Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

06.04.2003

19:27 Uhr

Siege für Hansa und 1860

Göttliches Debüt von „Fußball-Gott“ Kohler

Vorhang auf für Heilsbringer Jürgen Kohler. Das traumhafte Debüt des als Fußball-Gott gefeierten ehemaligen Profis hat dem Krisenclub Bayer Leverkusen den höchsten Saisonsieg und neue Hoffnung im Abstiegskampf beschert. Die wundersame Wandlung vom unansehnlichen Angsthasen- zum forschen Angriffsfußball wurde nach dem 4:1-Sieg über Hertha BSC vor allem dem neuen Bayer-Sportdirektor gut geschrieben.

HB/dpa DüSSELDORF. Weder das spektakuläre Traumtor von Fabian Ernst aus 47 Metern zum 2:1-Erfolg von Werder Bremen in Dortmund, noch die Aufholjagd des derzeit unbezwingbaren Tabellenführers Bayern München in Hannover (2:2) fand am 27. Spieltag ähnliche Beachtung wie die Bundesliga-Rückkehr des Alt-Internationalen.

Damit hat der Vorjahres-Zweite auch wieder die Abstiegsränge verlassen, da Borussia Mönchengladbach am Sonntagabend beim TSV München 1860 durch Treffer von Markus Schroth (79.) und Martin Max (89.) mit 0:2 (0:0) unterlag. Im zweiten Sonntagspiel hat sich Hansa Rostock durch den 1:0 (1:0)-Erfolg gegen den VfL Wolfsburg ein wenig Luft im Abstiegskampf verschafft. Das Siegtor für die Mecklenburger erzielte Delano Hill (3.).

Bescheiden gab Kohler die vielen Komplimente an die Mannschaft und Trainer Hörster weiter, warnte aber vor verfrühter Euphorie. "Wir haben einen ersten Schritt gemacht und das erste von acht Endspielen gewonnen", sagte der ehemalige Manndecker der Nation, der den verunsicherten Bayer-Profis den Glauben an die eigene Stärke zurückgab. Inspiriert von der lockeren Art des Weltmeisters von 1990 fand selbst der zuletzt schwache Neuville zur Vorjahres-Form zurück und trug zwei Treffer zum vierten Heimsieg des Vize-Meisters bei.

Eine ähnliche Therapie schlug beim FC Schalke 04 weniger gut an. Obwohl der vor wenigen Tagen zum Trainer beförderte Wilmots wie Kohler im Mannschaftskreis gute Laune verbreitet hatte, blieb der Erfolg beim 0:0 in Nürnberg aus. Dennoch bescheinigte Manager Assauer der Mannschaft eine Rückkehr zu der von Wilmots als Profi verkörperten "Kampfschwein"-Mentalität: "Die Premiere von Wilmots ist hundertprozentig gelungen. Ein ganz anderer Zug ist da, es ist wieder Leben in der Bude." Einzig die bedenkliche Chancenauswertung verhinderte einen Erfolg der "Königsblauen".

Derweil der Kampf um die Europacup- und Abstiegsplätze an Brisanz gewinnt, wird der um den Titel immer langweiliger. Selbst ein 0:2- Rückstand in Hannover konnte die Rumpfelf aus München nicht schrecken. Dank der späten Treffer von Sagnol und Pizarro blieb der Rekordmeister auch im 21. Pflichtspiel nacheinander ohne Niederlage. Nicht nur der glückliche Punktgewinn in Hannover, sondern auch die Kunde von der 1:2-Niederlage der Dortmunder Borussia gegen Werder Bremen besserte die Laune im Bayern-Lager auf.

Ausgerechnet das schlechteste Team der Rückrunde beendete die BVB - Erfolgsserie nach 24 Heimspielen ohne Niederlage. Mit einem Traumtor fast von der Mittellinie gegen den zu weit aus seinem Tor geeilten Schlussmann Weidenfeller stürzte Kunstschütze Ernst den Titelverteidiger vom zweiten Tabellenplatz. "Wir sollten uns jetzt wieder umorientieren - und zwar nach oben", sagte der Bremer Torschütze voller Hoffnung auf ein Ende der Durststrecke.

Nutznießer der Dortmunder Schlappe war der VfB Stuttgart, der mit einem 3:2-Erfolg in Cottbus auf Platz zwei vorrückte. "Wenn man drei, vier Spieltage vor Schluss immer noch so steht, werden wir mit aller Macht die Champions League angreifen", sagte VfB-Keeper Ernst. Und auch in Hamburg reifen die Träume von lukrativen Auftritten in der europäischen Königsklasse. Eine Woche vor dem wichtigen Heimspiel gegen den BVB hielt sich die Mannschaft von Trainer Jara mit einem glücklichen 1:0 über Bielefeld schadlos und verkürzte den Rückstand auf den kommenden Gegner auf vier Punkte.

Von solchen Zielen kann der VfL Bochum derzeit nur träumen. Nach sieben sieglosen Spielen gehört der Revierclub endgültig zum engsten Kreis der Abstiegsaspiranten. Für das enttäuschende 1:1 im Kellerduell gegen den 1. FC Kaiserslautern machte VfL-Coach Neururer das Schiedsrichter-Gespann verantwortlich. Referee Albrecht sprach den Gästen nach einem Zweikampf zwischen Mandreko und Timm in der Schlussminute einen zweifelhaften Freistoß zu, den Ramzy zum Ausgleich nutzte. "Eine größere Fehlentscheidung gibt es nicht. Wir sind um zwei wichtige Punkte gebracht worden", schimpfte Neururer.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×