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05.04.2006

17:00 Uhr

Sony-Ericsson M600i

Warten aufs HandyPod

VonPaolo Tumminelli (Design-Professor an der Fachhochschule Köln)

Mit dem M600i versucht Sony-Ericsson eine weitere Nische im Handy-markt zu definieren – und kommt dabei dem iPod sehr nahe.

Sony-Ericsson M600i

Sony-Ericsson M600i

Wenn es darum geht, die Malaise des gegenwärtigen globalen Designs zu definieren, zeigt der ehrenwerte Designmogul Kenji Ekuan einen einfachen Chart. Darin abgebildet sind alle Handys, die der japanische Markt zu bieten hat. Die Frage stellt sich dann von alleine: Wo bleibt das designstrategische oder gar das bloße Denken? Alles zusammen so viel, so bunt und doch so ähnlich, dass man gleich wegschauen will und kein Kommentar mehr nötig ist.

Nun bringt aber Sony-Ericsson ein weiteres Handy auf den Markt, das in sich eine erfrischend neue Erscheinung ist. Eine Kreuzung aus PDA und Handy – etwas kompakter und mit übergroßem Display.

Vor allem als „Kommunikator“ macht sich das Kleine groß und nützlich: Dual-Funktions-Tastatur und Touch-Screen mit Handschriftenerkennung erleichtern das Umgehen mit E-Mail und SMS. Als vollwertiges 3G-Gerät kann der M600i in der Tat viel mehr als das, was man sich wünscht. Nur fotografieren kann er nicht. Allein diese Entscheidung ist mutig: Möglicherweise auf Grund des Drucks der Netzwerkprovider, bietet heute kaum ein Hersteller mehr kameralose Handys im Hochpreissegment. Ein mutiger Verzicht, der an Apple erinnert, dessen teurer iPod auch einiges weniger als die günstigere Konkurrenz kann und trotzdem erfolgreich ist. Die Gemeinsamkeiten enden hier aber nicht: Es gibt zwischen M600i und iPod eine unverkennbare Verwandtschaft. In der Farbe „Crystal White“ mit der schmucken silbernen Kante befindet es sich an der Grenze der designkonzeptionellen Identität. Ähnliche Form, ähnliche Maße, ähnliches Gewicht.

Freilich kann man die Tastatur nicht mit dem Jog-Dial vergleichen und gewiss sind einige Radien und Materialien nicht identisch, aber der Eindruck bleibt. Wollte SonyEricsson ein HandyPod machen und eine Marktlücke schließen, bevor Steve Jobs es tut? Wenn es überhaupt einen Hersteller gibt, dessen Attraktivität bei designaffinen und stilsicheren Zielgruppen mit der des Mythos Apple vergleichbar ist, dann wohl Sony und dessen Tochter Sony-Ericsson (wie lange will man übrigens den unvorteilhaften Doppelnamen weiter verwenden?).

Die Marken würden sich wunderbar ergänzen. Bis dahin versucht man, sich elegant abzugrenzen. Im Fall M600i ist dies nicht unbedingt gelungen. Zwar ist das Gerät auf moderne Weise minimal und stylish. Aber im Detail schafft es weder, sich als iPod-Bruder eindeutig zu positionieren – ihm fehlt die dogmatische Abstraktion –, noch gelingt es, eine wirklich eigene Charakteristika hervorzuheben (ihm fehlen sonstige prägende Merkmale).

Während viele Konsumenten immer noch ein HandyPod vermissen, – also ein Gerät, das dieselbe ästhetische und haptische Qualität des iPod besitzt – muss sich Sony-Ericcson damit zufrieden geben, dass das M600i im Regal der Semesterneuigkeiten landet, freilich als Klassenbester. Mit wenig Trost für Ekuan-San, der dafür nun einen freien Platz in seinem ewigen Chart finden muss.

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