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01.02.2001

19:00 Uhr

ZAUCHENSEE. Die Investorin Hilde Gerg kann damit leben, dass ihr der große Schlag an den Finanzmärkten noch nicht geglückt ist. "Bislang war nix dabei, wo ich sagen könnte, das war der Knüller schlechthin", erzählt die Slalom-Olympiasiegerin im Handelsblatt-Gespräch. Das wiederum bereitet der 24-Jährigen wahrlich kein Kopfzerbrechen. Lieber bleibt sie ihrer bayerisch-konservativen Strategie treu: "So ist es mir lieber, dann ist wenigstens nicht alles schwuppdiwupp weg."

Auf der Alm - dort, wo man Vor- und Nachnamen konsequent tauscht - wird den meisten ein zurückhaltendes Verhältnis zum Geld eingetrichtert. Das ist bei der Gerg Hilde nicht anders gewesen. Die erfolgreiche Ski-Unternehmerin, die in der Vergangenheit an richtig guten Wochenenden schon mal Gesamt-Prämieneinnahmen zwischen 150 000 und 200 000 Mark (Zahlungen vom eigenen und dem internationalen Verband sowie von den Ausrüstern) erzielte, benutzt beim Thema Geldanlage Begriffe wie "sinnvoll, bodenständig, risikoarm". Internet-Aktien? Muss sie nicht haben. Optionsscheine? Um Gottes Willen.

Sie schätzt den Aktienanteil in ihrem Depot auf rund 25 Prozent, Standardwerte bestimmen weitgehend das Bild. Welche? "Rede ich nicht gern drüber." Ein Beispiel? "Na gut, Pfizer gehört dazu." Die Aktie der amerikanischen Pharmafirma hat sich allerdings vom Viagra-Höhepunkt inzwischen wieder verabschiedet und reiht sich somit in die Riege der soliden Basisinvestments im Gerg-Depot ein.

Als winterliche Fulltime-Sportlerin hat die gebürtige Lenggrieserin allerdings nur bedingt Zeit, sich mit der Situation an den internationalen Börsen zu befassen. Ihrem Banker hat sie daher eine Vollmacht erteilt. "Natürlich sprechen wir das Wichtigste ab. Doch wenn die Kurse kräftig fallen, ich aber gerade in den USA und nicht erreichbar bin, dann kann er so schnell reagieren", erläutert Hilde Gerg. Einen intensiveren Gedankenaustausch zwischen Sportstar und Berater gibt es vor allem im Sommer. Dann wird die Strategie für die folgenden Monate - in der sich die Bayerin nur höchst selten in der Heimat aufhält - abgesprochen.

Einen Teil ihres Vermögens hat sie in eine Immobilie in Lenggries gesteckt, "das Haus ist aber vermietet". Dies garantiert feste Einnahmen, die sie ansonsten nur von der Bundeswehr erhält. Dort wird sie noch bis März 2001 als Stabsunteroffizier geführt. Ihre monetäre Hauptquelle, der Skiberuf, beschert dagegen vornehmlich zwischen Oktober und April Überweisungen. Dazu gehören auch Werbeverträge mit den Ausrüstern für Ski, Schuh und Bindung sowie dem Kopfsponsor.

"Ich will mir zunächst einmal ein finanzielles Polster verschaffen", sagt Gerg und kann sich weiterhin gut vorstellen, nach der Karriere ("Ein Laufbahnende nach Olympia 2002 schließe ich nicht aus.") als Hausfrau und Mutter ohne beruflichen Stress auszukommen. "Das Geld, das wir mit dem Skilaufen einheimsen können, ist sicher kein total hart verdientes. Aber um erfolgreich zu sein, muss man schon eine Menge investieren in unseren Job."

Insbesondere auch Zeit. Und daher ist die zuletzt durch eine Verletzung aus der Bahn geworfene Gerg froh, vor zweieinhalb Jahren über einen Bekannten an ihren jetzigen Anlageberater geraten zu sein - trotz des noch ausstehenden Investment-Knüllers. Sie selbst interessiere sich zwar durchaus für finanzielle Fragen. Doch wenn sie am Abend in irgendeinem Hotelzimmer in den Alpen den Fernseher anknipst, schaut sie den Nachrichten- und Börsensender n-tv nur selten. "Ab und zu gucke ich mal rein. Aber immer und überall muss ich dass nicht haben."

Was würden Sie - außer Skifahrerin - gerne sein? Diese Frage richtete vor einigen Jahren der Deutsche Skiverband an seine Kadermitglieder, um die Antworten in einer Saisonvorschau zu präsentieren. Während Gergs Teamkollegin Martina Ertl an dieser Stelle des Fragebogens die Auskunft verweigerte und die inzwischen zurückgetretene Katja Seizinger mit "Reiterin" antwortete, schrieb Gerg schlicht: "Bankkauffrau". "Ich habe mich immer gern mit Geld und Zahlen beschäftigt", erzählt die Ski-Allrounderin, die im Laufe ihrer Karriere in allen alpinen Disziplinen beachtliche Erfolge feierte.

Zuletzt jedoch lief nicht alles nach Wunsch. Vor allem im Slalom, und dies nicht nur wegen der Verletzung. Gerg gibt zu, dass im technischen Bereich Fehler gemacht wurden. "Ich war immer davon überzeugt, dass es mit meinen alten Skiern besser geht. Für mich waren die kurzen Carving-Ski so etwas wie Touristen-Ski." Mittlerweile steht fest, dass die Konkurrenz in diesem Punkt fortschrittlicher und mutiger agiert hat, während die Deutschen erst noch die endgültige Umstellung vollziehen müssen. "Man gibt halt nicht so gern her, was man ins Herz geschlossen hat. Dass war bei uns wohl so ähnlich wie seinerzeit bei unseren Skispringern, als die sich auf den neuen V-Stil umstellen mussten."

Die eher konservative Haltung bei der Geldanlage scheint auch im sportlichen Bereich eine Fortsetzung zu finden. Risikominderung (sofern man bei Abfahrerinnen und ihren extremen Geschwindigkeiten davon sprechen kann) erhält den Vorzug gegenüber gewagten Aktionen. Das wiederum schließt eine gewisse Anpassung an die Moderne nicht aus. Nach dem Olympiasieg verordnete die im Skibereich erfolgreiche Vermarktungsagentur WWP der Klientin Gerg eine Fotosession unter Tage und in weißen Textilien. Die Positionierung als schwarz-weiße Lady gelang nicht, das Interesse potenzieller Werbekunden blieb aus. "Einen Modelvertrag habe ich auch nicht bekommen", sagt Gerg, nimmt den Misserfolg aber mit der ihr eigenen Gelassenheit hin.

An eine neue Karriere abseits der Pisten hatte sie ohnehin nicht ernsthaft geglaubt. Auch ist die Gerg Hilde nie davon ausgegangen, Reichtümer an der Börse zu verdienen. Schon gar nicht schwuppdiwupp.

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