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20.03.2003

04:40 Uhr

Spanien

Analyse: Hehre Worte ohne Taten

VonSilke Kersting

Spanien, Befürworter eines Militärschlags gegen das Regime in Bagdad, beteiligt sich nicht aktiv an einem Irak-Krieg, sondern beschränkt sich auf logistische und humanitäre Hilfe in der Golfregion

Die Karten liegen auf dem Tisch. Spanien, einer der engsten Verbündeten von US-Präsident Georg W. Bush und Befürworter eines Militärschlags gegen das Regime in Bagdad, beteiligt sich nicht aktiv an einem Irak-Krieg, sondern beschränkt sich auf logistische und humanitäre Hilfe in der Golfregion.

Die Entscheidung, innenpolitisch geschickt, ist eine logische Konsequenz der beschränkten militärischen Kapazitäten in Spanien. Zudem können die Vereinigten Staaten und Großbritannien angesichts ihrer eigenen Übermacht leicht auf spanische Truppen verzichten.

Doch Madrid drückt sich vor seiner Verantwortung. Früh hat sich die konservative Regierung von José María Aznar darauf festgelegt, die US-Haltung zu unterstützen, nahezu bedingungslos. Von diesem Kurs wich der Spanier nie ab - trotz massiver Kritik der Opposition und zweifelnder Parteifreunde. Nicht nur in Spanien fragen sich viele, was Aznar antreibt. Ist es Machtstreben, eine Fixierung auf das Thema Terrorismus auf Grund des Eta-Terrors im eigenen Land? Wohl beides, hinzu kommt seine Stand- und Prinzipienfestigkeit. Auch die Millionen Spanier, die auf die Straßen gingen, schreckten den 50-Jährigen nicht.

Auf der Iberischen Halbinsel ist ein neues Selbstbewusstsein erwacht: Spanien dürfe nicht in der Ecke der Länder stehen, "die nichts tun", sagte Aznar kürzlich. Und Chefdiplomatin Ana Palacio versicherte, dass Spanien "heute ohne Zweifel in der ersten Liga der internationalen Beziehungen spielt". Diese Vollmundigkeit ließ vermuten, dass Madrid auch bereit ist, eine größere Rolle im Kriegsgeschehen zu übernehmen. Jetzt aber entlarvt sich die Regierung damit, dass sie keinesfalls ein gleichwertiger Partner Washingtons und Londons ist, sondern weiterhin eine Statistenrolle spielt. Spanien scheint auch nicht daran zu denken, im Juli die Führung der Internationalen Schutztruppe in Afghanistan (Isaf) von Deutschland und den Niederlanden zu übernehmen. Die Deutschen hatten den Wunsch geäußert, dass Spanien das Kommando übernehmen sollte. Vielleicht ein Versuch, die Spanier in ihrem neuen Führungsbestreben zu testen und sie zu provozieren, immerhin steht es um die Beziehungen der beiden Länder gerade nicht zum Besten. Die Bereitschaft der Spanier liegt aber derzeit bei null.

Profilieren könnte sich die Regierung bei der ihr offenbar zugedachten Rolle, im Nahost-Konflikt zu vermitteln. Diese Chance muss Aznar nutzen, will er einen Beweis dafür liefern, dass Spanien als immer noch größter Nettoempfänger innerhalb der Europäischen Union gerüstet ist, zu einer international führenden Nation aufzusteigen.

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