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15.02.2001

23:28 Uhr

Sinkende Nachfrage nach Rentenfonds - Aktienfonds bevorzugt

Anlage in Fonds schützt nicht vor Verlusten

dpa-afx FRANKFURT. Kurseinbrüche bei Einzel-Titeln wie der Volksaktie "T" bis zu 70 % oder beim "Stuttgarter Stern" mit annähernd 60 % für Daimler-Chrysler haben bei vielen Anlegern das Fonds-Sparen stärker in das Blickfeld gerückt.

Risikostreuung durch ein Bündel von Wertpapieren sowie die professionelle Betreuung durch erfahrene Fondsmanager gelten als klassische Argumente für diese Anlageform. Doch auch bei Publikumsfonds der Banken und Sparkassen gilt es, genau auszuwählen. Mit 1 873 Publikumsfonds allein deutscher Institute gibt es bereits mehr Fonds als deutsche Aktien, die Ende Januar auf 1 504 kamen. Kaum Risiko besteht bei reinen Rentenfonds, ausschließlich bestückt mit fest verzinslichen Wertpapieren. Dafür bleiben allerdings auch die Gewinnaussichten in engen Grenzen. Gemischte Fonds - mit Renten und Aktien - versprechen schon höhere Renditen, zumindest so lange die Börse gut läuft.

Doch reine - und damit auch risikoreichere - Aktienfonds sind mit deutlich höheren Gewinnaussichten zum Anlagerenner geworden. Noch vor fünf Jahren entfiel auf Rentenfonds rund 56 % des Fondsvermögens und auf Aktienfonds nur 13 %. Mittlerweile hat sich das Verhältnis bei den Publikumsfonds mit 25 zu 50 % deutlich gedreht.

Um den immer anspruchsvolleren Kundenwünschen gerecht zu werden, haben auch die Sparkassen eine Fülle von selektiven Fonds in ihr Angebot genommen. Sie enthalten entweder nur Aktien einzelner Länder oder bestimmter Branchen. Je ausgefallener der Mix ist, um so größer die Gewinnchancen, aber auch die Verlustrisiken. Bei der Deka-Gruppe - der Investmentbank der Sparkassen - konnten die Anteilsbesitzer am "Deka Team-Pharma Tech TF" im vergangenen Jahr 44,2 % gutmachen.

Voll erwischt hat es dagegen die Anleger im "Deka-TeleMedien TF". Zum Jahresende war der Vermögenswert um 33 % gesunken. Noch schlimmer traf es die Besitzer von "Deka-Internet-Fondsanteile". Hier betrug der Wertverlust sogar 41 %. Dabei handelt es sich aber nicht um die berühmten "Peanuts". Die vier schlechtesten Fonds im Sparkassen-Angebot kamen zum Jahresende 2000 immerhin auf ein Volumen von zwölf Mrd. DM.

Deka-Vorstandschef Horst Zirener begründet das Angebot sensibler Technologie-Fonds mit der allgemeinen Konkurrenzsituation: "Wir können uns dem Markt nicht entziehen." Im Klartext: Wenn die Kundschaft derart riskante Anlagen wünscht, müssen auch die Sparkassen, die sich selbst als "Fachgeschäft mit Beratung" definieren, entsprechendes im Portfolio haben. Als Therapie zur Überwindung des Schocks empfiehlt Zirener den enttäuschten Anlegern: "Durchhalten, nicht nervös werden, und wenn man Geld hat, noch nachkaufen." Nach der tiefen Baisse würden auch die großen Verlierer wieder höhere Kursniveaus erreichen.

Auf die massiven Kurseinbrüche an den Börsen haben die Privatanleger in Deutschland bereits reagiert und favorisieren stärker den Einstieg in Fonds. Besonders auffällig ist - nach Jahren ständiger Zunahme - der absolute Rückgang der direkten Aktionäre. Während in der ersten Jahreshälfte 2000 noch 6,23 Mill. Anteilseigner in Deutschland registriert wurden, waren es im zweiten Halbjahr nur noch 6,19 Mill.. 1999 - vor dem stürmischen Run in die Dividendenpapiere - hatte Infratest im Auftrage des Deutschen Aktieninstituts sogar erst 5,0 Mill. direkte Anteilseigner ermittelt.

Eine massive Abwendung von den Börsentiteln ist allerdings nicht festzustellen. Vielmehr sind die alten und neuen Anleger vorsichtiger geworden und streuen deshalb das Risiko. Diese Verhaltensänderung zeigt die enorme Zunahme bei den Fondsbesitzern. Während 1999 nur 4,74 Mill. private Anleger sich an reinen Aktienfonds oder - mit fest verzinslichen Staatspapieren kombinierten - gemischten Fonds beteiligten, verdoppelte sich ihre Zahl mittlerweile fast auf 8,8 Mill.

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