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12.02.2002

08:09 Uhr

Skifunktionäre reagieren mit Standpauke

"Gelbe Karte" für aufmüpfige Martina Ertl

Mit einer kräftigen Standpauke haben die Skifunktionäre auf die barsche Trainer-Kritik der Kombinations-Weltmeisterin Martina Ertl reagiert und die Lenggrieserin in die Schranken gewiesen.

Martina Ertl darf trotz guter Trainingsergebnisse bei der Spezialabfahrt nicht starten. Foto: ap

Martina Ertl darf trotz guter Trainingsergebnisse bei der Spezialabfahrt nicht starten. Foto: ap

dpa SALT LAKE CITY. "Ich habe ihr klar gesagt, was geht und was nicht", sagte Teamchef Walter Vogel nach einer 45- minütigen Krisensitzung am Rosenmontag. Auch Cheftrainer Wolfgang Maier war sehr erbost: "Es gibt gewisse Spielregeln, an die man sich halten muss. Es kann nicht alles nach einer Person gehen."

Die "Grande Dame" des deutschen Skisports ist verärgert, dass sie für die Spezial-Abfahrt trotz guter Trainingsergebnisse nicht berücksichtigt wurde. "Es stinkt mir gewaltig, dass noch nicht einmal darüber gesprochen wurde. Das finde ich absolut unfair, und da bin ich schon ein wenig sauer auf meine Trainer", beschwerte sich der während der ganzen Saison in einem Formtief steckende Star.

"Das Gerede ist Kinderkram. Sie hat vier Rennen vor sich, da sollte sie keine Energie verschwenden", sagte Maier. In der Kombination (Donnerstag), dem Super-G, Slalom und Riesenslalom gibt es über ihren Start keine Diskussionen. "Ich wollte sie nicht verheizen", sagte Maier.

Schon vor ihrem überraschenden Comeback beim letzten Weltcup- Rennen hatte sich Ertl nicht an das vereinbarte Procedere gehalten und drei Tage vor dem Slalom auf ihrer Homepage (www.martina-ertl.de) das Ende ihrer zweiwöchigen Auszeit angekündigt. Maier hätte die Rückkehr gerne länger geheim gehalten, um seinen Schützling vor bohrenden Fragen nach der Form zu bewahren. "Wir haben für sie alles getan. Da kann sie sich jetzt nicht in dieser Weise äußern."

Zu Olympia wurde Techniktrainer Franz Gamper extra zwei Tage früher eingeflogen, damit er mit der 28-Jährigen Sonderschichten für die Kombination einlegen konnte. Trotzdem hätte sie ihren Wunsch nach einem weiteren Olympia-Auftritt im Vorfeld äußern können. Dann wäre eventuell eine Qualifikation arrangiert worden. "Aber so mache ich mich doch unglaubwürdig, gegenüber den Vier die sich für die Abfahrt qualifiziert haben", sagte Maier. Für die Königsdisziplin hatte er sein Quartett um Hilde Gerg schon lange nominiert. Ertls bestes und einziges Abfahrtsresultat in diesem Winter war Platz 29 gewesen.

Die sportliche DSV-Führungsriege ist enttäuscht über den Gang an die Öffentlichkeit via ARD-Hörfunk, doch die "Affäre Ertl" ist offiziell beendet. Für die launische Athletin schlägt nun die Stunde der Wahrheit. "Jetzt soll sie erstmal Rennen fahren und gute Leistungen bringen", forderte der Trainer. Ertl sagte: "Jetzt muss ich schauen, dass ich das schnell abhaken kann, und mich voll auf die Kombination konzentrieren."

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