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25.01.2003

12:46 Uhr

SPD-Spitze äußert sich kritisch

Oskar ist wieder da

Mit einer flammenden Rede vor Genossen zur Saar-Landespolitik hat sich der frühere SPD-Bundesvorsitzende Oskar Lafontaine nicht nur auf der politischen Bühne zurückgemeldet. Der 59-Jährige eroberte am Freitagabend beim Neujahrsempfang der Saar-SPD auch die Herzen vieler enttäuschter Sozialdemokraten zurück.

HB/dpa SAARBRÜCKEN. Gemeinsam mit Landeschef Heiko Maas will der ehemalige Saar- Ministerpräsident 2004 zum Wahlsieg führen. In welcher Funktion Lafontaine dabei antritt, ließ er jedoch offen. "Wir bauen auf seine Überzeugungskraft als großer Redner", sagte Saarbrückens SPD-Chef Horst Schmeer bei dem Empfang im Rathaus. Lafontaine habe selbst angeboten, die Partei wieder zu unterstützen.

Mehr als 700 Genossen feierten das Comeback, viele riefen Lafontaine "Bravo" zu, klatschten ausdauernd Beifall. "Wir brauchen dich" und "Oskar kann es noch", riefen viele.

Er wolle keinen "neuen Zoff" liefern, meinte Lafontaine, der im Streit mit Bundeskanzler Gerhard Schröder im März 1999 von allen Ämtern zurückgetreten war. Die Enttäuschung über den Bundesfinanzminister und SPD-Chef war besonders in der Heimat des Saarländers groß, wo die Partei 1999 die Regierungsmacht verlor.

SPD-Landeschef Maas sprach davon, dass der Umgang in den eigenen Reihen noch von vielen "Irrationalitäten und Verletzungen" geprägt sei. Bei dem wegen Lafontaines Auftritt umstrittenen Empfang der Stadtratsfraktion ließ sich Maas entschuldigen.

Aus Sicht von Stadt-Chef Schmeer sind alle "Wunden" geheilt. Der Landtagsabgeordnete Ulrich Commercon (SPD) und bekennende Lafontaine- Kritiker sagte nach der Rede: "Wenn er uns weiter so vereint und nicht wieder neu polarisiert, ist er willkommen". Der Rücktritt damals sei ein großer Fehler gewesen. "Aber auf seine Analysefähigkeit, Erfahrung und Begeisterungskraft können wir nicht verzichten", meinte Commercon.

Lafontaine kritisierte in seiner Rede, dass "das neoliberale Geschwätz in den eigenen Reihen zu viel Raum" einnehme. Auch mit seinem entschiedenen "Nein" zu einem drohenden Irak-Krieg zog Lafontaine die Genossen auf seine Seite. Der Sozialdemokrat rief die "Arbeiterbewegung" zum Protest auf. "Es sind nie die Großen, die in Kriegen sterben, sondern immer die Armen." Die USA seien nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion die einzige Großmacht, die kontrolliert werden müsse.

Ob der geglückte Start im eigenen kleinen Land, wo sich der Lokalpatriot verdient gemacht hat, auch bundesweit Wellen schlägt, bleibt abzuwarten. Der stellvertretende Bundestagsfraktionschef Ludwig Stiegler (SPD) meinte in der "Bild am Sonntag", dass einem Politiker dieses Formats nicht die Tür vor der Nase zugeschlagen werden dürfe. Als Eintrittskarte für die Bundespolitik solle er das Saarland zurückerobern.

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