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04.02.2002

15:13 Uhr

Sieben von zehn Firmen glauben an die Vorteile

Studie: E-Learning steckt noch in den Kinderschuhen

VonMichael Drosten (Handelsblatt.com)

Die Möglichkeiten des E-Learning werden selbst von großen Unternehmen bei weitem noch nicht ausgeschöpft. Eine aktuelle Studie zeigt, das die meisten immer noch vorwiegend Schulungsvideos und computer based Trainings (CBTs) einsetzen. Medien also, die weder interaktiv sind noch eine unmittelbare Erfolgskontrolle zulassen.

DÜSSELDORF. "E-Learning hat in den Top-350 Unternehmen der deutschen Wirtschaft mit fast 90 Prozent einen sehr hohen Verbreitungsgrad erreicht", heißt es in der jetzt vorgestellten Studie "E-Learning und Wissensmanagement in deutschen Unternehmen". Die Aussage könnte für Irritationen sorgen. Der Boom der E-Learning-Branche steht nach Expertenaussagen bevor, doch noch ist das Segment im Aus- und Weiterbildungsmarkt jung.

Interaktivität spielt derzeit nur eine kleine Rolle

Wie die von der Unicmind.com AG in Auftrag gegebene Umfrage zeigt, ist der überraschend hohe Verbreitungsgrad offenbar auf eine nicht mehr zeitgemäße Definition von E-Learning zurück zu führen. Tatsächlich nutzen nur 25 Prozent der Unternehmen internetbasiertes web-based Training (WBT). Die meisten der 102 Firmen, die sich an der Erhebung beteiligten, setzen vor allem Schulungsvideos und computer-based Trainings (CBTs) ein. Medien, die weder die Interaktivität mit Tutoren und Mitlernenden noch die unmittelbare Erfolgskontrolle zulassen. Technisch anspruchsvollere Lösungen wie Business TV, virtuelle Seminarräume und Learning Management Systeme spielen derzeit noch keine große Rolle.

Die Chancen und Möglichkeiten des E-Learning sind den Unternehmen klar. Nur drei Prozent sehen keine Vorteile in dieser erweiterten Form der Wissensvermittlung. Dagegen glauben sieben von zehn Unternehmen daran, Vorteile, vor allem in Form der Kostensenkung, erzielen zu können. Als vorteilhaft gilt demnach auch, schneller auf aktuelle Themen eingehen und Lerninhalte einfacher aktualisieren zu können.

Nur jedes fünfte Unternehmen erwartet einen besseren Lernerfolg

Allerdings sehen Firmen die E-Learning-Welt nicht nur in rosaroten Farben. Ein großes Hemmnis ist nach Meinung jeden zweiten Unternehmens der Wegfall von "Social Effects". Offenbar sind bei Präsenz-Seminaren nicht die Lerninhalte allein von Bedeutung, sondern auch das Zusammentreffen mit Kollegen aus anderen Bereichen oder sogar anderen Unternehmen. Zudem stehen auch die Anbieter von Lernlösungen in der Kritik, denen noch erhebliche Entwicklungsarbeit ins Pflichtenheft geschrieben wird. Denn nur knapp jedes fünfte Unternehmen erwartet durch E-Learning einen besseren Lernerfolg.

Das enorme Entwicklungspotenzial wiederum zeigt ein Vergleich zwischen aktuellen und zukünftigen Schulungsthemen im E-Learning. Derzeit dominieren mit großem Abstand Themen mit engem Bezug zur Informationsverarbeitung. Zwei von drei Unternehmen setzen Tools für Office-Schulungen und betriebswirtschaftliche Anwendungssoftware ein. Nur in jede dritte bis vierte Firma schult auf diesem Wege Produktkenntnisse, Softskills, Sprachen oder sonstige betriebswirtschaftliche Themen. Nicht einmal jede zehnte vermittelt Themen wie Kundenzufriedenheit und Qualitätsmanagement. Zukünftig werden laut Umfrage allerdings betriebswirtschaftliche Themen und Produktschulungen deutlich aufholen. Qualitätsmanagement- und Kundenzufriedenheits-Themen sollen demnach auf der Skala um das bis zu Dreifache höher liegen als heute.

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