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12.01.2002

09:10 Uhr

Serie: Uni-Städte

Rostock: Maritimes Flair für Schnellstudierer

VonCLAUDIA WÖLLNER

In Rostock zu studieren, ist nicht leicht - besonders bei Sonnenschein. Sandstrand und Ostseewellen sind verlockend nah. Das Ostseebad Warnemüde und die Cafés am Universitätsplatz im Stadtzentrum lassen Seminare, Klausuren und Hausarbeiten gefährlich schnell in Vergessenheit geraten. Gleich vor den Toren der Stadt wartet zudem die wunderschöne Mecklenburger Seenplatte.

Trotz dieser Verlockungen ist Rostock ein "idealer Ort für ehrgeizige Schnellstudierer" - so die Unileitung. 80 bis 90 Prozent der Absolventen kommen in der Regelstudienzeit durch - verglichen mit anderen Unis eine exzellente Quote. Die Studienbedingungen machen's möglich: Bei Kleingruppenarbeit und engem Kontakt zu den Lehrenden ist die Anonymität deutscher Massenunis den 12 000 Rostocker Studenten fremd. Selbst in den großen Studiengängen kennt hier der Prof noch seine Studis - und merkt leider auch, wer mal wieder nicht in der Vorlesung war. Das hilft bei der Entscheidung zwischen Strand und Hörsaal.

Ausbildung mit Tradition

Mit Jura, Medizin und Theologie fing alles an - das war 1419. Die Rostocker Uni ist damit die älteste Nordeuropas. Seither sind zu den Gründungsfakultäten fünf weitere hinzugekommen:

Argrar- und Umweltwissenschaften
Ingenieurwissenschaften
Mathematik-Naturwissenschaft
Philosophie
Wirtschafts- und Sozialwissenschaften.

Die meisten der mehr als 50 Studiengänge sind in historischen Gemäuern der gemütlichen Innenstadt angesiedelt. Umgeben von den typischen Backsteinfassaden markiert der Universitätsplatz mit dem 130 Jahre alten Hauptgebäude den zentralen Platz der Fußgängerzone. Auch die neueren Häuser sind im Stil der alten Giebelhäuser erbaut. Dadurch hat die Stadt ihren hanseatischen Charme bewahrt - auch wenn viele Gebäude der über 750jährigen Stadtgeschichte den letzten Krieg nicht überstanden haben.

Für die Juristen beschränkt sich die historische Kulisse allerdings auf die jüngste Geschichte, nämlich die Zeit der DDR. Ihr Domizil ist der Stadtteil Lichtenhagen, die Platte, wie man hier sagt. Dafür ist ihr Weg zum Strand viel kürzer. Bei nur 15 Minuten Entfernung mit dem Rad ist locker ein Strandspaziergang in der Mittagspause drin.

Wohnungssorgen? Fehlanzeige!

Apropos Plattenbau: Rostock ist natürlich nicht nur typisch nord-, sondern auch ostdeutsch. Dass Plattenbauten den Weg zum Ostseebad Warnemünde säumen, ist aus Studi-Sicht ein großer Vorteil. Denn das große Wohnungsangebot sorgt für kleine Preise: Laut Mietspiegel sind es pro Quadratmeter im Schnitt zwischen 3,50 und 7 Euro kalt - und die günstigsten Wohnungen gibt's natürlich in den sanierten Plattenbauten. Weiterer Pluspunkt ist deren Lage in Ostseenähe. Zudem locken die Wohnungsgenossenschaften seit einiger Zeit mit interessanten Angeboten wie Fitnessräumen und Brötchenservice.

Eine andere günstige Alternative ist das Wohnheim. Für überwiegend sanierte und gut ausgestattete 14 - 30 Quadratmeter zahlt man zwischen 65 und 228 Euro. Fast alle sechs Wohnheime liegen in Fahrrad-Distanz zum Stadtzentrum. Wartezeiten sind bei einem Angebot von 3.000 Wohnheimplätzen eine Seltenheit. Zusätzliches Sahnehäubchen: Die meisten Wohnheime sind mit einem Datennetz ausgerüstet und an das Rostocker Universitätsnetz (RUN) angeschlossen.

Wer's lieber kultig mag, geht in die KTV - das steht für "Kröpeliner-TorVorstadt" und damit für sanierte Altbauten in Uni-Nähe und viele Kneipen. Da die Mieten hier entsprechend höher sind, tut man sich am besten zusammen und gründet eine WG. Schließlich gehört der Rostocker Durchschnitts-Studi nicht zu den reichsten seiner Gattung und hat auch nicht besonders gute Chancen, sein Konto aufzufüllen. Denn Studijobs sind in der Stadt mit rund 16 Prozent Arbeitslosigkeit dünn gesät. Gute Bezahlung ist selten. Mehr als 5 bis 7 Euro pro Stunde sind kaum drin.

Clubbing nach Rostocker Art

Wer meint, in einer 250 000-Einwohnerstadt sei kein ausgefallenes Nachtleben drin, der irrt. Wie wär's beispielsweise mit Party unter der Wasseroberfläche? Kein Problem. In den letzten zehn Jahren hat sich das Motorschiff Stubnitz im Heimathafen Rostock zu einem gefragten Veranstaltungsort für Konzerte, Ausstellungen und Kunst-Installationen entwickelt. Legendär sind die Medizinerparties auf dem 80 Meter langen ehemaliges Kühltransportschiff. Immer noch voll funktionstüchtig, sticht das so genannte "Kulturraumschiff" Stubnitz ab und zu auch noch in See - mit einer Crew von Freiwilligen, die teilweise ständig auf dem Schiff leben.

Der Studentenkeller ist schon seit vielen Jahren der Treffpunkt schlechthin - besonders Dienstags ist er ein Muss. Der "Keller", wie ihn die meisten nennen, ist einer der typischen Studentenclubs. Zu DDR-Zeiten entstanden, prägen sie auch heute das Pisten-Leben eines Rostocker Studis. Dass ihre Namen meist auf den Studiengang ihrer Gründer zurückzuführen sind, weiß heute allerdings kaum noch jemand - bespielsweise, dass der LT-Club ursprünglich der Treff der Land- Techniker war. Heute kennen viele nicht einmal mehr dieses Studienfach.

"Clubbing nach Rostocker Art" ist aber nicht alles. Kino und Theater gibt's natürlich auch - und für eigene künstlerische Ambitionen bieten sich Kabarett, Chor oder Theatergruppe der Uni an. Sportler sind in den rund 40 Kursen des Unisports gut aufgehoben - und am Strand sowieso. Und wer lieber zuschaut anstatt selbst zu schwitzen, der kann schließlich am Wochenende zu Bundesliga- Fußballspielen ins neu errichtete Stadion von Hansa-Rostock gehen.

Maulfaul, aber herzlich

Ein abschließender Tipp für neu-Mecklenburger: Für sie mag die Zurückhaltung der Mecklenburger - und das sind rund 70 % der Rostocker Studenten - anfangs vielleicht etwas fremd erscheinen. Als "maulfaul, aber herzlich" bezeichnen sie sich selber gern. Für Auswärtige heißt das: Geduld zahlt sich aus. Mag es auch am Anfang etwas schwierig erscheinen, mit den Nordlichtern warm zu werden, sollte man sich davon nicht abschrecken lassen. Denn ist das Eis einmal gebrochen, hat man um so treuere Freunde gewonnen.

Fragen zum Studium in Rostock? Schreiben Sie eine Mail an Claudia Wöllner

* Fotos: Audiovisuelles Medienzentrum (AVMZ) der Universität Rostock, Tourismuszentrale Rostock & Warnemünde

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NÜTZLICHE LINKS:

Uni: www.uni-rostock.de
Studentenwerk: www.studentenwerk-rostock.de

Stadt Rostock & Warnemünde:
www.rostock.de
www.warnemuende.de
www.der-warnemuender.de
Informationen rund um Stadt + Region:
www.mvweb.de
www.imv.de

Wohnungssuche: www.wohnanzeiger.de
Günstige Wohnungen für Studi-WGs:
www.wg-union.de/studenten/index.html
Wohnungsgenossenschaften:
www.wiro.de
www.wg-warnow.de
www.wgsh.de
www.union-rostock.de



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Weitere Teile der Serie über deutsche Unistädte finden Sie bei Junge Karriere online unter www.jungekarriere.com.

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