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17.01.2003

19:30 Uhr

SPD, Union und Grüne ziehen an einem Strang

Überparteiliche Initiative für internationales Klon-Verbot

SPD, Union und Grünen wollen bereits im Februar ein internationales Klon-Verbot auf den Weg bringen. Auch das Klonen zu therapeutischen Zwecken müsse möglichst bald geächtet werden, sagten Vertreter der drei Bundestagsfraktionen bei der Vorstellung ihres Antrages am Freitag in Berlin. Die FDP will sich nicht anschließen. Die Bundesregierung begrüßte den Vorstoß. Sowohl Wirtschaftsminister Wolfgang Clement wie auch Forschungsministerin Edelgard Bulmahn (beide SPD) sind ebenfalls für ein weltweites Klonverbot.

HB/dpa BERLIN. Möglichst bald wolle Deutschland mit Partner Frankreich auf UN - Ebene über ein internationales Klon-Verbot verhandeln, kündigten sie an. Schon in der nächsten Woche soll bei den Feierlichkeiten zum Elysée-Vertrag mit den französischen Kollegen gesprochen werden. Die stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Gudrun Schaich-Walch (SPD), Reinhard Loske (Grüne) und Maria Böhmer (CDU) betonten, dass "jedes Klonen mit menschlichen Embryonen unabhängig von der dazu genutzten Technik unvereinbar mit der Menschenwürde ist".

Die Fraktionen seien sich einig, dass es ein umfassendes Verbot des Klonens geben müsse, das sowohl das reproduktive Klonen zur Fortpflanzung als auch das therapeutische Klonen zu Forschungs- und Medizinzwecken gleichzeitig ausschließt. "Wir werden nicht alle Staaten gewinnen können, aber wir setzen ein deutliches Signal", sagte Schaich-Walch. Vor allem die Rolle der USA sei nicht klar, die international zwar ebenfalls ein Verbot forderten, national aber eher in die andere Richtung tendierten.

Bulmahn begrüßte die überparteiliche Einigung. "Es ist gelungen, in dieser sensiblen Frage einen breiten parlamentarischen Konsens zu erreichen." Auch sie sprach sich für "ein wirksames, möglichst umfassendes und von allen Staaten getragenes Klonverbot" aus. Im Mai veranstaltet die Ministerin dazu in Berlin eine internationale Konferenz. Clement bekräftigte allerdings, dass an der embryonalen Stammzellenforschung festgehalten werden solle. "Wenn wir Fortschritt auf diesem Gebiet erzielen wollen, brauchen wir das."

Die FDP teilte mit, das therapeutische Klonen zu Heilungszwecken müsse differenziert betrachtet werden. Ein weltweites kategorisches Verbot sei nicht durchsetzbar. Die Bundesvereinigung Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung begrüßte die Initiative. "Es wird höchste Zeit, dass diesem Spiel mit dem Feuer Einhalt geboten wird", sagte ihr Vorsitzender Robert Antretter in Marburg. Es sei zu befürchten, dass mit der Jagd nach dem perfekten Menschen die Akzeptanz von kranken und behinderten Menschen in der Gesellschaft abnehme.

In den vergangenen Wochen hatte die angebliche Geburt zweier Klonbabys in der Realianer-Sekte Aufsehen erregt und den Ruf nach umfassenden Verboten laut werden lassen.

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