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20.02.2002

19:00 Uhr

Speicherchips wieder auf dem Preisniveau von Mai 2001

Anleger ignorieren den Tech-Aufschwung

VonUlf Sommer

Die Konjunktur springt an. Das signalisieren immer mehr Frühindikatoren in den USA. Auf der Unternehmensseite gibt es ausgerechnet in der gebeutelten Technologiebranche Hoffnung: Die Auftragslage verbessert sich sprunghaft. Investmentexperten setzen deshalb auf High-Tech-Aktien großer Konzerne.

HB DÜSSELDORF. Der scharfe Einbruch vom Herbst ist überwunden. Erstmals seit Anfang 2001 verzeichnet die US-amerikanische Informationstechnologie auf Quartalsbasis wieder deutlich mehr Aufträge. "Im Vergleich zum Vorjahr ist der Anstieg nicht so stark, aber eine Trendwende nach oben ist klar zu erkennen", sagt HSBC-Stratege Klaus Lüpertz zu den Daten.

Auch Teilbereiche spiegeln die Erholung in der Gesamtbranche wieder. So legen in der deutschen Halbleiterindustrie die Aufträge zu. Sichtbar wird das im Book-to-Bill-Ratio. Der Januar-Wert beträgt 0,97. Das ist so viel wie zuletzt vor zwölf Monaten. Der Indikator gibt das Verhältnis von Auftragseingang zum Umsatz an. Werte über 1 sind positiv, weil es dann mehr Eingänge als Umsatz gibt. Die Zahlen lassen einen "Aufschwung und eine baldige Erholung vom gegenwärtig niedrigen Niveau aus erhoffen", meint der Zentralverband der Elektronikbranche (ZVEI).

Positives meldet auch die internationale Halbleiterbranche: In dieser Woche stieg der Tagesmarktpreis für einen 128-Megabit-Speicherchip - die Meßlatte - auf 4 Dollar. So teuer waren Chips zuletzt im Mai 2001. Vom Tief aus gesehen haben sich die Preise mehr als verdoppelt. Allerdings lässt sich auch mit 4 Dollar kein Geld verdienen. Unternehmen wie Infineon decken damit allenfalls ihre Produktionskosten.

Gedämpften Optimismus signalisieren auch die Quartalszahlen der Unternehmen. Mehr als die Hälfte der im breit gefächerten amerikanischen S&P-500-Index notierten Unternehmen überraschten mit positiven, über den Prognosen liegenden Ergebnissen. Weniger als ein Fünftel der Firmen fiel negativ auf. Doch warum fällt dann die Börse?

"Die Erwartungen wurden vorab so manipuliert, dass sie anschließend geschlagen werden konnten. Zudem verlieren Umsatz- und Ergebniszahlen an Bedeutung, wenn Bilanzmanipulationen das große Thema sind", meint Hendrik Garz von West LB Panmure. Erst wenn die "vielfach künstliche Aufregung" um Tricksereien beendet sei, würden sich Anleger wieder auf wichtigere Unternehmensdaten konzentrieren. Dazu gehört laut Graz etwa der kaum manipulierbare Cash-Flow, also das freie verfügbare Kapital eines Unternehmens.

Ein weiterer Grund für die negative Börsenreaktion sind neben der hohen Bewertung vieler Aktien - bei US-Technologiewerten ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis fast so hoch wie in Zeiten der Börseneuphorie - die großen Erwartungen der Investoren in die noch laufende Berichtssaison. So hatten die Anleger gehofft, dass die Firmenausblicke das Ende der Rezession einläuten würden. Doch die Unternehmen sehen sich nicht in der Lage, genaue Prognosen zu liefern. Und wenn ein Weltkonzern wie Intel seine Investitionen senkt, werten Anleger dies als Zeichen, dass die Aussichten weniger positiv sind, als erhofft.

Dennoch setzen die meisten Investmenthäuser auf zyklische Aktien, besonders auf High-Tech-Werte, weil diese von einem Konjunkturaufschwung besonders profitieren. Technologie-Aktien haben nach Meinung der Deutschen Bank zwar eine kräftige Wirtschaftserholung in den Kursen eingepreist. Auf der anderen Seite profitierten sie bei einer Wachstumsbeschleunigung aber "zunächst übermäßig stark".

HSBC favorisiert ebenfalls Technologiewerte: "Jahrelang versuchten Anleger eine IBM vergeblich für unter 100 Dollar zu bekommen. Jetzt ist es möglich, doch nur wenige wollen sie haben", sagt Stratege Lüpertz. Er setzt daneben auf die Weltmarktführer Vodafone und Nokia: "Bei einem Nokia-Kurs von 23 Euro ist das Risiko sehr begrenzt."

Zumindest den Mobilfunkkonzern Vodafone finden fast alle Bankhäuser sympatisch. Allein in den vergangenen vier Wochen empfahlen nach Angaben der Finanzagentur Bloomberg 21 Institute das britische Papier zum Kauf. Nur vier rieten zum "Halten", niemand zum "Verkauf". Der Aktienkurs verlor seit der Enron-Pleite und der Krise um Bilanzmanipulationen drastisch. Er notiert derzeit mit 2,10 Euro nur knapp über dem Tief vom September 2001. Die zuletzt stagnierenden Verkaufszahlen von Vodafone und sinkenden Umsätze pro Kunden stören die Analysten augenscheinlich nicht.

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