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07.06.2000

10:42 Uhr

Sozialarbeiter bräuchten mehr Unterstützung

Nur der DFB zahlt für die Fans: Keine Unterstützung vom Bund

Die deutschen Fan-Betreuer für die Fußball-Europameisterschaft in Belgien und den Niederlanden (10. Juni bis 2.Juli) haben sehr viel guten Willen, aber wenig Geld. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) unterstützt die Arbeit mit den Anhängern während der EM mit 75 000 Mark.

dpa DÜSSELDORF. Das ist zwar mehr als die 40 000 Mark, die der DFB für die Weltmeisterschaft 1998 in Frankreich zahlte. Doch bei diesem Großereignis gibt es keine Sponsoren für die Fan-Projekte wie vor zwei Jahren.

Damals hatten die Sozialarbeiter ein Budget von etwa 130 000 Mark. "Die Sponsorensuche ging weit über unsere personellen Möglichkeiten hinaus, das konnten wir uns nicht noch ein weiteres Mal leisten", erklärte Michael Gabriel von der Koordinierungsstelle der Fan-Projekte (KOS).

Von öffentlichen Stellen erhalten die Sozialarbeiter keine Unterstützung. "Bundesinnenministerium, Außenministerium und das Jugendministerium haben unsere Anfragen abgelehnt", sagte Gabriel. So gibt es keine zentrale Anlaufstelle, aber weil die meisten Fans am Spieltag an- und abreisen, ist die fehlende Zentralstelle nicht so wichtig. Die Beratung erfolgt weitgehend am Telefon und über das Internet. Auf der Homepage können sich die anreisenden Fans die ersten Informationen holen. Das Team vor Ort arbeitet in den so genannten Fan-Botschaften an den Spielorten. "Dass es überhaupt Fan- Botschaften gibt, ist nur der Überzeugungsarbeit der englischen und deutschen Fan-Organisationen zu verdanken", sagte Gabriel. Je nach Brisanz der Partie werden die acht Sozialarbeiter, die ständig vor Ort sind, von maximal sieben weiteren Mitarbeitern unterstützt. Die Höchstzahl reist bei der Partie Deutschland gegen England an.

Von Seiten der EM-Organisatoren wurden die Fans erst sehr spät in die Vorbereitungen integriert. Noch bei der EM 1996 in England war die britische Organisation der Fußball-Anhänger (FSA) zwei Jahre lang in die Planung einbezogen. Die FSA hatte internationale Zeltlager und Fußball-Turniere sowie Ausstellungen und Konzerte organisiert. In Belgien werden die Bedingungen für die Sozialpädagogen um einiges schwieriger sein. "Es herrscht große Skepsis, ob es sinnvoll ist, dort zu arbeiten. Oder ob nicht die Gefahr besteht, als Alibi missbraucht zu werden, wenn etwas schief läuft", beschreibt Gabriel die Stimmung einiger Betreuer. Denn die Arbeit der Veranstalter wird von Restriktionen gegen die Besucher aus dem Ausland dominiert, eine Förderung des Miteinanders ist nicht vorgesehen.

Internationale Begegnungen wie bei früheren Großereignissen sind kaum möglich, im Rahmen des Spiels Deutschlands gegen England planen die Fan-Organisationen der beiden Länder ein Fußball-Spiel zwischen den Anhängern. "Wir machen das einen Tag vor dem Gruppenspiel, und hoffen, das wir positive Schlagzeilen bekommen", kündigt der KOS-Vertreter an. Die Veranstalter planen bis auf wenige Ausnahmen keine Begegnungsprogramme. Lediglich in Rotterdam gibt es an den Spieltagen Veranstaltungen für die Anhänger. Ansonsten werden die Fans auf die Homepages der Städte im Internet verwiesen.

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