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19.03.2003

11:11 Uhr

Sicherheitsrat kommt zusammen

Saudi-Arabien schlägt Exil für Saddam vor

Wenige Stunden vor Ablauf eines US-Ultimatums an Iraks Präsidenten Saddam Hussein hat Saudi-Arabien nach Angaben aus Diplomatenkreisen erstmals Exil für die irakische Präsidentenfamilie vorgeschlagen. Saudi-Arabien selbst wolle Saddam aber kein Exil geben.

Der UN-Sicherheitsrat. Foto: dpa

Der UN-Sicherheitsrat. Foto: dpa

Reuters NEW YORK/BAGDAD. Im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen (Uno) wollten die Außenminister der Kriegsgegner am Mittwoch nach den Worten von Bundesaußenminister Joschka Fischer "allerletzte Optionen erkunden". Uno-Chef-Waffeninspektor Hans Blix sollte trotz der Abreise seiner Inspektoren einen weitern Bericht vorlegen.

"Das Königreich und andere Parteien bemühen sich intensiv, einen verheerenden Krieg zu vermeiden, und haben die Idee eines Exils für Saddam (...) und seine Familie vorgeschlagen", hieß es in den saudiarabischen Diplomatenkreisen. Nach dem US-Ultimatum bleibt Saddam und seinen Söhnen noch bis zum frühen Donnerstagmorgen (02.15 Uhr MEZ), um das Land zu verlassen. Sie haben dies bislang aber abgelehnt. Auch im Falle eines Rücktritts Saddams würden die USA nach den Worten von Außenminister Colin Powell in Irak einmarschieren, um eine Abrüstung des Landes zu überwachen.

Aus US-Regierungskreisen verlautete unterdessen, ein Militärschlag werde mit einem massiven Bombardement von rund 3 000 Satelliten gesteuerter Bomben und Marschflugkörper beginnen. Ein heftiger Standsturm behinderte am Mittwoch in der nordkuwaitischen Wüste - im Süden Iraks - den Vormarsch amerikanischer und britischer Truppen in Richtung irakische Grenze.

Wenn der Irak C-Waffen benutzt, will Paris die USA unterstützen

Blix hatte am Vortag gesagt, ein Einsatz chemischer und biologischer Waffen durch Irak sei "unwahrscheinlich", da das Land damit die ganze Welt gegen sich aufbringen würde. Die irakische Regierung achte sehr genau auf die öffentliche Meinung in der Welt, die derzeit einem Krieg skeptisch gegenüber stehe. Sollte Irak dennoch chemische und biologische Waffen einsetzen, dann würde das nach den Worten von Frankreichs US-Botschafter Jean-David Levitte "die Situation für die französische Regierung vollständig und sofort ändern". Eine Entscheidung über eine Kriegsbeteiligung würde dann von Präsident Jacques Chirac getroffen.

Der engste US-Verbündete, Großbritanniens Premierminister Tony Blair, hatte am späten Dienstagabend die Unterstützung des Parlaments für seine Irak-Politik erhalten, sah sich aber mit massivem Widerstand in der eigenen Partei konfrontiert. Fast 140 Labour-Abgeordnete stimmten gegen eine Regierungsentschließung, nach der "alle erforderlichen Maßnahmen" zur Entwaffnung Iraks ergriffen werden sollten. Dennoch wurde sie mit 412 zu 149 Stimmen verabschiedet.

Da die Uno-Waffeninspektoren bereits am Vortag aus Irak abgereist waren, verglich der US-Botschafter bei der Uno, John Negroponte, die geplante Uno-Sicherheitsratssitzung mit einem "Umstellen der Stühle auf dem Deck der (sinkenden) Titanic". US-Außenminister Powell wird nach Angaben aus US-Regierungskreisen nicht an der Sitzung teilnehmen. Fischer sagte in Brüssel am Rande eines EU-Außenministertreffens am Dienstagabend, in New York gehe es darum, die zentrale Bedeutung des Sicherheitsrates mit Blick auf vergleichbare Krisen zu betonen. "Das ist jetzt nicht die Stunde, die Frage des Wiederaufbaus zu besprechen, wo es doch darum geht, allerletzte Optionen zu erkunden."

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