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03.01.2003

17:09 Uhr

Soforthilfe bereitgestellt

Ölklumpen vor Frankreichs Küste

Die Ölpest vor Frankreich wird immer bedrohlicher. Ein Teppich aus Mill. kleiner Ölklumpen näherte sich am Freitag der französischen Atlantikküste. Er hat nach Angaben der Präfektur von Aquitaine noch größere Ausmaße als zunächst vermutet und ist nur noch etwa 100 Kilometer von der Küste entfernt.

HB/dpa BORDEAUX/LA CORUNA. An den Stränden zwischen Biarritz und Bordeaux wurden die Aufräumarbeiten zur Beseitigung des Schweröls aus dem vor Spanien gesunkenen Tanker "Prestige" unterdessen verstärkt. Es war bereits am Neujahrstag angespült worden.

Die französische Regierung will 50 Mill. ? Soforthilfe für die ersten Schäden durch die Ölpest bereitstellen. Das hat Premierminister Jean-Pierre Raffarin bei einem Besuch in Lège-Cap- Ferret an der Küste nahe Arcachon angekündigt. Frankreichs Präsident Jacques Chirac und die Regierung bekräftigten ihre Entschlossenheit, gegen unlautere Geschäftspraktiken auf See vorzugehen. Chirac prangerte die "zwielichtigen Geschäftsleute und Gauner des Meeres" an, die die derzeit unklaren Bestimmungen ausnutzten. Die Regierung kündigte eine offizielle Untersuchung durch die Staatsanwaltschaft von Brest gegen Betreiber und Mannschaft der "Prestige" an. Der 67- jährige griechische Kapitän sitzt in Spanien in Haft.

"Die kleinen Ölklumpen sind schon überall am Strand", beklagte ein Sprecher der Region zwischen Arcachon und Biarritz. Aus den wertvollen Austernzuchtgebieten von Arcachon seien die ersten Ölfladen gefischt worden. Die Austernzüchter befürchten große Einbußen. Es gebe erste Abbestellungen, hieß es.

Auch unter den Hoteliers der Region wächst die Besorgnis: Umweltministerin Bachelot hatte darauf hingewiesen, dass eine größere Masse aus Ölklumpen am Wochenende bis zur Mündung der Gironde im Herzen der berühmten Weinbauregion Bordeaux vordringen könnte.

Das "American Bureau of Shipping" (ABS), das die "Prestige" zuletzt im Mai 2002 kontrolliert hatte, erhob derweil schwere Vorwürfe gegen die spanischen Behörden. Der Tanker sei nur auseinander gebrochen und gesunken, weil er auf das offene Meer geschleppt statt in einen Hafen gebracht worden war, sagte ein Sprecher der Klassifikationsgesellschaft dem Madrider Hörfunksender SER. In einem Hafen oder einer geschützten Bucht hätte das Schweröl abgepumpt werden können. Die Regierung wies die Vorwürfe zurück.

Das seit der Havarie der "Prestige" am 13. November an der spanischen Atlantikküste geltende Fischfangverbot könnte in fünf Monaten aufgehoben werden. Voraussetzung sei aber, dass in dieser Zeit nicht erneut größere Mengen Öl aus dem gesunkenen Tanker an die Küste gelangen, sagte Agrarminister Miguel Arias Cañete.

Ministerpräsident José María Aznar versprach weitere 90 Mill. ?, um die Wirtschaft in Galicien wieder anzukurbeln. Damit hat die spanische Regierung seit der Katastrophe bereits fast eine halbe Milliarde Euro an Hilfen zugesagt. Experten gehen allerdings davon aus, dass die langfristigen Schäden sich auf bis zu zehn Mrd. ? belaufen könnten.

Ein Sturm behinderte am Freitag erneut die Säuberungsarbeiten der rund 6000 an den Stränden eingesetzten Helfer. Auch die Spezialschiffe, darunter die deutsche "Neuwerk", mussten abermals im Hafen bleiben, teilte die Einsatzleitung in La Coruña mit. Für das Wochenende kündigten die Meteorologen besseres Wetter an.

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