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21.01.2002

16:11 Uhr

Serie: Uni-Städte

München: Traumstudienort mit Schönheitsfehlern

VonANNETTE KECK

Studieren in München kann ganz schön verwirrend sein. Besonders am Anfang. Erster Unitag: Schwärme von Erstsemestern wuseln durch die Fakultät für Sprach- und Literaturwissenschaft in der Schellingstraße 3. Der Lärmpegel im Foyer übersteigt die Erträglichkeitsgrenze um einige Dezibel, denn zwischen den Studienanfängern besteht ein reger Informationsfluss. Die Fragen des Tages sind: Wo ist das Sekretariat? Wo findet die Einschreibung zu den Grundkursen statt? Um wieviel Uhr ist die Einführungsveranstaltung?

Die Antworten interessieren Ruth nicht mehr. Sie hat den ersten Tag ihres Studiums seit längerem hinter sich. Die 25 Jahre alte Studentin der Neueren deutschen Literatur, Musikwissenschaft und Theaterwissenschaft lernt auf ihre Abschlussprüfungen. Sie hat ihre Studienzeit in der bayerischen Hauptstadt genossen: "Ich bin in einem 400-Seelen-Dorf aufgewachsen und suchte ein aufregenderes Leben. Ich wollte unbedingt in einer Großstadt studieren, in der ich an der Uni ein breitgefächertes Angebot zur Verfügung habe und außerdem suchte ich Anonymität und wollte kulturell viel geboten haben." Haben sich diese Erwartungen an München erfüllt? "Allerdings!"

Die Uni von München gibt es nicht. Mehrere Hochschulen sind in der Stadt beheimatet. Die größte ist die Ludwig-Maximilians-Universität. An 18 Fakultäten sind über 40 000 Studierende in 170 verschiedenen Fächern eingeschrieben. Studiengänge wie Jura, Mathematik, Medizin und Geschichte werden an der LMU angeboten, aber auch exotische Fächer wie Assyriologie, Albanologie und Orthodoxe Theologie. An der Technischen Universität werden unter anderem Architekten, Ökotrophologen, Ingenieure und Diplombraumeister ausgebildet. Hier studieren momentan knapp 20 000 Personen. Abgesehen von diesen beiden größten Universitäten versammeln noch mehrere kleinere Hochschulen wissensdurstige Menschen unter ihrem Dach. Da gibt es noch die Akademie der Bildenden Künste, die Hochschule für Fernsehen und Film, die Hochschule für Politik, die Universität der Bundeswehr und die Musikhochschule.

Mit Anonymität muss man leben können

Wer hier eines der Fächer mit Massenandrang ohne Numerus Clausus wie Germanistik studiert, den erwarten bei besonders interessanten Veranstaltungen Hörsäle, in denen sogar die Fensterbänke noch begehrte Sitzplätze sind und Seminare, in denen sich 70 Teilnehmer zusammen drängen. Da muss man sich halt anstatt für "Fontanes Frauenromane" für ein Seminar mit einem weniger beliebten Thema entscheiden. Mit der Anonymität, die an solchen Fakultäten mit ungefähr 5 000 Eingeschriebenen herrscht, muss man zurecht kommen. Ruth missfiel sie nicht: "Die Anonymität in meinen Fakultäten kam mir sehr gelegen." Ganz anders die Situation in Fächern mit weniger Studierenden wie Geologie an der TU. Hier kennt jeder jeden, und man freut sich, auf einer Exkursion zusammen mit Studierenden der LMU neue Leute zu treffen.

Das wohl größte Manko der Stadt ist die Situation auf dem Mietmarkt. War sie in München schon seit längerem ungünstig, hat sie sich in den letzten Jahren noch mal verschlechtert: Momentan liegt der Quaratmeterpreis zwischen 20 und 30 Mark. Für Studenten heißt das: Wer keine Beziehungen hat, darf sich auf eine lange, mühsame Suche einstellen und muss tief in die Tasche greifen! Es soll ja immer wieder einen Glückspilz geben, der durch die Patentante des Schwiegervaters eines Kollegen seines Onkels an die 2-Zimmer Wohnung mit Parkett und Balkon in Schwabing gekommen ist. Meist sieht die Wirklichkeit jedoch so aus: Bei der Besichtigung einer überteuerten Wohnung im dritten Stock Warteschlangen bis ins Erdgeschoss. In München ist es normal, für ein 18-qm-Zimmer in einer Dreier-WG, die dringend renoviert werden müsste, 700 Mark warm zu berappen. Wohnheimplätze stehen viel zu wenige zur Verfügung: Laut Studentenwerk gibt es für rund 80 000 Studierende nur 6 800 Wohnplätze des Studentenwerks und 2 600 Plätze anderer Träger. Die Wartezeit für einen Wohnplatz beim Studentenwerk beträgt zwischen ein bis vier Semestern. Ruth hatte diesbezüglich Glück: Sie bekam einen Platz in einem katholischen Studentinnenwohnheim. Nur 160 Mark im Monat muss sie dort für ihr kleines Zimmer hinblättern. Aber: Dusche und Klo mit 12 Personen und die Küche mit 30 Personen zu teilen und nach 22 Uhr keinen Besuch mehr bekommen zu können - daran muss man sich gewöhnen.

Glück und Geld braucht der Student

Wer in dieser Stadt gut leben möchte, braucht also Glück bei der Zimmersuche und Geld. Arbeitsmöglichkeiten gibt es allerdings sehr viele. Werkstudenten sind beliebte Arbeitskräfte sowohl bei Firmen wie Siemens oder BMW als auch bei den zahlreichen Verlagen und den jungen IT-Unternehmen. In der Mensa der LMU, Leopoldstraße 13a, unterhält das Studentenwerk eine Jobvermittlung für Studenten. Wer sich nicht selbst an eine Firma wenden möchte, findet dort Praktika, Nebenjobs und Festanstellungen. Die Jobbörse ist für Studierende kostenlos.

Wer behauptet, nur hierher zu kommen, weil das Studienangebot vielfältig ist, lügt. Es macht Spaß, in München zu leben. Der gern zitierte hohe Freizeitwert von München besteht aus Biergärten, Badeseen im Umland, Alpen- und Italiennähe und einem großen Angebot an Hi und Lo Culture. Wer sich gerne in Kneipen und Clubs vergnügt, hat die Qual der Wahl. Die beliebtesten Ausgehviertel sind die Gegend rund um die Ludwig-Maximilians-Universität, Schwabing und das Glockenbachviertel rund um den Gärtnerplatz. Hier zentriert sich auch die Schwulen- und Lesbenszene. Im Univiertel kann man den Abend gut im "Café Puck" oder dem mexikanischen "Sausalitos", beide in der Türkenstraße, verbringen. Im Café "Mariandl" in der Goethestraße 51 halten sich nicht nur die Medizinstudenten gerne auf. Das Tanzbein schwingen kann man zum Beispiel im "Atomic Café" oder in "Münchens Mekka für Jugendkultur", dem Kunstpark Ost. Der befindet sich in der Grafinger Straße 6 auf einem 60.000 qm großen Areal. Ganze 40 Bars, Clubs, Kinos und Konzerthallen füllen sich allabendlich mit Besuchern. Beliebt bei Studis: "Keller"; "K 41" und "Bongo Bar". Für Theater und Kino gibt's Studentenkarten, bestimmte Aufführungen in der Oper kann man für läppische 12 Mark auf besten Plätzen genießen. Ständig neue Ausstellungen, über 40 Museen und zahlreiche Konzerte sorgen dafür, dass Fortbildungshungrigen nicht langweilig wird.

Fragen zum Studium in München? schreiben sie eine E-Mail an Annette Keck

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NÜTZLICHE LINKS:

Broschüre "Studieren in München" gegen 5 DM zu bestellen bei: www.studentenwerk.mhn.de

Stadt München: www.muenchen.de
Ludwig-Maximilians-Universität: www.uni-muenchen.de
Technische Universität: www.tu-muenchen.de
Studentenwerk: www.studentenwerk.mhn.de
Bayerische Staatsbibliothek: www.bsb.badw-muenchen.de
Universitätsbobliothek München: www.ub.uni-muenchen.de

Prinz: www.prinz-muenchen.de/homepage/content.shtml
Kunstpark: www.kunstpark-ost.de
Kino in der Technischen Universität: www.tu-film.de

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Weitere Teile der Serie, in der Studenten über ihre deutschen Unistädte schreiben, finden Sie bei Junge Karriere online unter www.jungekarriere.com.

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