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29.01.2003

14:28 Uhr

Siemens und Tui behalten Ausschüttung bei

Analysten sehen konstante Dividenden

Ungeachtet schlechter konjunktureller Perspektiven und zumeist schwach laufender Geschäfte rechnen Aktienanalysten nicht mit deutlichen Kürzungen bei den Unternehmensdividenden für das abgelaufene Geschäftsjahr 2002. Vielmehr dürften die Ausschüttungen der deutschen Großkonzerne mit einigen Ausnahmen konstant bleiben.

Reuters FRANKFURT. Auf zusammengerechnet 23,93 Euro und damit knapp drei Prozent weniger als für 2001 belaufen sich die Prognosen der Analysten für die Dividendenausschüttungen pro Aktie der im Deutschen Aktienindex (Dax) enthaltenen Firmen. Die Dividendenpolitik rückt nach Ansicht der Analysten in schwachen Börsenzeiten wieder stärker in den Fokus der Anleger. "Die Dividende ist auf jeden Fall ein wesentlicher Faktor für die Anlageentscheidung", sagte Deka-Fondsmanager Trudbert Merkel.

Dividenden-Zahlungen aus ausserordentlichen Erträgen

Die von Reuters befragten Banken und Investmenthäuser erwarten im Schnitt bei 19 der 30 Dax-Firmen eine etwas höhere oder zumindest konstante Dividende. Bei den übrigen Unternehmen wird mit einer Kürzung der Ausschüttung gerechnet. Hierbei fällt die Deutsche Telekom mit ihrem Vorschlag, die Dividende für 2002 ganz ausfallen zu lassen, am stärksten ins Gewicht. Thyssen-Krupp hat bereits angekündigt, die Dividende um 20 Cents auf 0,40 Euro kürzen zu wollen, Siemens und TUI behalten ihre Ausschüttungshöhe bei.

Vor allem die Banken dürften infolge deutlicher Ergebniseinbußen nach Einschätzung der Analysten eine geringere Dividende an ihre Aktionäre ausschütten. Eine klare Anhebung wird hingegen bei DaimlerChrysler erwartet, nachdem der Autokonzern seine Ausschüttung für das Krisenjahr 2001 deutlich gekürzt hatte. Auch bei der Lufthansa, die ihre Dividende für 2001 gestrichen hatte, wird wieder auf eine Gewinnbeteiligung spekuliert.

Fondsmanager Merkel zeigte sich nicht wirklich überrascht davon, dass deutsche Firmen ihre Dividende angesichts oftmals schwacher operativer Ergebnisse nicht deutlicher zurückfahren. "Wir hatten eigentlich nie eine so große Volatilität in den Dividenden." Er führt die stabile Ausschüttungspolitik auch auf die zahlreichen Desinvestments wie Anteilsverkäufe der Konzerne zurück. "Daraus werden außerordentliche Erträge generiert, die nicht nur in den Schuldenabbau fließen, sondern an denen auch die Investoren und Anleger beteiligt werden."

Dividende als Kaufanreize für Anleger

Die Experten verwiesen darauf, dass in Zeiten anhaltend fallender Kurse die Dividendenausschüttung ausschlaggebend für eine Kauf- oder Verkaufentscheidung von Aktien sein kann. Allein deshalb, weil viele Fonds auf die Gewinnbeteiligung angewiesen seien, da sie regelmäßig Ausschüttungen zu tätigen hätten, sagte Christian Kahler, Aktienstratege bei der DZ Bank. "Unternehmen, die eine höhere Dividende ausschütten, haben in der Regel auch eine bessere Performance", fügte er hinzu. "Die Gesellschaften versuchen, die Attraktivität ihrer Aktie durch die Dividende zu erhalten", sagte auch Reinhild Keitel von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK). "In der Vergangenheit wurde nicht unbedingt das ausgeschüttet, was hätte sein können." Bezogen auf den Kursverfall seien die konstante Dividendenzahlungen für die Anleger allerdings wohl nur ein "schwacher Trost".

Im Zuge der deutlichen Kursverluste klettert mit den verhältnismäßig stabilen Ausschüttungen automatisch die Dividendenrendite - also das Verhältnis zwischen Dividende und dem Aktienkurs. Auf der Basis von Reuters-Daten läge die durchschnittliche Rendite der von den Analysten prognostizierten Dax-Dividenden für 2002 bei gut drei Prozent und damit rund mehr als einen Prozentpunkt über dem Vorjahreswert.

Die Dividendenrenditen der deutschen Konzerne liegen normalerweise mit etwa zwei bis drei Prozent zumeist unter der europäischen Konkurrenz vor allem in Großbritannien und Frankreich, die in der Regel rund einen Prozentpunkt mehr ausschüttet. Die US-Konzerne rangieren dagegen mit Renditen von gut zwei Prozent unter dem deutschen Niveau und in Japan zeigen sich die Firmen mit weniger als ein Prozent noch geiziger. Fondsmanager Merkel führte die im europäischen Vergleich niedrigeren deutschen Dividendenrenditen darauf zurück, dass die hiesigen Firmen traditionell eher konservativ haushalteten und hohe Rücklagen bildeten. "Wir haben hier schon immer eine eher relativ niedrige Ausschüttungsquote."

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