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04.01.2002

13:54 Uhr

Spanische Unternehmen betroffen

Argentinien plant Abwertung des Peso

Argentiniens neue Regierung plant zur Lösung der schweren Wirtschaftskrise eine Abwertung der Landeswährung Peso, sowie weitere Eingriffe des Staates in die Wirtschaft.

rtr/dpa-afx BUENOS AIRES/MADRID. Präsident Eduardo Duhalde zufolge wird die Abwertung des Peso zum Dollar im Rahmen seines Rettungsplans bereits als selbstverständlich genommen. "Wir stehen vor wichtigen wirtschaftlichen Entscheidungen, die ich ihnen jetzt noch nicht bekannt geben kann. Aber lassen sie uns in diesen ersten Tagen mit (Preiserhöhungen für) Waren des täglichen Lebens sehr vorsichtig sein - die Abwertung (des Peso), vor der wir stehen, wird schließlich bereits als selbstverständlich genommen", sagte er am Freitag in einer Rede vor Geschäftsleuten. Der designierte Finanzminister Oscar Lamberto kündigte einen zweigeteilten Devisenmarkt für den Peso an.

Ein Mitarbeiter des Präsidenten hatte zuvor gesagt, im Rahmen von Duhaldes Rettungsplan werde der Peso nach zehn Jahren der Parität zum Dollar voraussichtlich rund 30 % abgewertet. Für bestimmte Transaktionen solle es aber einen festen Wechselkurs des Peso zum Dollar geben. "Einen offiziellen Markt, der von der Finanzbehörde betrieben wird, (...) und einen freien Markt für Transaktionen ohne Priorität, an dem sich der Wechselkurs nach den Marktgesetzen bestimmt", sagte Lamberto.

Dollar-Schulden der Argentiner sollen nach dem Regierungsplan vor der Abwertung in Peso umgewandelt werden, um damit die argentinischen Schuldnern vor der negativen Auswirkung der Abwertung zu schützen. Nach Expertenmeinung braucht dann das Bankensystem Hilfe. "Ohne Unterstützung überleben die Banken nicht", schrieben die Spezialisten von Lehman Brothers. Den könne die Regierung aber nicht geben, so dass als einzige Hilfe der Internationale Währungsfonds (IWF) bleibe.

Analysten erwarten durch den geteilten Devisenmarkt zudem einen Anstieg der Korruption, die Argentinien schon einmal in den Ruin getrieben habe. "Die Zweideutigkeit der zwei Umtauschkurse bereitet Korruption und Missbrauch Tür und Tor", sagte Analyst Walter Molano von BCP Securities. Die Abwertung werde zudem die Ersparnisse von Millionen Menschen entwerten, Firmen in den Bankrott reißen und die Preise für alltägliche Waren von Mehl bis zu Benzin und Radios hoch treiben.

Manche Arzneimittel - beispielsweise Insulin - wurden als Vorboten der Abwertung bereits knapp. Mit reduzierten Lieferungen wollten sich die Vertreiber gegen den Wertverfall der Währung schützen. Präsident Duhalde bat die brasilianische Regierung um Notlieferungen von Medikamenten.

Die Peronisten erwarten durch die Abwertung ein nur kurz dauerndes Opfer der 36 Millionen Argentinier. Zukünftig würden niedrige Lohnkosten und billigere Exporte das Wachstum wieder anfachen. "Ich halte es für schwierig, eine Abwertung zu vermeiden. Auch wenn sie kurzfristig schmerzhaft sein kann, denke ich, könnte sie sich mittel- bis langfristig als hilfreich für die argentinische Wirtschaft erweisen", sagte auch der Gouverneur der Bank von England Eddie George der BBC.

Der argentinische Aktienmarkt gab am Freitag mehr als vier Prozent nach, was Händler auf Gewinnmitnahmen zurückführten. Seit Anfang Dezember stieg der Merval aber immer noch rund 60 %, nachdem viele Sparer aus Angst vor einer bevorstehenden Peso-Abwertung sich in werthaltige Standardwerte flüchteten. Die internationalen Finanzmärkten nahmen die neuen Pläne Argentiniens gelassen auf. "Dies Situation geht (in Argentinien) nun schon seit mehr als einem Jahr so und die Märkte haben das eingerechnet. Es gab keine großen Marktbewegungen", sagte Zembei Mizoguchi von der internationalen Abteilung des japanischen Finanzministeriums.

Abwertung trifft spanische Unternehmen hart

Die bevorstehende Abwertung des Peso kommt die in Argentinien tätigen spanischen Unternehmen teuer zu stehen. Sie müssen mit Einbußen von bis zu 3,5 Mrd. ? rechnen, berichtete die Presse am Freitag. Betroffen seien vor allem die beiden Großbanken Santander Central Hispano (SCH) und Banco Bilbao Vizcaya Argentaria (BBVA), der Telekomriese Telefónica, der spanisch-argentinische Ölkonzern Repsol YPF oder der Stromversorger Endesa.

Spanien hat in den vergangenen zehn Jahren etwa 45 Mrd. ? in dem südamerikanischen Land investiert und ist damit größter ausländischer Investor. Allein die beiden Banken haben in Argentinien Einlagen in Höhe von rund 15 Mrd. Dollar (16,7 Mrd Euro) und erwirtschaften dort einen beträchtlichen Teil ihrer Gewinne.

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