerkt haben: Eine Campus-Uni ist Bonn nicht. Quer über das Stadtgebiet verteilt sich die Universität: im Hauptgebäude und gegenüber vom Hofgarten konzentrieren sich die Geisteswissenschaftler, Poppelsdorf wird vor allem von den Agrarwissenschaftlern beackert, und auf dem Venusberg behandeln die Mediziner. "Der Nachteil: man begegnet selten Studenten anderer Fakultäten. Der Vorteil: man begegnet selten Studenten anderer Fakultäten", befand mal ein Kommilitone.

Rheinische Frohnatur

Gelegenheit zu interdisziplinären Disputen gibt es aber trotzdem zuhauf. Schließlich zählen auch die Bonner zu den rheinischen Frohnaturen, und die Stadt ist mit Schankgenehmigungen nicht sonderlich geizig. Die Studenten, die allabendlich aus dem Hauptgebäude quillen, haben es dabei besonders gut. Direkt in der Innenstadt befinden sich reichlich Kneipen und Cafes, bei denen sich das Bafög respektabel ausgeben lässt. Und wer unter Schlafstörungen leidet, kann das Problem in einer der umliegenden Diskotheken weiterdiskutieren. Falls das nicht genügt: das Semesterticket reicht bis nach Köln. Unerlässlich ist außerdem ein Besuch auf einer der zahllosen Fachschaftsfeten. Recht heftig geht es beispielsweise beim "Bauernschwoof" der Agrarstudenten und bei den Parties der Juristen zu.

Genau wie Düsseldorf und Köln verfügt auch Bonn über eine fünfte Jahreszeit: den Karneval. Zwar wird hier nicht ganz so überbordend gefeiert wie in den beiden anderen Städten des rheinischen Dreigestirns, aber immerhin: auch der gemeine Bonner verhält sich dann wie jeck (rheinischer Audsruck für "verrückt"). Für die Bewohner der Stadt gibt es dann nur zwei Möglichkeiten: mitfeiern, was das Zeug hält, oder aber flüchten.

Von rheinischer Aue und Ebene

Nicht unerwähnt bleiben darf natürlich der Rhein. An der Uferpromenade ist gut Kopf durchlüften und die Aussicht auf das Siebengebirge einfach wunderschön. Ein absolutes Muss ist außerdem der monatlich stattfindende Trödelmarkt in den Rheinauen, weil riesig und kaum überschaubar. Aber auch ohne Trödelstände bietet der Park viel Auslauf für Inliner, Kickboarder, oder was sonst gerade im Trend ist. Zu Fuß kann man natürlich auch da durch. Einmal im Jahr steht die Grünanlage unter Feuerwerksbeschuss. Das heißt dann "Rhein in Flammen", zieht viele tausend Menschen an und ist recht hübsch anzusehen. Kleiner Tipp: im Anschluss nicht das kleine Häuschen am Eingang als Treffpunkt wählen. Das machen nämlich fast alle.

Zum Schluss das Wetter: Die rheinische Tiefebene besitzt einen besonderen Vorteil, gehört sie doch zu den wärmsten Regionen Deutschlands. Den Sommer verbringt daher auch der Bonner grundsätzlich in Biergärten. Umgekehrt gibt es nur selten weiße Weihnacht. Schnee fällt, wenn überhaupt, erst nach Neujahr, und von dem ist nach zwei Tagen höchstens höchstens noch ein grauklitschiges Etwas übrig. Wintersportler können jedoch in der nahgelegenen Eifel oder im etwas weiter entfernten bergischen Land ihr Glück versuchen. Ansonsten sei generell auf das Sportangebot der Hochschule verwiesen: Zur Auswahl stehen fast 100 Sportarten, von A wie Afrodance bis Y wie Yoga, für Studenten größtenteils kostenlos.

Wer immer also sich für ein Studium in Bonn entschließt, dem winken viele Vorteile. Auch wenn hier einiges im kleineren Rahmen ausfällt, der Spaßfaktor ist recht hoch. Und im Gegensatz zu einigen andern Städten ist die Eingewöhnungsphase in der Regel kurz: Der Bonner als solcher ist nämlich grundsätzlich ansprechbar und hilfsbereit. Ausnahmen dienen zur Regelbestätigung.

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NÜTZLICHE LINKS


Locations, Termine und Tipps

www.bonnaparte.de: Szene, Lokales, Kino, Mensaplan, Happy Hours, Termine...
www.bonnsite.de: Internetmagazin rund um Bonn
www.zentrum-bonn.de: Bonner Schwulen- und Lesbenzentrum
www.szenebonn.com: Konzerte, Kleinkunst, Oper, Schauspiel, Ausstellungen, Museen, Vereine, Bands, Gastro, ...
www.allesBonn.de: Bildung, Kultur, Musik, Party, Sport und mehr
www.theater.bonn.de: Städtische Bühnen Bonn
www.bonnxxl.de: Bonner Internetportal


Die Stadt Bonn

www.bonn.de

: Stadt Bonn
www.bonn-virtuell.de: Bonner Viertel virtuell
www.deutschland-panorama.de/staedte/bonn: Panoramen von Bonn
www.umzug-nach-bonn.de: Virtueller Streifzug durch Bonn
www.bonn-regio.de: Touristischer Führer Bonn
www.vrsinfo.de: Bonner Verkehrsbetriebe


Für Studenten und andere

www.uni-bonn.de

: Uni Bonn
www.fh-bonn-rhein-sieg.de: Fachhochschule Rhein-Sieg
www.fhbadhonnef.de: Fachhochschule für Tourismus-, Hotel- und Luftverkehrsmanagement
www.rheinahrcampus.de: Rhein-Ahr-Campus Remagen
www.alanus.edu: Alanus Hoschule Alfter
www.campus-web.de: Online-Magazin für Bonner Studierende
www.uniparties.de: Uni-Party-Ranking in Deutschland - Echt inoffiziell und garantiert nicht anerkannt vom Statistischen Bundesamt


Bonner Zeitungen, Zeitschriften und Magazine

www.general-anzeiger-bonn.de

: Tageszeitung Bonner General-Anzeiger
www.express.de/bonn: Tageszeitung Express Bonn
www.bonner-illu.de: Stadtmagazin Bonner Illustrierte
www.schnuess.de: Stadtmagazin Schnüss
www.annonce-online.de Kleinanzeigen Köln-Bonner Raum

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