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27.03.2003

15:18 Uhr

Singapur schließt die Schulen

Erster SARS-Verdachtsfall in Köln

In China und Südostasien wächst die Angst vor Ansteckungen durch die Lungenentzündung SARS. Hongkong erwägt wie Singapur drastische Maßnahmen, darunter auch eine Zwangsquarantäne für Familienangehörige von Patienten. 100 Schulen wurden in der Metropole am Donnerstag geschlossen.

HB/dpa HONGKONG/PEKING. Auch in Nordchina wurden erstmals Fälle von Lungenentzündungen gemeldet. Taiwan warnte seine Bevölkerung vor Reisen nach China, Hongkong und Vietnam. Die Rolling Stones sagten kurzfristig zwei Konzerte in Hongkong ab.

Erster Verdachtsfall in Köln

In Köln ist ein erster Verdachtsfall auf eine SARS-Erkrankung aufgetreten. Zwei Menschen seien bereits am Mittwochabend in ein Krankenhaus gebracht worden, teilte die Stadt Köln am Donnerstag mit. Es handele sich um ein Ehepaar. Die SARS-Symptome (Schweres Akutes Atemwegs-Syndrom) seien bei dem Mann aufgetreten. Seine Frau sei zur Beobachtung in der Klinik, heißt es in der Mitteilung. In einer Pressekonferenz will die Stadt Köln am Nachmittag weitere Informationen bekannt geben.

Erstmals bestätigte Fälle in Nordchina

Guangdong in Südchina und das angrenzende Hongkong sind die beiden Zentren der Ansteckungen. Das Außenministerium in Peking sagte, es habe "keine Nachrichten" über die bisher mitgeteilten Fälle hinaus aus anderen Provinzen. Doch scheint das wahre Ausmaß der Erkrankungen unklar. Provinzbehörden wurden angehalten, keine Nachrichten über die Epidemie an die Öffentlichkeit zu geben, wie mehrere Funktionäre bestätigten. China hatte nur für den Zeitraum von November bis Ende Februar mehr als 800 Krankheitsfälle und 34 Tote bestätigt.

Das Außenministerium bestätigte, dass es jetzt auch vier Patienten in Nordchina in Taiyuan, der Provinzhauptstadt von Shanxi, gegeben habe. Zwei seien bereits aus dem Krankenhaus entlassen. In Peking gebe es zehn Erkrankte, von denen drei gestorben seien.

Appelle an Arbeitgeber

In Hongkong, wo 316 Kranke und 10 Tote gezählt wurden, sagte Regierungschef Tung Chee-hwa: "Die gegenwärtige Situation ist ernst. Es ist notwendig, dass wir wirksamere Maßnahmen ergreifen, um eine weitere Verbreitung des Virus zu verhindern." Er appellierte an Arbeitgeber, Angestellten frei zu geben, die infizierte Familienmitglieder hätten. Die Zahl der Schulen, die geschlossen haben, hat sich von 50 auf 100 verdoppelt.

Ein Team der Weltgesundheitsorganisation (WHO), das seit Montag in Peking Informationen über die Erkrankungen in China gesammelt hat, legt der Regierung am Freitag einen Bericht mit Empfehlungen vor. Das Team hatte auch Diskussionen mit Vertretern aus Guangdong und umfangreiche Daten erhalten, berichtete Chris Powel von der WHO. In der nächsten Phase der Untersuchung sei es wichtig, dass WHO-Experten auch nach Südchina reisten.

Aus Angst vor der Lungenentzündung sagten die Rolling Stones in letzter Minute zwei Konzerte am Freitag und Samstag in Hongkong ab. Ob die Musikgruppe ihre nächste Woche geplanten Konzerte in Schanghai und Peking und damit ihren ersten Auftritt in der Volksrepublik überhaupt auch absagen werden, blieb offen.

Singapurs Schulen sind bis 6. April geschlossen

In Singapur starb innerhalb von nur einem Tag ein zweiter Patient an der Lungenkrankheit. Der Tote ist ein Pastor, der einen SARS- Patienten in einer Klinik besucht hatte, wie Singapurs Gesundheitsbehörden am Donnerstag mitteilten. Die Zahl der zu Hause unter Quarantäne gestellten Singapurer erhöhte sich unterdessen auf rund 860. Sie waren möglicherweise mit Infizierten in Kontakt gekommen und werden nun täglich untersucht. Am Mittwoch waren alle 370 staatlichen Schulen bis zum 6. April geschlossen worden. In dem tropischen Stadtstaat gibt es bislang 74 SARS-Fälle.

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