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12.07.2000

16:05 Uhr

rtr DÜSSELDORF. Der Aufsichtsrat der ThyssenKrupp AG wird sich nach Angaben aus Unternehmenskreisen am Freitag erneut mit Einzelheiten des geplanten Börsengangs der Stahltochter beschäftigen. Das Gremium werde bestätigen, dass im September oder Oktober 25 bis 35 Prozent der Anteile von ThyssenKrupp-Steel platziert würden, hieß es in den Kreisen am Mittwoch. Auch die seit Tagen umlaufenden Gerüchte über einen Zusammenschluss der Stahltochter mit der französischen Usinor und der anhaltende Kursverfall würden erörtert. Fusions-Spekulationen mit Usinor hatte ThyssenKrupp in den vergangenen Wochen mehrmals dementiert. Analysten bezeichneten eine solche Fusion zwar als sinnvoll, verwiesen jedoch auf kartellrechtliche Schwierigkeiten.

Ein Konzernsprecher bekräftigte, die Vorbereitungen für den Börsnegang verliefen planmäßig. Details würden auf einer Pressekonferenz am 24. Juli mitgeteilt. Der Börsengang ist Kern des Umbaus von ThyssenKrupp. Dabei will sich der Konzern von über zehn Milliarden Umsatz trennen, knapp 20 Prozent des Gesamtumsatzes. Die derzeit 23 Geschäftsfelder sollen auf sechs Kernbereiche schrumpfen.

Presseberichte, wonach die ThyssenKrupp-Doppelspitze Gerhard Cromme und Ekkehard Schulz gefährdet sei, entbehren nach Ansicht von Theo Kitz, Analyst beim Münchner Bankhaus Merck Finck & Co jeder Grundlage. Offiziell stünden Personalfragen nicht einmal auf der Tagesordnung der Routine-Sitzung, hieß es ergänzend aus Unternehmenskreisen. In den vergangenen Tagen waren vor allem dem für die Unternehmensstrategie verantwortlichen Cromme Fehler angelastet worden, etwa beim Ringen um die Industriesparte von Mannesmann oder wegen der Verluste im Werkzeugmaschinenbau mit Auswirkungen auf den Kursverlauf. Am Mittwoch gab die ThyssenKrupp-Aktie leicht nach und lag bei 16,40 Euro. Im Februar notierte die Aktie noch bei über 30 Euro.

Kitz und andere Beobachter unterstrichen, eine Fusion von Usinor und der Steel-Tochter ergebe aus strategischen Überlegungen Sinn. Für die Usinor sei zudem zum jetzigen Zeitpunkt eine Verschmelzung billiger, als wenn sie nach dem Börsengang des Stahlbereichs für Anteile bieten müsse, sagte Kitz. Er erinnerte an die Übernahme der Mannesmann Atecs durch Siemens und Bosch. Bei der Berliner Bankgesellschaft hieß es, denkbar sei, dass die Usinor nach einem Börsengang der Stahlsparte einsteige. Bei einer Fusion könnte aus kartellrechtlichen Gründen die eine oder andere Bereinigung des Portfolios notwendig sein.

ThyssenKrupp hatte Ende Mai mitgeteilt, der Auftragseingang sei in den ersten sechs Monaten 1999/2000 (30.September) um 21,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 18,7 Milliarden Euro gesteigert worden. Der Halbjahresumsatz stieg nach Angaben des Konzerns im Vergleich zum Vorjahr um zehn Prozent auf 17,4 Milliarden Euro. Für das zweite Halbjahr rechnet der Konzern mit weiterhin lebhafter Nachfrage und erwartet für das gesamte laufende Geschäftsjahr ein Umsatzanstieg von zehn Prozent.

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