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20.01.2003

21:41 Uhr

Software erkennt Personen

Gesichtserkennungstechnik schützt Automaten-Spielbank in Hamburg

VonLUTZ BEUKERT (HANS SCHÜRMANN)

Die Gesichtserkennung per Computer ermöglicht es, Gebäude zu überwachen und Grenzen zu sichern. Die Spielbank Hamburg will sich mit dieser Technik künftig gegen unliebsame Besucher schützen.

HAMBURG. Die Eröffnung der neuen Automaten-Spielbank im Hamburger Einkaufszentrum Mundsburg übermorgen bedeutet für die Spielbank Hamburg eine Premiere in doppelter Sicht. Zum einen startet die Dependance erstmals in einem belebten Einkaufszentrum neben Shopping und Multiplexkino. Zum anderen nutzt die Spielbank Hamburg als erstes deutsches Glücksspiel-Unternehmen die Gesichtskontrolle per Computer, um unliebsame Gäste bereits am Eingang abweisen zu können.

Spielcasinos müssen ihre Gäste kontrollieren. Zum einen haben Spielsüchtige ihre Daten bei den Spielbanken hinterlegt, um sich selbst sperren zu lassen. Zum anderen wollen sich die Spielbanken gegen Missbrauch und Manipulationen von seiten der Besucher schützen. Die traditionelle Videoüberwachung der Räume ist daher üblich und durch einen entsprechenden Hinweis in den Spielstätten auch juristisch abgesichert. "Da lag es nahe, die Videotechnik mit einem Erkennungsverfahren zu koppeln, mit dem unerwünschte Personen schnell und sicher entdeckt werden", sagt Otto Wulferding, Geschäftsführer der Spielbank Hamburg.

Bisher war die Spielbank auf die Beobachtungsgabe ihrer Mitarbeiter angewiesen. Das wird nun von dem Überwachungssystem erledigt. Die Software auf dem Computer vergleicht die Bilder aus der Videokamera mit den Fotos in der Datenbank. Werden gesperrte Personen entdeckt, informiert das System diskret das Aufsichtspersonal.

Die Hamburger verwenden eine Technik, die von der Bochumer Firma C Computer-Vis Vision und Automation GmbH entwickelt wurde. Bei der Erkennung konzentriert sich das Programm auf Kernbereiche des Gesichts, erläutert Thomas Zielke, Geschäftsführer von C-Vis. Dabei werden einzelne typische Merkmale analysiert und verglichen. "Veränderungen der Frisur oder ein neuer Vollbart irritieren die Erkennung nicht", sagt der Geschäftsführer. Veränderte Brillen und dicke Schnauzbärte dagegen könnten die Erkennung gesperrter Personen erschweren. Zielke: "Hier muss der Betreiber entscheiden, wie sensibel er das Gerät einstellen und wie viele mögliche Fehlalarme er riskieren will."

Die Zuverlässigkeit der Gesichtserkennung ist zwar immer besser geworden, doch gibt es auch noch Grenzen. "Zutrittskontrollsysteme in Kombination mit Gesichtserkennung sind am sichersten", sagt Jürgen Pampus, Sprecher der Cognitec Systems GmbH in Dresden. Solche Systeme werden immer häufiger eingesetzt, um Sicherheitsbereiche in Firmen oder in Gebäuden vor unbefugtem Zutritt zu schützen. Der Softwareentwickler zählt neben C-Vis und der Bochumer ZN Vision in Deutschland zu den führenden Entwicklern von diesen biometrischen Verfahren. Die Kombination von Gesichtskontrolle und elektronischem Ausweis biete eine Sicherheit von über 99 %, sagt Pampus.

Bei der Videoüberwachung dagegen hänge die Erkennungsleistung vor allem von den Lichtverhältnissen und der Position der Kamera ab. Entscheidend sei auch die Qualität der eingescannten Fotos. "Vor allem bei der Pass- und Grenzkontrolle zeigt sich, dass die Erkennungsrate mit der Güte des Passbildes steigt", sagt der Cognitec-Experte. Daher gebe es Bemühungen, einen internationalen Standard für die Qualität von Passfotos zu definieren. Die Software des Unternehmens wird zurzeit in einem Pilotprojekt der australischen Zollbehörde getestet. Mit Hilfe des Erkennungssystems soll die Grenzkontrolle am Flughafen in Sydney künftig automatisch erfolgen.

Bis auch deutsche Behörden bei der Passkontrolle von Systemen für die Gesichtserkennung entlastet werden, wird es noch einige Zeit dauern. Zurzeit untersucht das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik in Bonn im Auftrag des Bundesinnenministers, welche Systeme dafür in Frage kämen.

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