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27.01.2003

12:49 Uhr

Sorge um Irak-Krieg - Chinaboom

Japans Handelsüberschuss gestiegen

Ungeachtet der Wirtschaftsflaute hat Japan im vergangenen Jahr seinen Überschuss in der Handelsbilanz dank kräftiger Exportsteigerungen deutlich aufgestockt. Wie das Finanzministerium am Montag bekannt gab, schwoll der Überschuss im Vergleich zum Vorjahr um 51,3 % auf 9,9 Billionen Yen (79 Mrd. Euro) an.

HB/dpa TOKIO. Das war der erste Anstieg seit vier Jahren und zugleich der kräftigste seit 1984. Die Exporte zogen angesichts hoher Nachfrage im benachbarten Asien um 6,4 % auf den Rekord von 52,1 Billionen Yen an. Die Einfuhren sanken um 0,6 % auf 42,2 Billionen Yen.

Der Exportboom half der zweitgrößten Wirtschaftsnation der Welt trotz des weiterhin geringen Inlandskonsums aus der Rezession. Andererseits gibt es angesichts Japans hoher Abhängigkeit von seinen Ausfuhren Zweifel über die Beständigkeit der Erholung des Landes. Die Möglichkeit eines Irak-Krieges hat den Außenwert des $ zum Yen deutlich abgeschwächt, was schlecht für Japans Exporte ist. Der japanische Regierungschef Junichiro Koizumi warnte am Montag, ein Angriff der USA auf Irak werde Japans Wirtschaft schwer belasten.

Im Monat Dezember stieg Japans Handelsüberschuss um 19,9 % auf insgesamt 791 Mrd. Yen. Die Exporte zogen um 15,1 % auf 4,5 Billionen und die Importe um 14,1 % auf 3,7 Billionen Yen an. Die angesichts der Kriegssorgen gestiegenen Ölpreise treiben die Importkosten für Japan nach oben. Das rohstoffarme asiatische Land hängt stark von den Öleinfuhren aus dem Mittleren Osten ab. Im Handel mit den 15 Staaten der Europäischen Union sank Japans Handelsüberschuss im vergangenen Jahr um 9,3 % auf rund 2,2 Billionen Yen und damit im nunmehr vierten Jahr in Folge, hieß es.

Massiv zugenommen hat Japans Handel mit China. Zum ersten Mal überhaupt importierte Japan mehr aus China als aus den USA. Während sich die Einfuhren aus den USA auf 7,2 Billionen Yen beliefen, erhöhten sich die Importe aus China um 9,9 % auf 7,7 Billionen Yen. Japans Exporte ins Reich der Mitte nahmen um 32,3 % auf den Rekord von rund 5 Billionen Yen zu. Im Ergebnis schrumpfte Nippons Handelsdefizit mit China um 15,9 % auf 2,7 Billionen Yen. Die jüngsten Daten machen nach Aussagen von Experten die zunehmende wirtschaftliche Verflechtung der beiden Nationen deutlich.

Auch das Engagement japanischer Unternehmen in China boomt. Waren es in der Vergangenheit vor allem Firmen aus arbeitsintensiven Branchen, die vor allem die niedrigen Kosten ausnutzen wollten, sind heute auch viele Firmen anderer Bereiche wie der Automobilindustrie und der Unterhaltungselektronik vertreten. Neben dem Kostenaspekt ist ein weiteres Ziel, die Absatzchancen in China zu nutzen. Doch die Abwanderung der Firmen bereitet in Japan auch Sorgen. So wird befürchtet, dass sich durch die "Aushöhlung der Industrie" die Probleme auf dem heimischen Arbeitsmarkt verschärfen. Zudem wird China durch den andauernden Technologietransfer als potenzieller Konkurrent gesehen.

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