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08.04.2003

08:15 Uhr

Spekulationen über Tod des Diktators

USA werfen Bunkerbrecher-Bomben gegen Hussein

Mit einem massiven Bombardement hat die US-Armee den vermuteten Aufenthaltsort des irakischen Präsidenten Saddam Hussein und seiner beiden Söhne in Bagdad angegriffen.

Unter Beschuss stand auch das Informationsministerium in Bagdad. Foto: dpa

Unter Beschuss stand auch das Informationsministerium in Bagdad. Foto: dpa

Reuters BAGDAD/WASHINGTON. Ob Saddam und seine Söhne bei dem Luftangriff am Montag in dem Gebäude in einem Bagdader Wohnviertel ums Leben gekommen seien, werde noch untersucht, sagte ein Sprecher des US-Militärs in Katar in der Nacht zum Dienstag. B-1-Langstreckenbomber hätten vier 900 Kilogramm schwere bunkerbrechende Präzisionsbomben abgeworfen. Das Ziel im westlichen Stadtteil Mansur sei sehr schwer getroffen worden. Spekulationen über den Tod Saddams hoben den Tokioter Markt vorübergehend von seinen Tiefstständen. In London fiel der Öl-Preis. Irakische Soldaten versuchten in der Nacht unterdessen offenbar, einen von den USA gehaltenen Palast zu stürmen.

Zum Zustand des getroffenen Gebäudes in Mansur hieß es in US-Militärkreisen: "Es ist ein Loch im Boden." Es werde schwer sein zu beweisen, wer getötet worden sei. Geheimdienst- Informationen hätten darauf hingedeutet, dass in dem Haus "ein Treffen von irakischen Geheimdienstmitgliedern und möglicherweise zudem von Saddam und seinen beiden Söhne" stattfand.

Augenzeugen hatten zuvor von neun getöteten und vier verletzten Irakern nach einem Luftangriff in Mansur gesprochen. Ein Wachmann sagte, unter den Trümmern seien noch Menschen eingeschlossen. Ein Geschoss habe einen zehn Meter tiefen und und 15 Meter breiten Krater in eine Straße gerissen.

Mansur gilt als Hochburg der regierenden Baath-Partei. Zum Kriegsausbruch am 20. März hatten die Kriegverbündeten ein Wohngebiet im Westen der Stadt bombardiert, in der erklärten Absicht, Mitglieder der irakischen Führung zu treffen. Seitdem ist spekuliert worden, ob Saddam noch lebt. Seine Söhne Udai und Kusai nehmen wichtige Funktionen in seinem Machtgefüge ein. Ein Cousin von Saddam, der Militärkommandeur Ali Hassan el Madschid, ist nach britischen Angaben möglicherweise bei einem Luftangriff in Basra vor einigen Tagen getötet worden.

Offenbar irakischer Angriff auf Präsidentenpalast

Irakische Soldaten versuchten in der Nacht offenbar, einen von US-Streitkräften besetzten Präsidentenpalast im Zentrum Bagdads zurückzuerobern. Reuters-Korrespondenten berichteten von Artillerie- und Maschinengewehrfeuer. US-Panzer bewegten sich unter schwerem Beschuss auf irakische Stellungen außerhalb des Palastgeländes zu. Tieffliegende Kampfflugzeuge unterstützten den Vorstoß, der offenbar in nördliche Richtung vorgetragen wurde. Die USA hatten den Palast am Vortag erobert.

Am Morgen erschütterten zwei schwere Explosionen die Umgebung des Informationsministeriums in Bagdad. Das Regierungsviertel war schweren US-Angriffen aus der Luft und durch Artillerie ausgesetzt. "Sie greifen immer und immer wieder dieselbe Stelle an", sagte Reuters-Korrespondentin Samia Nakhoul. US- Marineinfanteristen griffen einem weiteren Reuters-Reporter zufolge einen Militärflughafen im Südosten Bagdads an. Aus Militärkreisen verlautete, die Einheiten sollten allmählich in Richtung des Stadtzentrums vorrücken.

Bei einem Luftangriff auf Bagdad wurde das Büro des arabischen Senders El Dschasira nach dessen Angaben getroffen. Mehrere Journalisten seien verletzt worden. Das Büro liege in einem Wohnviertel.

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