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29.01.2002

13:31 Uhr

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Spekulationen beflügeln Commerzbank-Aktienkurs

Nach Informationen einer italienischen Zeitung ist die Münchener Rück daran interessiert, ihren Commerzbank-Anteil noch in dieser Woche mehr als zu verdoppeln. Beide Seiten wiesen entsprechende Berichte jedoch als Spekulation zurück.

vwd FRANKFURT/MüNCHEN. Spekulationen um die Commerzbank AG haben am Dienstag deren Aktienkurs beflügelt. Nach einem Vortagsschluss von 19,92 Euro stieg dieser am Vormittag bis auf 20,60 Euro und damit erstmals seit November 2001 über 20 Euro. Presseberichte über eine Aufstockung des Anteils der Münchener Rückversicherungs AG-Gesellschaft an der Frankfurter Bank auf 25 von 10,4 % wurden allerdings von beiden Seiten als Gerüchte bezeichnet.

"Zu Gerüchten über einzelne Kapitalanlagen nehmen wir üblicherweise keine Stellung", sagte ein Münchener-Rück-Sprecher. Es gälten weiter die Aussagen von Mitte Januar, wonach die Beteiligung an der Bank als reine Kapitalanlage gesehen wird. Mit dem jetzigen Anteil an Deutschlands viertgrößter Bank befinde man sich jedoch "in einer günstigen Beobachterposition" für den Bankenmarkt, bekräftigte der Sprecher.

Nach Informationen der italienischen Zeitung "Corriere della Sierra" ist die Münchener Rück daran interessiert, ihren Commerzbank-Anteil noch in dieser Woche durch den Kauf der Anteile der Commerzbank-Investorengruppe Cobra von 9,9 % und des spanischen Commerzbank-Partners Santander Central Hispano (SCH) von 4,8 % mehr als zu verdoppeln. Sowohl Cobra als auch SCH hätten bereits Interesse an einem Verkauf ihrer Anteile signalisiert. Nach Händlerangaben hat die Fondsgesellschaft der Münchener Rück, MEAG, am Berichtstag Commerzbank-Aktien für einen siebenstelligen Betrag von einer britischen Adresse gekauft. MEAG lehnte eine Stellungnahme dazu ab. Die Münchener Rück hatte Mitte Januar mitgeteilt, dass sie ihren Anteil an der Commerzbank auf 10,4 % aufgestockt hat, und damit neue Spekulationen über eine Konsolidierung in der deutschen Bankenlandschaft entfacht. Der Rückversicherer ist größter Anteileigner des Instituts. Ein Münchener-Rück-Sprecher hatte die Transaktion bereits damals als reines Finanzinvestment bezeichnet. Der Versicherungskonzern habe das niedrige Kursniveau der Commerbank-Aktie als günstige Kaufgelegenheit gesehen. Analysten und Marktteilnehmer sahen dahinter jedoch auch strategische Überlegungen. Die Commerzbank wird schon seit geraumer Zeit als Übernahmekandidat gehandelt.

Auch ein Commerzbank-Sprecher bezeichnete die umlaufenden Berichte als "Gerücht". Mehr könne von Seiten der Bank dazu nicht gesagt werden. Auch Aussagen von Börsenhändlern, die MEAG habe Commerzbank-Aktien für einen siebenstelligen Betrag von einer britischen Adresse gekauft, könne er nicht bestätigen. Davon wisse er nichts.

Nach Einschätzung von Ralf Dibbern von M.M. Warburg will sich der größte Rückversicherer der Welt mit seiner Beteiligung an der Commerzbank Einflussmöglichkeiten für eine mögliche Neuordnung der Bankenlandschaft sichern. Inwieweit an dem Bericht des "Corriere della Sierra" etwas dran ist, ist nach den Worten des Analysten derzeit schwer zu sagen. Zwar würde die Münchener Rück mit 25 % über eine Sperrminorität bei der Commerzbank verfügen, habe aber auch mit der derzeitigen Beteiligung große Einflussmöglichkeiten.

Dass die Münchener Rück jedoch eine Mehrheitsübernahme bei der Commerzbank und eine Fusion mit der Hypo-Vereinsbank AG, München, an der sie 25,7 % hält, anstreben könnte, ist nach Ansicht Dibberns wie auch anderer Analysten relativ unwahrscheinlich. Dies würde gegen die Interessen der Assicurazioni Generali SpA, Triest, stehen, deren deutsche Versicherungsgruppe AMB eine Vertriebskooperation mit der Commerzbank unterhält. Eine derartige Transaktion sei im Übrigen zu teuer und auch wenig sinnvoll, heißt es bei Experten.

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