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31.01.2007

12:25 Uhr

So seh ich es

Die Entmutigung der Selbstständigen

VonLothar Späth

Bei allen Diskussionen über gerechte Löhne und Einkommen, gerechte Lastenverteilung sowie über gerechte Steuer- und Abgabensätze geht regelmäßig die wichtigste aller volkswirtschaftlichen Weisheiten unter: Unternehmertum ist die Keimzelle, aus der eine Gesellschaft Kraft und Wohlstand schöpft.

Unternehmertum meint dabei nicht so sehr die wenigen Konzerne. Wenn ich von Unternehmertum spreche, meine ich vor allem auch die vielen kleineren, vom Eigentümer geführten Firmen. Diese Unternehmer sind bereit, Risiken, viel Engagement und lange Arbeitszeiten in Kauf zu nehmen. Eine Volkswirtschaft kann nur dann blühen, wenn sie ausreichend Bürger mit diesen Qualitäten beherbergt. Wer sich für die Selbstständigkeit entscheidet, hat daher Anerkennung und Unterstützung verdient.

In Deutschland ist nicht einmal jeder neunte Erwerbstätige selbstständig. Damit liegt der Anteil zwar höher als in Frankreich (9,8 Prozent), aber deutlich niedriger als etwa in der Schweiz (14 Prozent). Der Grund für die Unterschiede zwischen den benachbarten Ländern liegt vor allem in der Politik. Diese hat zwar keinen direkten Einfluss auf die Entscheidung des Einzelnen, sich selbstständig zu machen. Sie kann aber den Nährboden bereiten, auf dem eine Selbstständigenkultur wachsen kann.

Bei unserem vorbildlichen Nachbarn Schweiz versteht sich der Staat als Dienstleister. Er will es seinen Bürgern in partnerschaftlicher Zusammenarbeit möglichst leicht machen, sich als Selbstständige niederzulassen. In Deutschland dagegen versucht der Staat, den Weg in die Selbstständigkeit regelrecht zu blockieren.

Gefordert ist also nicht irgendeine Subventionierung von Unternehmen. Das sind nur die Phantasien derjenigen, denen bei Politikgestaltung stets nur die verteilungspolitische Dimension einfällt.

Nein, hier geht es vielmehr darum, dem Einzelnen so viel Handlungs- und Entscheidungsfreiheit wie möglich zu belassen. Es gilt, der Eigendynamik der Administration Grenzen zu setzen, damit das Gebilde Staat für dessen Bürger nicht zur Belastung wird.

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