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04.07.2000

18:21 Uhr

Sichere Internet-Geschäfte und die Kfz-Anmeldung zu Hause

Die digitale Signatur wird von 2001 an die Couch Potatoes erfreuen

Versicherungsverträge ohne Außendienst und Agenturbesuch abschließen, das Bankkonto wirklich sicher online führen und Autos vom heimischen Rechner aus anmelden: Digitale Unterschriften sollen die Absender von elektronischen Botschaften einwandfrei identifizieren und das Internet endgültig zur Drehscheibe des modernen Lebens machen. Im Herbst nächsten Jahres wollen Deutschlands große Privatbanken millionenfach ec-Karten mit den elektronischen Signaturen an die Bankkunden ausgeben und damit dem bislang nur Wenigen bekannten Verschlüsselungsverfahren zum Durchbruch verhelfen.

afp BERLIN. Noch sind viele Einzelheiten des Vorhabens unklar; die Institute sehen aber einen Massenmarkt mit enormer Kaufkraft und wollen lieber den Vorreiter spielen als sich von der Konkurrenz den Schneid abkaufen zu lassen. "Dieses Schreiben wurde maschinell erstellt und gilt auch ohne Unterschrift" - derartige Phrasen sollen nach dem Willen der Sicherheitsexperten künftig der Vergangenheit angehören.
Mit den mathematisch erzeugten Signaturen könnten Absender von Botschaften sogar sicherer als über die eigene Handschrift identifiziert werden, geben sich Experten zuversichtlich. Die elektronischen Unterschriften kommen aus einer Chipkarte, die über ein Lesegerät mit dem Computer verbunden wird. Ein Teil der Verschlüsselung ist öffentlich zugänglich, damit die Empfänger die Echtheit prüfen können. Der andere Teil des Schlüssels bleibt Privatgeheimnis des Nutzers.

Die jüngst beschlossene EU-Richtlinie zur digitalen Signatur muss indes noch in nationales Recht umgsetzt werden. Wenn Millionen Kunden etwa von Deutscher und HypoVereinsbank ebenso wie Inhaber von Konten bei Commerzbank und Dresdner Bank im nächsten Jahr bei der allherbstlichen Karten-Tauschaktion ihre elektronischen Schlüssel erhalten, werde das Signaturverfahren einen gewaltigen Schub erhalten, betont der zuständige Geschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB), Heinz-Dieter Bosch. "Wenn die Kartenbasis vorhanden ist, werden die Anwendungen dazu auch sehr schnell kommen", gibt sich BdB-Expertin Ulrike Müller zuversichtlich. In der Praxis könne sie sich vorstellen, dass die Signaturkarten dann auch in Handys verwendet werden und für sensible Transaktionen verwendet werden könnten.

Herr Kaiser könnte auf die Reservebank

Die Einsatzmöglichkeiten sehen bislang vielfältig aus; die Versicherungswirtschaft träumt vom Policen-Direktverkauf über das weltweite Datennetz, Behörden wollen im Rahmen eines Pilotprojektes in Bremen digitale Studentenausweise mit Zahlungsfunktionen für Bus und Bahn ausgeben, in den Pilotregionen Esslingen-Ostfildern sowie im fränkischen Raum Nürnberg-Bayreuth-Erlangen-Fürth-Schwabach sind Geburts- und Heiratsurkunden über das Netz angedacht.

Zum E-Commerce soll sich die Online-Verwaltung (E-Governance) gesellen, virtuelle Marktplätze und virtuelle Rathäuser gehen Hand in Hand. "Der digitalen Signatur kommt eine Schlüsselrolle zu", betont das Bundeswirtschaftsministerium, das 50 Millionen aus den Gesamtinvestitionen von mehr als 120 Millionen Mark für die drei Pilotvorhaben trägt.
Zu den Projektpartnern zählen die öffentlich-rechtlichen Sparkassen. Die Geldhäuser sehen sich als große Impulsgeber der sigitalen Unterschriften.

Die Post hat die Konkurrenz mit einer Signatur abgehängt

"Für die Postbank ist das genauso interessant wie für die anderen Banken", sagt ein Sprecher der Deutschen Post AG, die mit ihrem eigenen Dienst Signtrust bereits selbst digitale Unterschriften erstellt. Ein Starter-Kit mit Lesegerät und ein Jahr Nutzung kosten bei Signtrust 120 Mark, die weitere Nutzung der Karte etwa bei Banken, Behörden, Notaren und Rechtsanwälten dann 50 Mark jährlich.

Wieviel die Privatbanken für ihr geplantes Angebot verlangen könnten, ist ein heikles Thema. "Die Kunden ärgern sich bereits, wenn sie im Jahr zehn Mark für eine normale ec-Karte zahlen sollen", betont eine Branchenkennerin. Der BdB setzt darauf, dass sich die Öffentliche Hand bei aller Begeisterung für virtuelle Rathäuser auch finanziell ins Zeug legt, um die Signaturkarten unters Volk zu bringen.

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