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01.02.2002

07:10 Uhr

Sorge vor "Japan-Verkauf"

Schwere Verluste an Tokios Börse

Der Aktienmarkt in Tokio hat am Freitag schwach geschlossen, was Händler unter anderem auf wachsende politische Risiken in Japan zurückführten.

dpa TOKIO. Die Aktienbörse in Tokio hat am Freitag schwere Verluste erlitten. Der breit angelegte Topix stürzte auf ein neues 17-Jahres-Tief. Sorgen über die Verschleppung der Strukturreformen durch Tokios Regierung sowie miese Bilanzen von Elektronikunternehmen schürten die Angst am Markt vor einem "Japan-Verkauf" durch ausländische Investoren. Der Yen und der Bondmarkt gaben ebenfalls deutlich nach. Der Topix sackte um 15,51 Punkte oder 1,60 Prozent auf 956,26 Punkte, der tiefste Schlussstand seit dem 24. April 1985.

Der Nikkei-Index für 225 führende Aktienwerte verlor 206,37 Punkte oder 2,06 Prozent und ging mit 9 791,43 Punkten ins Wochenende. Nach anfänglichen Rückkäufen in Folge positiver Vorgaben aus New York stürzten Tokios Aktien ab und drückten den Nikkei zeitweise um mehr als 250 Punkte in den Keller. Unter Investoren wird eine Verzögerung der geplanten Strukturreformen von Ministerpräsident Junichiro Koizumi befürchtet, nachdem dessen Popularität wegen der Entlassung seiner beliebten Außenministerin Makiko Tanaka stark gesunken ist.

Die hohe öffentliche Zustimmung sei Koizumis einzige Waffe gewesen, um sich gegen die alte Garde von Reformgegnern in seiner Liberaldemokratischen Partei LDP zu behaupten, sagte ein Analyst. Der rasante Verfall des Yen und der Rückgang bei Regierungsanleihen trug zur schlechten Stimmung bei. Am Freitag sackte der Yen gegenüber dem US-Dollar erstmals seit 40 Monaten auf das Niveau von 135 Yen ab.

"Die Yen-Schwäche scheint nicht zu einem Kursanstieg bei exportlastigen Titeln zu führen", sagte Yuji Ono von Nikko Cordial Securities der japanischen Agentur Kyodo. Auch die andauernde Besorgnis über die Lage der unter massiven Problemkrediten ächzenden japanischen Banken belastete einmal mehr die Stimmung am Aktienmarkt.

Viele Teilnehmer machen sich nun zunehmend Sorgen über eine Flucht ausländischer Investoren aus dem japanischen Markt und sprechen vom Phänomen "Japan-Verkauf". Nur einige Autotitel wie Toyota profitierten am Freitag von der Yen-Schwäche. Die Papiere des Umsatzführers NEC verloren dagegen 114 auf 936 Yen, nachdem der japanische Elektronikriese zuvor einen deutlich höheren Gruppenverlust für das laufende Geschäftsjahr bekannt gegeben hatte.

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