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29.01.2001

19:01 Uhr

Spanische Finanzgruppe Banco Santander Central Hispano steigert Gewinn um 43%

BSCH hat Wachstumstempo leicht gedrosselt

Eine gute Geschäftsentwicklung auf dem Heimatmarkt und massive Zukäufe in Lateinamerika haben nach der spanischen Großbank BBVA auch dem Branchenersten BSCH zu einem Rekordergebnis verholfen. Künftig werden sich die Spanier aber mit geringeren Wachstumsraten zufrieden geben müssen.

sk MADRID. Die führende Finanzgruppe Spaniens, Banco Santander Central Hispano S.A. (BSCH), Madrid, hat im abgelaufenen Geschäftsjahr 2000 seinen Nettogewinn um 43,4% auf 2,26 Mrd. Euro gesteigert. Mit diesem Ergebnis hat BSCH seinen größten Rivalen in Spanien, die Großbank Banco Bilbao Vizcaya Argentaria S.A. (BBVA), ebenfalls mit Sitz in Madrid, knapp überflügelt. BBVA hatte in der vergangenen Woche seine Geschäftszahlen vorgelegt und auf einen Nettogewinn von 2,23 Mrd. Euro verwiesen. Die Steigerungsrate beim BBVA lag bei 28%.

Seine Prognose hat BSCH damit erfüllt. Noch vor zwei Wochen hatte die Bank Gerüchte über eine mögliche Gewinnwarnung dementiert. Dem Wert der Aktie half das allerdings nichts: BSCH sackte an diesem Tag um über 5% nach unten. Auch gestern gab der Kurs zunächst nach - die vorgelegten Zahlen honorierte die Börse nicht: Am Nachmittag bewegte sich BSCH bei 11,50 Euro und verlor damit mehr als 3,5%. Offenbar wurde es BSCH übel genommen, eine zweite Vorhersage, nämlich die zum erwarteten Gewinn im laufenden Geschäftjahr 2001, zu korrigieren. Hatte es vergangene Woche noch geheißen, der Gewinn steige um 750 Mill. Euro, war gestern nur noch von 600 Mill. Euro (+26,5%) die Rede.

Auch dem Wachstumstempo der Spanier sind offenbar Grenzen gesetzt. Immerhin: Seit die beiden Institute Banco Santander und Banco Central Hispanoamericano im Januar 1999 fusionierten, erhöhte sich der Nettogewinn um satte 80%. Der Börsenwert hat sich seitdem verdoppelt - auf nunmehr rund 54 Mrd. Euro.

Zum Vergleich: Die Deutsche Bank weist einen Börsenwert von knapp über 61 Mrd. Euro auf, die Dresdner Bank liegt bei 27 Mrd. Euro. BBVA, Spaniens zweite spanische Großbank, ist derzeit 53 Mrd. Euro an der Börse wert.

BSCH hat in den vergangenen Jahren massiv in Lateinamerika zugekauft - vor allem in Mexiko und Brasilien. Zuletzt sicherte sie sich im November 2000 den Zuschlag auf die brasilianische Bank Banespa, was der Börse allerdings gar nicht behagte und mit dazu beitrug, dass BSCH das vergangene Börsenjahr leicht im Minus abschloss. Das spanische Institut bezahlte für die ehemalige Bank des Bundesstaats Sao Paulo, die als technologisch veraltet gilt und demzufolge hohe Anfangsinvestitionen verlangt, mehr als 3,5 Mrd. US-$ und damit fast das Vierfache des Mindestpreises. Insgesamt hat BSCH seit 1999 rund 8,6 Mrd. Euro in Lateinamerika investiert. In Europa lag die Summe bei 6,6 Mrd. Euro.

Die Strategie, trotz unsicherer Märkte aggressiv in Lateinamerika zu investieren, scheint sich für BSCH bezahlt zu machen: Der in Mittel- und Südamerika erzielte Nettogewinn lag 2000 bei 1,1 Mrd. Euro - das entspricht einer Steigerung von mehr als 100% im Vergleich zum Vorjahr. Mittlerweile hat das spanische Institut mehr Kunden in Lateinamerika (21 Millionen) als auf der Iberischen Halbinsel (10,3 Millionen). In Deutschland zählt BSCH 1,6 Millionen Kunden. Insgesamt ist die Bank in 42 Ländern aktiv. Das für 2001 ausgegebene Ziel für Mittel- und Südamerika heißt indessen Konsolidierung. Von weiteren Zukäufen war gestern bei der Präsentation der Jahreszahlen keine Rede - ausgeschlossen dürften sie jedoch nicht sein.

Auch für Europa zeichneten die beiden Co-Präsidenten der Bank, Emilio Botín und José María Amusátegui, kein klares Bild. Deutschland, Großbritannien, Italien und Portugal sind für BSCH die Hauptmärkte außerhalb Spaniens. Die Bank wolle auch in Europa weiter wachsen, hieß es. Die Frage nach dem Wie - ob möglicherweise an die Aufstockung ihrer zahlreichen Beteiligungen an Banken gedacht ist - blieb allerdings unbeantwortet. Bislang hält BSCH unter anderem an der Commerzbank 4,84%, an der Royal Bank of Scotland 9,56% und an der französchischen Société Générale 5,93%.

Zudem hat BSCH ein breites Netz von Industriebeteiligungen nicht nur in Spanien aufgebaut. Vertreten ist die Bank, ebenso wie ihr Rivale BBVA, vor allem in Wachstumsbranchen wie der Informations- und Telekommunikationstechnik. Das Internetportal Patagon, ein Gemeinschaftsprojekt mit AOL, soll in Deutschland noch in diesem Jahr umgesetzt werden.

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