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25.07.2000

17:53 Uhr

Sorge über Missbrauchsmöglichkeiten

FBI-Computersystem "Carnivore" in der Kritik

Republikaner und Demokraten äußern in Anhörung des Rechtsunterausschusses für Verfassungsfragen Bedenken gegenüber dem FBI-Computersystem Carnivore.

vwd WASHINGTON. Die Pläne der US-Regierung, den Datenverkehr im Internet mit nachrichtendienstlichen Mitteln wie dem FBI-Computersystem "Carnivore" zu überwachen, riefen bei einer ersten Anhörung im Rechtsunterausschuss für Verfassungsfragen des US-Repräsentantenhauses am Montag sowohl bei Republikanern als auch bei Demokraten Widerspruch hervor. Wie die Online-Ausgabe der "Washington Post" vom Dienstag berichtet, seien einige Abgeordnete über die Mißbrauchsmöglichkeiten der neuen Technologien durch die Strafverfolgungsbehörden fast ebenso besorgt gewesen wie über die zunehmende kriminelle Nutzung des Internets.

"Das Potenzial für einen Mißbrauch ist enorm", sagte der republikanische Abgeordnete Spencer Bachus aus Alabama. "Was Sie sagen ist 'Vertrauen Sie uns'", kritisierte er die FBI -Vertreter, die ein düsteres Bild von den Möglichkeiten gezeichnet hatten, die das Internet Straftätern bietet. "Carnivore" kann Millionen E-Mails pro Sekunde auf die E-Mail-Botschaften bestimmter Absender oder Adressaten hin durchsuchen. Es entspreche "einem Lauschangriff, der Zugang zum Inhalt der Telefongespräche sämtlicher Kunden einer Telefongesellschaft verschafft", erläuterte Barry Steinhardt, Associate Director der American Civil Liberties Union (ACLU) im Rahmen der Anhörung.

Vertreter von Internet Providern sprachen sich dem Bericht zufolge gegen den Einsatz fremder Technologie innerhalb ihrer Netzwerke aus. Sie verlangten vom FBI, nähere Informationen zur Software von "Carnivore" zu veröffentlichen, um sicher sein zu können, dass das System nur das macht, was das FBI darüber sagt. Die Vertreter der Strafverfolgungsbehörden schlugen dagegen vor, das System durch eine neutrale dritte Instanz prüfen zu lassen, um zu vermeiden, dass "Carnivore" zum Ziel von Hackern werde oder Umgehungsstrategien entwickelt werden könnten.

Nach der Anhörung veröffentlichte der republikanische Mehrheitsführer Richard K. Armey eine Stellungnahme, in der er "starke Bedenken, dass die Regierung den grundlegenden verfassungsmäßigen Schutz der amerikanischen Bürger vor ungerechtferigter Durchsuchung und Beschlagnahme verletzt" äußerte. "Bis diese Bedenken ausgeräumt sind, sollte Carnivore abgeschaltet werden", forderte Armey.

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