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12.01.2001

14:31 Uhr

Skeptiker warnen vor Rückschlägen

Erste Zeichen für Bodenbildung bei Aktien

Nach der Talfahrt an den internationalen Börsen in den vergangenen Monaten wird bei Aktienanalysten mittlerweile über erste Anzeichen für einen Umschwung der Stimmung und Ansätze einer Bodenbildung bei Hochtechnologiewerten diskutiert.

rtr FRANKFURT/NEW YORK. Skeptiker warnen aber mit Verweis auf die Charttechnik vor möglichen Rückschlägen und raten Anlegern noch zum Abwarten klarerer Signale für einen Wiedereinstieg. Von einer Trendwende sei man noch entfernt, heißt es.

Die Debatte über die künftige Richtung der Aktienmärkte hat am Donnerstag vor allem durch Nachrichten aus den USA einen neuen Anstoß bekommen. Schlechte Ergebnisaussichten von Unternehmen wie zuletzt von Motorola oder Cisco überraschten den bereits auf eine Konjunkturabkühlung eingestellten Markt nicht mehr, stellten Beobachter fest. Statt wie zuletzt den gesamten Markt mit in die Tiefe zu reißen, blieb auch der durch einen schwachen Geschäftsausblick ausgelöste Kursverlust beim trendbestimmenden Internet-Portalanbieter Yahoo größtenteils auf das Unternehmen beschränkt.

"Typischerweise bei einer Bodenbildungbildung führen schlechte Nachrichten nicht mehr zu (weiteren) Kursverlusten. Daher ist das Chance-Risiko-Verhältnis derzeit sehr gut", sagte ein US-Portfolio-Manager mit Blick auf die Nasdaq. Ein deutscher Aktienstratege sagte: "Die sichersten Verkäufer sind die Leerverkäufer." Wenn die im Vorgriff auf erwartete Kursabschläge getätigten Verkaufsorders (short) ausblieben, könne dies ein Indiz dafür sein, dass die schlechten Nachrichten eingepreist seien. Für "Shorties" sei der Markt nicht mehr geeignet. "Wir sind dabei, das Parkett für eine Bodenbildung auszulegen", sagte Guido-Giuseppe Amato vom Handelshaus Lang & Schwarz.

Hälfte ist Pschologie

"Die Hälfte des Marktes ist Psychologie", begründet Paul Cox, Aktienmanager eines US-Nebenwertefonds, seine positive Einschätzung des Marktes. Das Schlimmste sei aus einigen Branchen und bei den Investoren bei dem jüngsten Kursrutsch auf Raten "herausgeprügelt" worden. "Psychologisch ist daher die Zeit reif", sagt Cox. Dem halten andere US-Börsenexperten die Abkühlung der weltweiten Konjunktur-Lokomotive USA entgegen, die auch bei Zinssenkungen neue Gewinnwarnungen der Unternehmen nicht verhinderten. Die Unternehmen der so genannten Alten Wirtschaft würden ihren Ausgaben für neue Technologien noch weiter reduzieren, sagt Volkswirt Milton Ezrati von Lord Abbett. Dies werde einen weiteren Abwärtstrend bei den Unternehmen der so genannten Neuen Okönomie hervorrufen. Die jüngsten Kursanstiege würden daher nur von kurzer Dauer sein und es sei mit Rückschlägen zu rechnen.

Nasdaq gibt Richtung vor

Auf deutliche Ausschlägen nach oben und unten müssen sich nach Angaben von Analysten die Investoren künftig allemal einstellen. Der Aktienmarkt werde weiter schwankungsanfällig bleiben, hieß es. Grund dafür sei, dass die Stimmung nach wie vor brüchig sei und es erst einige wenige Anzeichen für eine Bodenbildung gebe. Für den deutschen Aktienmarkt der Wachstumswerte zeichne sich zudem eine enge Koppelung an die US-Technologiebörse ab. Die Nasdaq habe eine deutlich höhere Marktkapitalisierung und mehr profitable Firmen. Die Nasdaq stehe daher als Indikator und werde die Richtung für den Neuen Markt vorgeben.

Aus technischer Sicht hat sich die Situation an den Wachstumsbörsen nach Ansicht von Analyst Holger Struck von M.M. Warburg "stark verbessert". Von einer Trendwende kann aber seiner Einschätzung zufolge erst gesprochen werden, wenn sowohl der Nasdaq-Composite-Index wie auch der alle Wachstumswerte am Neuen Markt umfassende Index Nemax die Marke von rund 3000 Punkten überwänden. Dies würde Strucks Ansicht zufolge durch den Bruch des Trends "echte Kaufsignale" auslösen und zu einem Umdenken in der Anlagestrategie mit einem nachfolgenden deutlichen Zufluss an Kapital führen. Von solchen Index-Ständen sind die Börsenbarometer der Wachstumswerte derzeit aber noch bis zu 20 Prozent entfernt. Der technische Analyst rät trotz günstiger Kurse einstiegswilligen Anlegern derzeit noch zur Vorsicht: "Lieber später teurer kaufen, dann aber mit der Sicherheit einer Trendwende".

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