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21.04.2003

15:15 Uhr

Singapur muss massive wirtschaftliche Einbußen hinnehmen

Drastische Aktionen im Kampf gegen SARS

Im Kampf gegen die Ausbreitung der gefährlichen Lungenkrankheit SARS haben asiatische Länder drastische Maßnahmen ergriffen. In Teilen Chinas bleiben Schulen geschlossen. Die Regierung hatte zudem eingestanden, dass das Ausmaß der Krankheit vertuscht wurde. Gesundheitsminister Zhang Wenkang und der Pekinger Bürgermeister Meng Xuenong wurden am Sonntag entlassen. Behörden in Singapur stellten 2500 Beschäftigte eines Gemüsegroßmarkts unter Hausquarantäne, nachdem dort drei Menschen an SARS erkrankt waren. Bislang sind rund 200 Menschen an der gefährlichen Krankheit gestorben, Tausende haben sich infiziert.

HB/dpa PEKING/SINGAPUR. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf waren bis zum Samstag weltweit in 25 Ländern 3547 an SARS Erkrankte und 182 Todesopfer offiziell registriert worden. Die am Sonntag bekannt gewordenen neuen Todes- und Erkrankungsfälle in China und Hongkong sind in den WHO-Zahlen noch nicht enthalten. Vizegesundheitsminister Gao Qiang enthüllte in China, landesweit seien mehr als 1800 Menschen erkrankt. Die Zahl der Toten stieg um 12 auf 79. Allein in Hongkong waren am Wochenende nach Angaben der Gesundheitsbehörden insgesamt 19 Menschen an SARS gestorben.

In dem Eingeständnis, dass das Ausmaß der Krankheit vertuscht worden ist, räumte die chinesische Regierung die Zahl von 346 Patienten allein in der Hauptstadt Peking ein. Das sind fast zehn Mal mehr als bisher bekannt.

Als Zeichen, wie ernst die Regierung die Lage einschätzt, wurden die "Goldene Woche" genannten Ferien über die Maifeiertage gestrichen, damit Millionen von Reisenden die Krankheit nicht weiter verbreiten. Staats- und Parteichef Hu Jintao unterstrich die Sorge der Regierung. Bei einem Besuch von zwei medizinischen Instituten sagte der Präsident, die Identifikation des Erregers und schnelle Diagnose seien wichtig für Vorbeugung und Behandlung.

Die Regierung stellte 900 Millionen Yuan (100 Millionen Euro) zusätzlich zur Verfügung, um die Verbreitung der Krankheit im rückständigen zentralen und westlichen China zu bremsen. Damit stiegen die gesamten Mittel für diese Aufgabe auf 2,9 Milliarden Yuan (320 Millionen Euro). Passagiere auf inländischen Flügen müssen seit Montag eine Gesundheitserklärung ausfüllen. Darin müsse aufgeklärt werden, wo sie in den vergangenen zwei Wochen gewesen seien, berichtete die Luftfahrtbehörde laut Tageszeitung "China Daily".

Unter Hinweis auf die "sehr ernste Lage" schloss die 23 Millionen Einwohner zählende Innere Mongolei ihre Schulen bis 20. Mai, berichtete der China News Service. SARS-Fälle seien im mittleren, westlichen und östlichen Teil der nordchinesischen autonomen Region entdeckt worden. Offiziell ist bislang aber nur von 25 SARS-Patienten die Rede. In der 30 Millionen zählenden Provinz Shanxi, wo offiziell 112 Fälle eingeräumt wurden, bleiben Schulen bis 7. Mai geschlossen.

Nach Berichten aus Ulan Bator gibt es in der Mongolei auch einen ersten SARS-Toten. In Peking wurden sechs Krankenhäuser speziell für die Behandlung der Krankheit ausgewählt. Neuer Gesundheitsminister Chinas wird voraussichtlich Vizeminister Gao Qiang, der "größere Schwächen" im Umgang mit der Krankheit einräumte. Das Ministerium sei schlecht vorbereitet gewesen.

In Singapur bleibt der Gemüsegroßmarkt bis auf weiteres geschlossen, nachdem die Beschäftigten unter Hausquarantäne gestellt wurden. In der Handels- und Wirtschaftsmetropole gibt es bislang 178 bekannte SARS-Erkrankungen. 16 Menschen erlagen der Lungenentzündung. Singapur erwartet massive wirtschaftliche Einbußen durch SARS. Wegen ausbleibender Urlauber und Konsumzurückhaltung der Bewohner habe die Wirtschaft bisher rund 1,5 Milliarden Singapur-Dollar (rund 781 Millionen Euro) verloren.

Unterdessen wurde am Montag aus Bayern ein neuer SARS- Verdachtsfall gemeldet. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums handelt es sich um einen 45-Jährigen, der am vergangenen Samstag von einer Reise aus China zurückkehrte. Sein Gesundheitszustand sei stabil. Für engere Kontaktpersonen aus dem familiären Umfeld des Mannes bestehe für zehn Tage eine Gesundheitsüberwachung.

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