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26.01.2001

17:41 Uhr

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Sparkassen: Endlich erste Liga

VonCASPAR DOHMEN

Die Sparkassen haben bei der Personalentwicklung aufgerüstet. Die Mitarbeiter finden viele Aufstiegschancen vor - bis hinauf in einen der 2 000 Vorstände.

HB DÜSSELDORF. Einmal Sparkasse, immer Sparkasse. Dieses Jahrzehnte lang zementierte Karrieremuster bröckelt. Vorbei sind die Zeiten, als die Beschäftigten in Sparkassen und Landesbanken auf ausgetretenen Pfaden wandelten, sich im Idealfall vom Bankkaufmann über die organisationsinterne Karriereleiter an die Spitze eines der Institute zwischen Passau und Flensburg hocharbeiteten. Heute öffnen sich neue Wege - sowohl für Eigengewächse der öffentlichen Banken wie für Quereinsteiger.

Früher hätten Sparkassen bei Quereinsteigern den "Stallgeruch" vermisst; Beschäftigte bei privaten Geschäftsbanken hätten - angesprochen auf einen Wechsel in eine Sparkasse - "eher die Nase gerümpft", sagt Joerg Engelmann von der Kölner Personalberatung IfP. Beiderseits habe ein Umdenken stattgefunden: Die Sparkassen hätten erkannt, dass sie angesichts veränderter Markt- bedingungen zusätzliche Experten benötigten. Bei den Mitarbeitern der Großbanken hätte die Neuausrichtung ihrer Arbeitgeber - diese ging mit Filialschließungen und Personalabbau einher - Interesse an Jobs im Sparkassenverbund ausgelöst.

Rosige Zeiten also für eine Karriere in einer Landesbank oder Sparkasse? "Nur bedingt", sagt Matthias Meifert von der Gummersbacher Personalberatung Kienbaum. Ungemütliche Zeiten kämen vor allem auf die Sparkassenmitarbeiter in den Filialen zu, weil viele Häuser anspruchsvolle Beratungen in Service-Centern konzentrierten. In den restlichen Filialen sollen nur noch Standardprodukte angeboten werden. "Dafür brauchen die Sparkassen weniger breit qualifizierte Mitarbeiter, sondern lediglich Verkäufer", betont Meifert.

Für den Karriereweg ist die Spezialisierung entscheidend

Sinnlos sei es, die Jobperspektiven bei den zwölf Landesbanken und 564 Sparkassen über einen Kamm zu scheren. Denn die Möglichkeiten bei der WestLB als Nummer eins unter den öffentlichen Banken sind unvergleichbar mit denen bei einer Kleinstsparkasse mit 20 Mitarbeitern. WestLB oder NordLB böten die gleichen Chancen wie Deutsche Bank & Co. In allen diesen Häusern sei für den weiteren Karriereweg eines Mitarbeiters dessen Spezialisierung entscheidend.

Die öffentlichen Riesen haben sich längst auch aus dem starren Korsett des Bundesangestelltentarifvertrags oder des Bankentarifvertrags befreit. So kommen WestLB-Mitarbeiter, besonders in den global aufgestellten Geschäftsbereichen wie dem Investmentbanking, in den Genuss von Bonusmodellen. Sie könnten durch Gewinnbeteiligungen das Mehrfache ihres Monatsgehaltes einstreichen, heißt es bei der Bank.

Höhere Gehälter können Beschäftigte im Einzelfall auch bei den rund 20 Großsparkassen verdienen, sagt Personalexperte Engelmann. Flexibel zeigt sich die Stadtsparkasse Köln bei Gehaltsfragen. "Ausnahmekandidaten" lasse sich sein Haus deutlich mehr als den Tarif kosten, sagt der Leiter der Personalentwicklung, Dirk Schaufelsberger. Dagegen halten die mehr als 500 kleineren Sparkassen laut Engelmann an den Tarifen fest.

Sparkassen setzen verstärkt auf Förderprogramme für Mitarbeiter

Auf der Suche nach Experten sind die Personalabteilungen auch in den eigenen Reihen fündig geworden. Zunehmend stoppen sie den Aderlass, der ihnen durch die Abwanderung von frisch ausgebildeten Mitarbeitern in Richtung Universitäten entsteht. Sie setzen auf Förderprogramme. So fördert die Stadtsparkasse Köln jährlich 60 bis 70 Studenten. Diese arbeiten phasenweise in der Bank. Er selbst habe von einem solchen Programm bei einer kleineren Sparkasse profitiert, erzählt Schaufelsberger, der heute mit 31 Jahren Leiter der Personalentwicklung sei.

Die Institute handelten nach der Devise "to make" statt "to buy", sagt Dr. Jürgen Backhaus, der Leiter der Sparkassenakademie Bonn. Er sieht die Sparkassen als den SC Freiburg der Bankenliga - wie der Fußballclub würden sie ihre Talente aus dem eigenen Nachwuchs aufbauen. Damit verführen sie anders als die Großbanken, die wie Bayern München Stars einkaufen könnten.

Doch ohne Personalinfusionen von außen kommen auch die Sparkassen nicht aus. Ob im Investmentbanking, Risikocontrolling oder Treasury - der Bedarf an Spezialisten steige, erläutert Backhaus. Und die Nachfrage nach Akademikern mit Spezialwissen werde weiter klettern. Momentan haben acht von 100 Sparkassenmitarbeitern einen Universitätsabschluss, vor zehn Jahren waren es nur vier von 100.

Gesucht sind nicht nur Wirtschaftswissenschaftler, sondern auch Wirtschaftsingenieure oder Mathematiker. Selbst für Architekten könnte es sich lohnen, bei einer Sparkasse anzuklopfen. Sie werden von den Immobilienabteilungen gesucht. Für solche "Exoten" waren die Sparkassentüren vor einigen Jahren noch geschlossen.

Sparkassenorganisation lockt mit 2 000 Vorstandsposten

Einen Karrierevorteil bietet die Sparkassengruppe allein schon auf Grund der Anzahl der Institute. Neun Vorstandssessel stehen in der Chefetage der Deutschen Bank. Mit rund 2 000 Vorstandssitzen locke dagegen die öffentliche Bankengruppe, sagt Backhaus. Klar sei natürlich, dass ein Sparkassenvorstand nur regional begrenzt agiere, ergänzt Personalberater Engelmann.

Einen wichtigen Vorteil für Berufseinsteiger sieht Engelmann in der überschaubaren Größe von Sparkassen. Mitarbeiter könnten viel schneller einen Überblick über die Palette an Tätigkeitsfeldern in einem Kreditinstitut gewinnen als in einer durch hohe Arbeitsteilung charakterisierten Großbank. Zudem könnten sie "schneller Führungsverantwortung übernehmen".

Lange Beschäftigungsverhältnisse bei Sparkassen können allerdings in einer Einbahnstraße münden. Wer dort acht oder mehr Jahre arbeitet, für den werde ein Wechsel zu einer privaten Bank schwierig, sagt Meifert. Ob zu Recht oder Unrecht: Sparkassenmitarbeitern werde häufig ein "unflexibles Verhalten" unterstellt. Das sollten die Beschäftigten in ihrer Karriereplanung berücksichtigen.

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