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04.06.2000

14:12 Uhr

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Sommer: France Télécom zahlte zu viel für Orange

Die Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz fordert eine Abstimmung über den Verkauf der Mannesmann-Tochter Orange.

dpa-afx/adx LONDON. France Télécom hat nach Ansicht des Chefs der Deutschen Telekom, Ron Sommer, viel zu viel für die ehemalige britische Mannesmann-Tochter Orange bezahlt. Das französische Unternehmen habe "den Panikknopf gedrückt", sagte Sommer nach einem Bericht des "Daily Telegraph" während eines Besuchs in London. Er verglich demnach die 31 Mrd. Pfund, die France Télécom für Orange zahlt, mit den 8,4 Mrd. Pfund, die die Deutsche Telekom für One2One ausgegeben hatte, die Nummer 4 auf dem britischen Mobilfunkmarkt.

"Orange ist ein gutes Unternehmen", gab Sommer zu. Es sei aber höchstens zehn Prozent mehr wert als One2One. Er kritisierte auch, dass Vodafone für Orange eine zehnprozentige Beteiligung an France Télécom bekommt. "Es ist seltsam, wenn man zehn Prozent seiner eigenen Anteile an einen Konkurrenten vergibt", wurde Sommer in dem Blatt zitiert.

Aktionärsvertreter fordern von Mannesmann Abstimmung über Orange= Vor der Hauptversammlung der Mannesmann AG am Montag in Düsseldorf forderte die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz eine Aktionärsabstimmung über den Verkauf der britischen Mannesmann-Tochter Orange. "Der Orange-Verkauf an France Telecom kann nur unter Vorbehalt der Mannesmann-Aktionäre erfolgen. Ansonsten wird ein klarer Gesetzesverstoß begangen", sagte der Geschäftsführer der, Jörg Pluta am Wochenende. Vodafone versuche die Mannesmann AG ohne Rücksicht auf die noch verbliebenen Kleinaktionäre "auszuschlachten". Das widerspreche dem Minderheitenschutz im deutschen Aktienrecht.

Auf der Hauptversammlung will die Schutzgemeinschaft außerdem die Abfindung an den abtretenden Vorstandschef Klaus Esser hinterfragen. Möglicherweise sei die Prämie von bis zu 60 Mill. DM schon mitten in der Übernahmeschlacht mit Vodafone als "goldener Fallschirm" ausgelobt worden. Der Widerstand Essers gegen die britischen Gruppe habe den Wert der Mannesmann-Aktie allerdings um 180 Mrd. Euro nach oben getrieben. "Die Aktionäre haben davon eindeutig profitiert", so Pluta.

Vodafone hat nach einer langen Übernahmeschlacht rund 99 Prozent des Aktienkapitals am Düsseldorfer Konzern errungen. Ein Prozent an Mannesmann gehören nach Konzernangaben noch rund 10 000 Aktionären.

Zur Übernahme durch den dem britisch-amerikanischen Mobilfunk-Giganten Vodafone Airtouch werden auf der Hauptversammlung weitere kritische Fragen erwartet. Vorstandschef Esser übergibt die Führung des Unternehmens an Vodafone-Direktor Julian Horn-Smith.

Auch die Reduktion auf die Telekommunikationsbereiche wird ein Thema der Hauptversammlung sein. Zuletzt war die britische Mannesmann-Mobilfunktochter Orange von Vodafone an die France Telecom verkauft worden. Außerdem will der weltgrößte Mobilfunkkonzern, dessen Chef Chris Gent seit April auch Aufsichtsratsvorsitzender von Mannesmann ist, die Festnetztelefon-Töchter Mannesmann Arcor und Infostrada noch im Herbst an die Börse bringen. Zuvor hatte Vodafone die Industrie-Tochter Atecs an Siemens/Bosch und die Mannesmannröhren-Werke AG an die Salzgitter AG verkauft. Auch das Luxusuhrengeschäft als letzte Sparte außerhalb der Telekommunikation soll verkauft werden. Im September 1999 hatte der Konzern rund 130 000 Mitarbeiter.

Nach im April bestätigten Zahlen erzielte die Mannesmann AG im Geschäftsjahr 1999 ein Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit von 1,5 Mrd. Euro (+12 %). Der Jahresüberschuss nach Goodwill-Amortisation belief sich auf 497 Mill. Euro nach 630 Mill. Euro ein Jahr zuvor. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen wuchs um 37 % auf 4,3 Mrd. DM. Ausschlaggebend dafür sei wiederum die Entwicklung im Bereich Telecommunikation gewesen. Die Aktionäre sollen für 1999 wieder eine Dividende von 0,61 Euro je Aktie erhalten.

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